Kollagen-Drinks, Studien

Kollagen-Drinks: 23 Studien finden keinen Beleg für weniger Hautalterung

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 13:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien liefern keinen verlässlichen Beleg für Anti-Aging-Effekte; Fachleute empfehlen ausgewogene Ernährung und warnen vor hohen Dosierungen.
Ein minimalistisch eingerichteter Labortisch mit einem Glas Wasser und frischen Zutaten in einer neutralen, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Produkte für gesunde Haut und ein jüngeres Erscheinungsbild erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, doch aktuelle Fachbeiträge hinterfragen den tatsächlichen Nutzen beworbener Nährstoff-Supplements zunehmend. Ob Kollagen-Drinks oder hochdosierte Vitaminkombinationen: Zahlreiche Mediziner und wissenschaftliche Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass viele der Marketingversprechen einer evidenzbasierten Überprüfung nicht standhalten.

Mangelnde Evidenz bei Kollagen-Präparaten

Besonders Produkte mit Kollagen stehen im Fokus der Kritik. Laut Übersichten von Thieme und dem Bundeszentrum für Ernährung (BZFE) zeigt Kollagen in randomisierten, herstellerunabhängigen Studien keinen sichtbaren Nutzen.

Auch der Hamburger Dermatologe Rupert Schulz stellt klar, dass Kollagen-Präparate der Hautalterung weder vorbeugen noch diese behandeln können. Eingenommene Peptide gelangen nicht gezielt in die Haut, sondern verteilen sich systemisch im gesamten Organismus.

Diese Einschätzung teilen internationale Wissenschaftler. Dermatologie-Professorin Jang Ye-ji vom Hallym University Sacred Heart Hospital in Südkorea erläutert, dass Kollagen-Supplements im Magen-Darm-Trakt abgebaut werden und kaum direkt auf die Haut einwirken.

Jang verweist auf eine 2025 erschienene Untersuchung des National Cancer Center Research Institute in Südkorea, deren Auswertung von 23 randomisierten kontrollierten Studien keine Evidenz dafür fand, dass entsprechende Präparate die Hautalterung verzögern.

Dermatologin Dr. Anjali Mahto betont ebenfalls, es gebe keine verlässliche Evidenz dafür, dass orale Präparate die Hautalterung umkehren, verlangsamen oder das hauteigene Kollagen verdicken. Mahto führt an, dass positive Studien oft von der Industrie finanziert seien, im Körper über 30 Kollagentypen ohne gezielte Steuerung existieren und Anwender häufig ohnehin einen gesunden Lebensstil pflegen.

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Einziger möglicher Nutzen sei die Zufuhr von Eiweiß bei einem bestehenden Proteinmangel. Wie groß die Verbreitung ist, zeigen Marktdaten: Laut YouGov haben 10 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich (rund 5,3 Millionen Menschen) bereits Kollagen-Präparate genutzt, während 42 Prozent regelmäßig mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Auch der Pathologe James Varani merkt an, für den körpereigenen Kollagenaufbau bestehe kein Unterschied zwischen einem Supplement und einem guten Steak. Bei angeblich reduzierten Falten handele es sich oft lediglich um Veränderungen im Zehntelmillimeterbereich aus herstellerfinanzierten Erhebungen.

Differenzierter beurteilt Ernährungsmedizinerin Michaela Axt-Gadermann den Mechanismus: Kollagenpeptide seien rund 4 Stunden nach der oralen Aufnahme im Blut nachweisbar und regten Fibroblasten an. Eine spürbare Wirkung sei jedoch erst nach einer täglichen Einnahme über 2 bis 3 Monate möglich.

Ernährung und bewährter Schutz als Basis

Für die natürliche Kollagenbildung ist der Körper meist ausreichend versorgt. Thieme und das BZFE heben hervor, dass die meisten Frauen bei ausgewogener Ernährung keine Supplemente benötigen; Ausnahmen bilden Phasen wie Kinderwunsch, Schwangerschaft, Stillzeit oder eine rein vegane Ernährung.

Zwar existiert für Vitamin C ein zugelassener Health Claim zur normalen Kollagenbildung, eine zusätzliche Dosierung nützt bei einer bereits ausreichenden Versorgung jedoch nicht. Ein Biotin-Mangel tritt hierzulande extrem selten auf, sodass eine Ergänzung nur bei nachgewiesener Unterversorgung sinnvoll ist.

Schulz erinnert daran, dass zur körpereigenen Kollagenbildung Nährstoffe wie Vitamin C, Eisen und Kupfer sowie die Aminosäuren Glycin, Prolin und Lysin aus normalen Lebensmitteln genügen. Dies stützen auch frühere Untersuchungen: Eine Studie der Monash University im Australian Journal of Clinical Nutrition aus dem Jahr 2001 stellte bei 453 Erwachsenen fest, dass ein hoher Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten und Olivenöl mit weniger Faltenbildung an sonnenexponierter Haut einherging.

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Ein Kaffeekonsum von bis zu 3 Tassen am Tag zeigte bei gesunden Erwachsenen keinen wesentlichen Einfluss auf die Feuchtigkeit der Haut. Fachleute wie Mahto und Schulz raten daher vorrangig zu proteinreicher Ernährung, täglichem Sonnenschutz mit LSF 30 bis 50 sowie Retinoiden (in Großbritannien rezeptfrei bis maximal 0,3 Prozent) oder Tretinoin, da UV-Strahlung kollagenabbauende Enzyme aktiviert.

Risiken von Überdosierungen

Gleichzeitig mahnen Experten zur Vorsicht bei der Selbstmedikation. Prof. Dr. Zekayi Kutlubay von der medizinischen Fakultät Cerrahpa?a der Universität Istanbul warnt davor, dass die unnötige Einnahme von Vitaminen und Ergänzungsmitteln zum Zweck des Jungbleibens schwere Folgen haben kann.

Hohe Dosen können Leber und Nieren schädigen sowie Vergiftungen hervorrufen. Kutlubay empfiehlt, Präparate niemals auf Hörensagen hin zu kaufen, sondern Dosierungen gezielt nach einer ärztlichen Mangeldiagnose festzulegen – ein Vorgehen, zu dem auch Berichte von Thieme und dem BZFE mit Blick auf vorherige Blutuntersuchungen raten.

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