Kollagen-Präparate: Neue Studien belegen Nutzen bei Arthrose
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wissenschaftliche Diskussion um die Wirksamkeit von Kollagen-Präparaten hat durch neue Analysen und Expertenbewertungen an fachlicher Tiefe gewonnen.
Im Rahmen des Fitnesswissenschaftskongresses 2026 in Düsseldorf ordnete der Sportwissenschaftler Dr. Thorben Aussieker von der TH Ostwestfalen-Lippe die aktuelle Studienlage ein. Dabei zeigt sich ein differenziertes Bild: Während bestimmte Gewebearten von einer Supplementierung profitieren können, bleiben die Effekte in anderen Bereichen hinter den Erwartungen zurück.
Limitierter Nutzen für Muskelaufbau und Hautproteine
In seiner Bewertung der vorliegenden Datenlage wies Aussieker darauf hin, dass Kollagen die Neubildung von Hautproteinen nicht signifikant stärker anregte als entsprechende Vergleichsbehandlungen.
Auch für den gezielten Muskelaufbau stufte der Wissenschaftler das Protein als weniger effizient ein. Grund hierfür sei das Aminosäurenprofil: Kollagen fehle die essenzielle Aminosäure Tryptophan, weshalb es im Vergleich zu Whey-Protein (Molkenprotein) als qualitativ unterlegen gelte.
Dennoch identifizierte der Experte spezifische Einsatzgebiete. Potenzielle Vorteile sieht Aussieker vor allem bei der Unterstützung von Sehnen, sofern die Einnahme mit körperlichem Training kombiniert wird, sowie bei der Knochengesundheit. Ein weiterer Aspekt ist die Deckung des Glycin-Bedarfs.
Bei einer üblichen Ernährung entstehe eine tägliche Glycin-Lücke von etwa 2 g. Eine Supplementierung von 5 bis 10 g Kollagen könne hierbei 1 bis 2 g Glycin liefern. In diesen Dosierungen seien laut Aussieker keine negativen Effekte bekannt.
Ergebnisse zu Gelenkschmerzen und Arthrose
Ergänzend zu diesen Einschätzungen lieferte eine im Januar 2026 veröffentlichte Umbrella Review über 113 randomisierte Studien mit fast 8.000 Teilnehmern wichtige Erkenntnisse zum Thema Gelenkgesundheit.
Die Auswertung ergab, dass Kollagen Schmerzen und Steifheit bei leichter bis mittelschwerer Arthrose, insbesondere im Knie, mäßig lindern kann. In den untersuchten Studien wurde meist eine Dosis von 5 bis 10 g hydrolysiertem Kollagen über einen Zeitraum von mindestens 8 bis 12 Wochen, häufiger über drei bis sechs Monate, eingesetzt.
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Die Forscher stellten jedoch klar, dass es keinen Beleg dafür gebe, dass Kollagen bereits zerstörten Knorpel wieder aufbauen könne. Zudem wurde betont, dass Bewegung und gezieltes Krafttraining weiterhin die primären Säulen der Arthrose-Therapie bleiben.
Sollte nach einer dreimonatigen Einnahme keine Besserung der Symptomatik eintreten, sei ein weiterer Nutzen durch das Präparat unwahrscheinlich. Diese Ergebnisse decken sich mit einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2024, die bei 870 Teilnehmern eine Verbindung zwischen oralem Kollagen und reduzierten Schmerzwerten bei Arthrose feststellte.
Dermatologische Aspekte und Marktentwicklung
Trotz der kritischen Einordnung der Protein-Neubildung durch Aussieker gibt es Hinweise auf kosmetische Effekte. Ein Review über 19 Studien mit mehr als 1.100 Probanden zeigte, dass hydrolysiertes Kollagen im Vergleich zu einem Placebo die Hautfeuchtigkeit, Elastizität und die Ausprägung von Falten über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen verbessern konnte.
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Da die körpereigene Kollagenproduktion bereits ab Mitte oder Ende der 20er-Jahre sinkt, rücken solche Präparate verstärkt in den Fokus der Konsumenten.
Dies spiegelt sich auch in den Marktzahlen wider. Laut Daten von Fortune Business Insights belief sich das weltweite Marktvolumen für Kollagen im Jahr 2025 auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2034 wird eine fast vollständige Verdopplung dieses Wertes erwartet.
Anwendung und Differenzierung der Präparate
In der Praxis wird zwischen verschiedenen Kollagen-Typen unterschieden: Typ I findet sich primär in Haut, Haaren, Nägeln und Knochen, während Typ II für Knorpel und Gelenke relevant ist. Typ III tritt meist begleitend zu Typ I in der Haut auf.
Die Wissenschaft unterscheidet zudem nach der Quelle: Fischkollagen wird eine höhere Bioverfügbarkeit zugeschrieben als Rinderkollagen, wobei hydrolysiertes Kollagen allgemein als die am besten verfügbare Form gilt.
Bovines Kollagen (vom Rind) ist besonders reich an den Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Die in Studien verwendeten Dosierungen bewegen sich meist zwischen 2,5 und 15 g täglich.
Anbieter geben oft an, dass erste Resultate nach 4 bis 8 Wochen sichtbar seien, wobei für Vegetarier oder Menschen mit Rindfleischallergien entsprechende Risiken beziehungsweise Ausschlusskriterien bestehen. Eine wissenschaftlich belegte Überlegenheit eines spezifischen Einzelprodukts konnte bislang nicht durch unabhängige Studien bestätigt werden.
