Kraft- und Balancetraining: Sturzrate bei Älteren um 34 Prozent senken
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Mobilität in der Lebensmitte sowie im höheren Alter erfordert gezielte Routinen in den Bereichen Bewegung und Nährstoffversorgung. Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Auswertungen unterstreichen, dass bereits moderate, aber regelmäßige Interventionen signifikante Auswirkungen auf die Sturzprävention, die Knochendichte und die kognitive Gesundheit haben können.
Sturzprävention und Sicherheit im Wohnumfeld
Besonders im Herbst steigen die Anforderungen an die physische Stabilität. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) wies in einer Mitteilung vom 23. September 2026 auf ein erhöhtes Sturzrisiko durch Faktoren wie nasses Laub, Dunkelheit und Feuchtigkeit hin. Daten des TraumaRegisters DGU belegen, dass Stürze aus geringer Höhe bei Menschen über 80 Jahren die häufigste Ursache für schwere Verletzungen darstellen.
Wissenschaftliche Analysen bestätigen die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen. Ein Cochrane-Review, dessen Literatursuche bis Mai 2018 reichte, zeigt auf, dass ein mehrkomponentiges Kraft- und Balancetraining die Sturzrate bei älteren, zu Hause lebenden Menschen um 34 Prozent senken kann. Die Zahl der Personen, die mindestens einmal stürzen, reduzierte sich demnach um 22 Prozent.
Ein weiterer Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 betont zudem die Bedeutung des direkten Umfelds: Durch die Beseitigung von Gefahrenquellen in der Wohnung könne das Sturzrisiko bei gefährdeten Personen um 38 Prozent gesenkt werden. Die NICE-Leitlinie empfiehlt in diesem Zusammenhang eine Kombination aus Bewegungsprogrammen, Wohnumfeldprüfungen, Medikationschecks sowie regelmäßigen Augenarztbesuchen.
Erhalt der Muskelmasse und Knochenstabilität
Der biologische Abbau von Muskelmasse beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr. Nach Angaben der AOK gehen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr etwa 8 Prozent der Muskelmasse verloren. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, sind spezifische Belastungsreize notwendig.
Eine Untersuchung der Nanjing University, die im BMJ veröffentlicht wurde und 124 Einzelstudien mit über 18.000 Teilnehmenden auswertete, identifizierte zügiges Gehen, Joggen sowie eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining als besonders effektiv für die Knochendichte.
Ein optimaler Nutzen für die Knochengesundheit wurde bereits bei einem Schwellenwert von rund 600 MET-Minuten pro Woche erreicht, was etwa zwei bis drei Stunden zügigem Spazierengehen entspricht. Während Mind-Body-Übungen wie Yoga oder Tai-Chi die Knochendichte laut der Analyse nur mäßig steigerten, konnten sie das Frakturrisiko um 42 Prozent senken.
Experten betonen jedoch, dass reines Spazierengehen ab einem Alter von 60 Jahren oft nicht ausreicht, um den Abbau von Muskelkraft und Knochenstabilität effektiv zu verhindern. Empfohlen werden stattdessen ergänzende Übungen wie Stuhl-Kniebeugen, Liegestütze an erhöhten Flächen oder das Training mit Widerstandsbändern.
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Zeitoptimierte Trainingsformen und kardiovaskuläre Effekte
Für Personen mit begrenztem Zeitbudget rücken Konzepte wie das sogenannte „Exercise Snacking“ in den Fokus. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025, die 27 Studien mit 970 Teilnehmenden untersuchte, stellte positive Effekte auf die kardiorespiratorische Fitness, den Blutdruck und den Stoffwechsel bei kurzen Einheiten von 5 bis 10 Minuten fest. Für einen gezielten Muskelaufbau seien diese kurzen Sequenzen jedoch nicht ausreichend.
Regelmäßiges Krafttraining zeigt zudem geschlechtsspezifische Vorteile. Eine Barmer-Studie ergab, dass Frauen, die regelmäßig Kraftübungen durchführten, ein um 30 Prozent geringeres Risiko aufwiesen, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben.
Bei Frauen in den Wechseljahren spielen zudem sinkende Östrogenspiegel eine Rolle, die die Speicherung von viszeralem Bauchfett begünstigen können, was wiederum das Risiko für Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes erhöht.
Einfluss auf die kognitive Gesundheit
Bewegung hat über die physische Stabilität hinaus Auswirkungen auf die Gehirngesundheit. Die Harvard Aging Brain Study, deren Ergebnisse 2025 in Nature Medicine veröffentlicht wurden, begleitete 294 kognitiv unauffällige Erwachsene über 14 Jahre.
Die Daten deuten darauf hin, dass bereits 3.000 bis 5.000 Schritte täglich den kognitiven Verfall im Schnitt um rund drei Jahre verzögern können. Bei einer Steigerung auf 5.000 bis 7.500 Schritte lag die Verzögerung bei bis zu sieben Jahren.
Ein Bericht der Lancet Commission zur Demenzprävention sowie ein Factsheet der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 3. Juli 2026 weisen darauf hin, dass theoretisch bis zu 45 Prozent aller weltweiten Demenzfälle durch die dauerhafte Beseitigung von 14 Risikofaktoren, darunter körperliche Inaktivität, Bluthochdruck und soziale Isolation, verhindert oder verzögert werden könnten.
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Ernährung und Nährstoffbedarf im Alter
Parallel zur körperlichen Aktivität ändert sich im Alter das Verhältnis von Kalorienbedarf zu Nährstoffbedarf. Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin weist darauf hin, dass Medikamente wie Säureblocker oder Metformin die Aufnahme wichtiger Mikronährstoffe wie Magnesium und Vitamin B12 hemmen können.
Laut der Augsburger Bevölkerungsstudie ist jeder vierte Mensch über 65 Jahren unzureichend mit Vitamin B12 versorgt, was Nervenschäden oder Sehstörungen zur Folge haben kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 4 Mikrogramm Vitamin B12 sowie für Frauen 300 mg und für Männer 350 mg Magnesium. Zudem wird zur Unterstützung der Knochengesundheit und des Immunsystems auf die Bedeutung von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren verwiesen.
Sportlich aktive Personen können sich zudem an der sogenannten 90/10-Regel orientieren, die auf 90 Prozent nährstoffreichen Lebensmitteln basiert, um die Energieverfügbarkeit für das Training sicherzustellen und Leistungseinbrüche oder Infekte zu vermeiden.
