Kohlenhydrate: Warum Vollkorn und resistente Stärke beim Abnehmen helfen
22.06.2026 - 20:50:08 | boerse-global.de
Die moderne Ernährungsforschung stellt langjährige Dogmen infrage – und zeigt, worauf es wirklich ankommt.
Warum Vollkorn besser ist als Weißmehl
Ernährungswissenschaftler wie Henning Fenselau vom Max-Planck-Institut und der Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner betonen: Die pauschale Ablehnung von Kohlenhydraten ist wissenschaftlich nicht haltbar. Industriell verarbeitete Varianten wie Weißmehl und Zucker lassen den Blutzucker schnell ansteigen und fördern Heißhunger. Komplexe Kohlenhydrate in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten unterstützen dagegen die Gewichtsabnahme.
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Ein besonderer Trick: Resistente Stärke. Werden Kartoffeln, Nudeln oder Reis nach dem Kochen 12 bis 24 Stunden gekühlt, verändert sich die Stärkestruktur. Die Kalorienaufnahme kann so um bis zu 15 Prozent sinken – und das wirkt zusätzlich präbiotisch.
Das eigentliche Problem: Die Ballaststoffzufuhr ist historisch von rund 70 Gramm auf durchschnittlich 25 Gramm pro Tag gefallen. Empfohlen werden mindestens 30 Gramm.
Die Fett-Lüge und ihre Folgen
Das Forum for Evidence-Based Preventative Health (FEBPH) übt scharfe Kritik an bestehenden Leitlinien. Ernährungswissenschaftler Sven-David Müller warnt: Wer Fette durch raffinierte Kohlenhydrate ersetzt, erhöht das Risiko für Fettleber und Typ-2-Diabetes. Harvard-Wissenschaftler bezeichnen den jahrzehntelangen Fokus auf fettreduzierte Ernährung als gescheitertes Experiment.
Das FEBPH fordert eine Überprüfung der Empfehlungen von WHO und Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Schnell abnehmen – und der Jo-Jo-Effekt bleibt aus
Ein verbreitetes Dogma besagt: Wer schnell abnimmt, erlebt einen stärkeren Jo-Jo-Effekt. Eine norwegische Studie mit 284 Teilnehmenden, präsentiert im Mai 2026 auf dem Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul, widerlegt diese Annahme.
Die Gruppe mit schnellem Gewichtsverlust (unter 1.000 kcal/Tag in der Anfangsphase) hielt nach zwölf Monaten 14,4 Prozent ihres Ausgangsgewichts unten. Die langsame Gruppe erreichte nur 10,5 Prozent. Ein verstärkter Jo-Jo-Effekt? Fehlanzeige.
Abnehmspritzen: Segen mit Nebenwirkungen
GLP-1-Rezeptor-Agonisten, umgangssprachlich als Abnehmspritzen bekannt, boomen. Professor Lars Selig vom Universitätsklinikum Leipzig behandelt wöchentlich fast 200 Adipositas-Patienten. Die Kosten für Selbstzahler: 100 bis 500 Euro pro Monat.
Doch es gibt einen Haken. Eine Untersuchung auf dem ENDO-Kongress 2026 in Chicago an 753 Erwachsenen zeigte: Die tägliche Schrittzahl fiel nach Beginn der Therapie von rund 5.000 auf unter 4.500. Studienleiterin Dr. Sajana Maharjan warnt vor dem Verlust von Muskelmasse durch mangelnde Bewegung.
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Neue Wirkstoffe: Fett weg, Muskeln bleiben
Pharmaunternehmen arbeiten an Lösungen. Eli Lilly testet den Wirkstoff Bimagrumab, der in Kombination mit Abnehmspritzen Fettverlust bei gleichzeitigem Muskelerhalt ermöglichen soll. Ergebnisse aus Phase-2-Studien werden für Ende 2027 erwartet.
Parallel forscht Cambrian Biotech an ATX-304 – einer sogenannten Bewegungspille, die den Ruheumsatz steigert und viszerales Fett reduziert.
Jeder Stoffwechsel tickt anders
Die moderne Forschung betont die Individualität des Energiehaushalts. Dr. Tim Hollstein vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein erklärt: Ob der Stoffwechsel sparsam oder verschwenderisch arbeitet, wird maßgeblich durch Gene und epigenetische Prägungen bestimmt. Neben Kältereizen und Sport beeinflussen auch Schlafqualität und Stressmanagement die Stoffwechselaktivität.
In der Diagnostik rücken Indikatoren wie Basaltemperatur und Herzratenvariabilität (HRV) in den Fokus – messbar über Wearables. Eine dauerhaft niedrige Basaltemperatur unter 36,3 Grad kann auf eine verlangsamte Schilddrüsenfunktion oder erhöhten Cortisolspiegel hindeuten.
Epigenetik als Zukunftshoffnung
Forschungen der Universitäten Zürich und Pisa, veröffentlicht 2026 in Cell Reports, zeigen: Epigenetische Medikamente könnten künftig Gefäßschäden bei Adipositas minimieren. Sogenannte BET-Protein-Inhibitoren können Entzündungsprozesse im Fettgewebe umprogrammieren und so die Gefäßgesundheit bei Diabetes und Übergewicht schützen.
