Krankenstand, Beschäftigten

Krankenstand: 60% der Beschäftigten fehlen obwohl arbeitsfähig

30.06.2026 - 02:09:42 | boerse-global.de

Deutscher Krankenstand bleibt mit 17 Tagen pro Kopf hoch. Firmen reagieren mit Personalabbau und neuen Analysetools zur Fehlzeiten-Kultur.

Hoher Krankenstand 2025: Unternehmen planen Stellenabbau
Krankenstand - Abstrakte Darstellung von Datenfluss und Konnektivität in einem Unternehmensumfeld, die Organisationsdiagnostik symbolisiert. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Laut Techniker Krankenkasse fehlten Beschäftigte 2025 durchschnittlich 17 Tage. Das belastet Unternehmen finanziell und organisatorisch.

Eine Umfrage des Beratungshauses Horváth unter 1.000 Betrieben zeigt: Hohe Personalkosten treiben strategische Anpassungen voran. Für 2026 rechnet die Industrie mit einem signifikanten Stellenabbau.

Fehlzeiten: Nicht immer ist eine echte Erkrankung der Grund

Doch nicht jeder Krankmeldung liegt eine tatsächliche Erkrankung zugrunde. Die Pronova BKK fand heraus: Rund 60 Prozent der Beschäftigten blieben schon einmal der Arbeit fern, obwohl sie sich arbeitsfähig fühlten. Yougov-Daten ergänzen: Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer gab dabei falsche Gründe an.

Die Ursachen sind vielfältig. Führung, Kommunikation und Arbeitsorganisation spielen eine zentrale Rolle. Unternehmen müssen verstehen, warum Mitarbeiter fehlen – und warum sie kommen.

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Neues Online-Tool analysiert die Fehlzeiten-Kultur

Hier setzt ein neues Diagnose-Instrument an. Seit Juni 2026 bietet „do care!“ ein Online-Tool zur Analyse der Fehlzeiten-Kultur. Es untersucht sechs Themenfelder per videobasierter Anleitung. Das Ergebnis: eine individuelle Auswertung als PDF.

Wichtig: Personenbezogene Daten werden nicht gespeichert. Im Fokus stehen kulturelle Treiber – nicht einzelne Mitarbeiter.

Inklusion als Erfolgsfaktor

Ein Beispiel für gelungene Integration: Die HAKRO GmbH und die Weckelweiler Gemeinschaften arbeiten zusammen. Seit März 2026 wurde eine Außenarbeitsgruppe für Menschen mit Behinderung im Logistikzentrum Schrozberg personell verdoppelt. Bis zu zwölf Personen arbeiten dort in Logistik, Kantine und Grünpflege – sozialpädagogisch begleitet.

Solche Modelle schaffen verlässliche Beschäftigungsverhältnisse. Sie sind Teil einer stabilen Organisationskultur, die Fehlzeiten reduzieren kann.

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Rechtliche Grenzen bei Verdacht auf Missbrauch

Bei begründetem Verdacht auf unberechtigte Krankmeldungen können Arbeitgeber sanktionieren – bis zur Kündigung. Doch die Hürden sind hoch. Das Bundesarbeitsgericht entschied im März 2026: Fehler in der Massenentlassungsanzeige machen Kündigungen unwirksam.

Auch das Arbeitsgericht Berlin erklärte im Juni 2026 eine Kündigung für unwirksam. Grund: Fristen wurden nicht eingehalten, der Personalrat nicht beteiligt.

Für Unternehmen bleibt es ein Balanceakt. Sie müssen eine positive Präsenzkultur fördern – und gleichzeitig Missbrauch konsequent verfolgen. Beratungsangebote, wie Ende Juni 2026 von der IHK Magdeburg, zeigen den anhaltenden Bedarf an Unterstützung.

de | wissenschaft | 69656174 |