Koffein, Demenz

Koffein und Demenz: 18 Prozent geringeres Risiko bei hohem Kaffeekonsum

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 07:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beobachtungsdaten verbinden Kaffee mit geringerem Demenz- und Sterberisiko; ein Kausalnachweis für Prävention beim Menschen fehlt.

Kaffee und Gesundheit: Studien zu Demenz, Diabetes und Sterblichkeit
Nahaufnahme von gerösteten Kaffeebohnen auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, inwiefern regelmäßiger Kaffeekonsum zur Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer sowie von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beitragen kann. Die Auswertung vorliegender Datenmengen erlaubt eine differenzierte Betrachtung der Effekte von Koffein und weiteren Inhaltsstoffen der Kaffeebohne.

Ergebnisse aus Langzeitbeobachtungen zum Demenzrisiko

Eine JAMA-Beobachtungsstudie, die zwei US-Langzeitstudien aus dem Zeitraum von 1980 bis 2023 zusammenfasst, liefert detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen Koffein und kognitiver Gesundheit.

Die Untersuchung umfasste über 86.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren sowie über 45.000 Männer mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von fast 37 Jahren wurden mehr als 11.000 Demenzdiagnosen dokumentiert.

Die Auswertung ergab, dass Probanden mit dem höchsten Konsum an koffeinhaltigem Kaffee ein um 18 % geringeres Demenzrisiko aufwiesen als jene mit dem niedrigsten Konsum.

Bei Teekonsum wurde ein um 14 % reduziertes Risiko festgestellt. Das niedrigste Risiko korrelierte mit einer täglichen Zufuhr von 2 bis 3 Tassen koffeinhaltigem Kaffee oder 1 bis 2 Tassen Tee, was einer menge von etwa 300 mg Koffein pro Tag entspricht.

Der Zusammenhang zeigte sich besonders deutlich bei Personen bis zu einem Alter von 75 Jahren. Ein höherer Koffeinkonsum war zudem mit kognitiven Werten verbunden, die einem um sieben Monate verlangsamten Abbau entsprachen. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist ein direkter Kausalitätsnachweis hiermit jedoch nicht erbracht.

Einfluss auf Diabetes und metabolische Faktoren

Neben der kognitiven Wirkung stehen Effekte auf den Blutzuckerspiegel im Fokus. Eine Studie mit diabetesanfälligen Mäusen untersuchte die Wirkung von Cafestol, einem Inhaltsstoff des Kaffees. Nach einer Dauer von 10 Wochen senkten zwei verschiedene Dosierungen den Blutzucker und verbesserten die Insulinsekretion im Vergleich zur Kontrollgruppe, ohne dabei eine Hypoglykämie auszulösen.

Frühere Studien deuten darauf hin, dass ein täglicher Konsum von 3 bis 4 Tassen Kaffee mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden sein könnte. Fachärzte weisen in diesem Zusammenhang auf mögliche gemeinsame Mechanismen von Typ-2-Diabetes und Alzheimer hin, darunter Insulinresistenz, Entzündungsprozesse und Störungen der Zellfunktionen.

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Eine gute Blutzuckerkontrolle gilt als wesentlicher Faktor zur Senkung des Demenzrisikos. Am Institut Pasteur de Tunis wird zudem seit 2023 im Rahmen einer Pilotstudie an 100 Patienten untersucht, welche genetischen Faktoren den kognitiven Abbau bei Diabetespatienten beeinflussen könnten.

Auswirkungen auf die Sterblichkeit und Organfunktion

Hinsichtlich der allgemeinen Lebenserwartung zeigt eine ESC-Studie, dass ein Konsum von mindestens 4 Tassen Kaffee täglich mit einer um 64 % niedrigeren Gesamtsterblichkeit assoziiert war. Je zwei zusätzliche Tassen reduzierten das Risiko laut den Daten um weitere 22 %.

Eine US-Studie aus dem Jahr 2025, an der mehr als 40.000 Erwachsene teilnahmen, stellte fest, dass morgendlicher Kaffeekonsum gegenüber keinem Konsum mit einer um 16 % niedrigeren Gesamtsterblichkeit und einer um 31 % niedrigeren Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden war.

Dieser Effekt wurde bei moderatem (2–3 Tassen) und stärkerem Konsum (>3 Tassen) beobachtet, jedoch nicht bei Personen, die über den gesamten Tag verteilt Kaffee tranken.

Auch auf die Lebergesundheit scheint Kaffee Einfluss zu haben. Eine Meta-Analyse zeigt, dass bereits eine Tasse Kaffee täglich mit einem um 20 % geringeren Risiko für Leberzellkrebs verbunden ist, während fünf Tassen das Risiko um 50 % senken können.

Bedeutung der Zubereitungsart für die Blutwerte

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Ein wesentlicher Aspekt bei der Bewertung der gesundheitlichen Folgen ist die Art der Zubereitung. Humanstudien belegen, dass Papierfilter die Stoffe Cafestol und Kahweol zurückhalten, während Metallfilter diese Kaffeeöle passieren lassen.

In einer Untersuchung stieg der LDL-Cholesterinspiegel nach 24 Wochen mit täglich 0,9 l French-Press-Kaffee um 9 bis 14 % im Vergleich zur Papierfilter-Gruppe an. Nach dem Absetzen des Kaffees bildete sich dieser Anstieg zurück.

Der Cafestol-Gehalt variiert dabei deutlich: Während Papierfilter- und Instantkaffee etwa 0,1 mg pro Tasse enthalten, liegen die Werte bei Espresso bei 1,2 mg, in der Mokkakanne bei 1,5 mg und bei French Press oder türkischem Kaffee bei etwa 4 mg.

Trotz dieser Beobachtungen betonen Experten, dass Tierexperimente und Beobachtungsbefunde allein noch keine abschließende Präventionswirkung beim Menschen belegen. Die Kontrolle veränderbarer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel bleibt laut Einschätzungen von Medizinern und der WHO die zentrale Strategie zur Demenzprävention.

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de | wissenschaft | 70188007 |