Koffein und L-Theanin: Alternative zu ADHS-Medikamenten wirkt
06.07.2026 - 01:09:10 | boerse-global.de
Betroffene sprechen auf TikTok offen über sogenannte Shutdowns – Zustände, in denen das Gehirn scheinbar abschaltet. Die Wissenschaft arbeitet an neuen Erklärungsmodellen.
Ein neues Modell des Neurobiologen Mohammad Dawood Rahimi von der Freien Universität Berlin stellt das bisherige ADHS-Verständnis auf den Kopf. In der Fachzeitschrift Neuroscience & Biobehavioral Reviews definiert er ADHS als „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ (EDHD). Demnach ist die Störung primär ein metabolisches Defizit.
Die typische Hyperaktivität wäre dann der Versuch des Körpers, ein energetisches Ungleichgewicht auszugleichen. Besonders Frauen erhalten oft spät eine Diagnose – ihre Symptome bleiben durch Masking und andere Kompensationsmechanismen verborgen. Digitale Überlastung gilt in diesem Modell als Risikofaktor, der die ohnehin knappen Energiereserven zusätzlich erschöpft.
Koffein und L-Theanin als Medikamenten-Alternative
Parallel zur Theoriebildung untersuchen Forscher neue Behandlungswege. Eine im Mai 2026 in Nutritional Neuroscience veröffentlichte Studie an 21 ADHS-Jugendlichen testete eine Kombination aus Koffein und L-Theanin. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die Wirkstoffkombination verbesserte die selektive Aufmerksamkeit signifikant.
Die Effektstärke sei mit Methylphenidat vergleichbar, dem Standard-Medikament in der ADHS-Therapie. Für Patienten, die auf herkömmliche Stimulanzien nicht ansprechen oder unter starken Nebenwirkungen leiden, könnte das eine echte Alternative sein.
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Dark Patterns: 97 Prozent aller Websites manipulieren
Die digitale Welt ist für neurodivergente Menschen besonders belastend. Forscher warnen vor manipulativen Designelementen. Ute Schmid von der Universität Bamberg erklärt: „Dark Patterns wie Infinite Scroll schwächen die intrinsische Motivation von Jugendlichen und verlängern die Bildschirmzeit künstlich.“ Laut einer EU-Studie von 2022 nutzen 97 Prozent der populärsten Websites solche Tricks.
Die Folgen sind in Kliniken sichtbar. In der Klinik Kloster Dießen beispielsweise behandeln Ärzte Kinder, die täglich 10 bis 16 Stunden in digitalen Spielwelten verbringen – bis zur körperlichen Verwahrlosung. Jedes vierte Kind zeigt bereits riskantes Nutzungsverhalten. In Spezialambulanzen werden Achtjährige vorstellig.
„Bed Rotting“: Erholung oder Risiko?
Als Gegenbewegung zur Dauererreichbarkeit hat sich in sozialen Netzwerken der Trend des „Bed Rotting“ etabliert. Die Idee: bewusst im Bett bleiben, ohne zu schlafen, um Stress abzubauen. Psychologen sehen darin eine Form der Burnout-Prävention. Schlafexperten wie Dr. Shelby Harris warnen jedoch: „Das kann die Schlafqualität beeinträchtigen.“ Zudem könne exzessives Liegen auf depressive Entwicklungen hindeuten.
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Auf politischer Ebene tut sich etwas. Rheinland-Pfalz plant ein Handyverbot an Schulen bis zur zehnten Klasse – auch in den Pausen. Niedersachsen legte im Juli 2026 einen Zehn-Punkte-Plan zur Inklusion vor, der neurodivergenten Kindern bessere Bildungschancen ermöglichen soll.
Die Postbank Digitalstudie vom Mai 2026 zeigt den Handlungsbedarf: In 65 Prozent der Haushalte gibt es keine zeitlichen Beschränkungen für die Handynutzung. 57 Prozent der Eltern haben keine Regeln für soziale Medien aufgestellt. Dabei befürworten 86 Prozent der Befragten eine Altersbeschränkung für soziale Medien.
