Kollagen-Boom: Studie entlarvt Wirkversprechen als Gewinnmache
28.05.2026 - 17:15:19 | boerse-global.deDoch während Hersteller mit jugendlicher Haut und geschmeidigen Gelenken werben, mahnen Mediziner zur Vorsicht.
Neue Produkte überschwemmen den Markt
Ende Mai 2026 brachten gleich mehrere Unternehmen neue Kollagen-Präparate auf den Markt. Polaris Formula launchte ein 300-Gramm-Pulver mit patentiertem Colpropur-Hydrolysat. Die Mischung enthält Magnesiumcarbonat für die Muskelfunktion, Vitamin C sowie Hyaluronsäure und Curcuma-Wurzelextrakt – gezielt entwickelt für Gelenke und Knochen.
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Der japanische Hersteller Q'sai zog am 28. Mai mit der neuen Marke DAYLIS nach. Das Pulver liefert 5.000 Milligramm niedermolekulare Kollagenpeptide pro Tagesdosis. Nur zwei Tage zuvor hatte Nestle Indonesia in Jakarta Bear Brand Collagen & Vitamin C vorgestellt. Mediziner betonten bei der Präsentation: Kollagen macht rund 70 Prozent der Hautstruktur aus – und die natürliche Produktion lässt bereits ab Mitte zwanzig nach.
Die Wahrheit über die Wirkung
Doch was passiert eigentlich mit dem geschluckten Kollagen? Dr. Amir Kan vom britischen National Health Service erklärte Ende Mai: Der Körper spaltet das Protein im Darm in einzelne Aminosäuren auf. Diese verteilt er dann nach aktuellem Bedarf – eine Garantie, dass sie tatsächlich in Haut oder Gelenken landen, gibt es nicht.
Eine Analyse von 23 randomisierten kontrollierten Studien aus dem Jahr 2025 liefert ernüchternde Ergebnisse: Sobald man industriefinanzierte Untersuchungen herausrechnet, zeigen sich keine klaren Vorteile für Haut, Haare oder Nägel. Einzig bei Gelenkschmerzen durch Arthritis könnten die Präparate Linderung verschaffen. Für gesunde Gelenke empfehlen Experten stattdessen: Sonnenschutz, Rauchverzicht, ausreichend Schlaf und Vitamin-C-reiche Ernährung.
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Milliardengeschäft mit der Schönheit
Der Kollagen-Hype ist Teil eines gigantischen Wellness-Marktes. Die Studie „Feelgood Revolution" des GDI-Instituts bezifferte die globale Wellness-Wirtschaft 2024 auf 6,8 Billionen US-Dollar – umgerechnet rund 6,3 Billionen Euro. Bis 2029 soll sie auf 9,8 Billionen Dollar (etwa 9,1 Billionen Euro) anwachsen.
Besonders interessant: In Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen 84 Prozent der Befragten zu mindestens einem Nahrungsergänzungsmittel. Doch die Skepsis ist groß. Rund 74 Prozent sehen Schönheits- und Anti-Aging-Trends als reine Gewinnmache der Industrie. 54 Prozent misstrauen den Gesundheitsversprechen der Hersteller grundsätzlich.
Neue Forschung: Kollagenabbau verstehen
Wissenschaftler arbeiten parallel daran, die biologischen Prozesse hinter dem Kollagenstoffwechsel zu entschlüsseln. Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung identifizierte am 16. März 2026 den lysosomalen Ionenkanal TRPML1 als entscheidenden Regulator für den Abbau von Kollagen und Elastin. Die Entdeckung: Wird dieser Kanal aktiviert, können Enzyme vermehrt Kollagen abbauen. Das eröffnet völlig neue Perspektiven – etwa bei Lungenfibrose.
In der regenerativen Medizin sorgt eine Studie aus dem New England Journal of Medicine für Aufsehen. Im Rahmen der BioVAT-HF-DZHK20-Studie behandelten Forscher 20 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz mit aus Stammzellen gezüchteten Herzpflastern. Nach über vier Jahren zeigte sich: Die Herzwand hatte sich verdickt, die Pumpleistung verbessert. Ein vielversprechender Beleg dafür, dass künstlich gezüchtetes Gewebe langfristig strukturelle Schäden im Körper reparieren kann.
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