Knochengesundheit, Meta-Analyse

Knochengesundheit: Meta-Analyse stellt Vitamin-D-Nutzen infrage

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 14:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine große Meta-Analyse zeigt kaum Nutzen von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten für gesunde Menschen. Bewegung und Ernährung rücken in den Fokus.

Neue Studie: Kalzium und Vitamin D für Knochen oft wirkungslos
Ein Glas Wasser und eine Tablette auf einem medizinischen Dokument zur Knochengesundheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Vitamin D und Kalzium galten lange als Standard für starke Knochen. Jetzt stellt eine große Analyse diesen Glauben infrage.

Die kombinierte Einnahme beider Stoffe bringt für gesunde Menschen offenbar kaum messbare Vorteile. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Meta-Analyse.

Kaum Effekt auf das Frakturrisiko

Forscher der Universität Montreal werteten für ihre Studie 69 Einzeluntersuchungen mit insgesamt 153.902 Teilnehmern aus. Veröffentlicht wurde die Analyse am 28. Juli 2026 im British Medical Journal.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Kalzium allein senkte das Risiko für Knochenbrüche um lediglich 9 Prozent. Für Vitamin D allein ließ sich kein signifikanter Effekt nachweisen.

Auch die Kombination beider Stoffe brachte keinen zusätzlichen Nutzen. Die Risikoreduktion blieb bei 9 Prozent. Die Forscher raten deshalb von einer routinemäßigen Supplementierung ab – zumindest für Menschen ohne diagnostizierte Osteoporose.

Hüftfrakturen: Deutlicherer Effekt, aber geringes absolutes Risiko

Etwas anders sieht es bei Hüftbrüchen aus. Hier erzielte die kombinierte Gabe von Kalzium und Vitamin D eine relative Risikoreduktion von 16 Prozent.

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Doch die absolute Risikoreduktion beträgt nur 0,3 Prozent. Das klingt wenig – ist aber vor dem Hintergrund der hohen Behandlungskosten relevant. In Deutschland werden jährlich zwischen 130.000 und 160.000 Hüftfrakturen registriert. Die Behandlungskosten pro Fall liegen bei durchschnittlich 20.000 Euro.

Gleichzeitig zeigt sich eine Unterversorgung in der Bevölkerung. Laut Robert Koch-Institut haben nur 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel. Als Mangel gilt ein Wert unter 20 ng/ml, als schwerer Mangel unter 10 ng/ml.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für die Supplementierung ohne ärztliche Aufsicht maximal 800 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D pro Tag. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass bereits 5 bis 25 Minuten tägliche Sonnenexposition zur Eigenproduktion beitragen können.

Bewegung und Ernährung statt Pillen

Neben Mikronährstoffen rücken andere Faktoren in den Fokus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen über 65 Jahren täglich mindestens 1 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Das soll dem natürlichen Verlust an Muskelmasse entgegenwirken, der im Alter rund ein Drittel der ursprünglichen Masse beträgt.

Regelmäßige Bewegung in Kombination mit ausreichend Protein gilt als wesentlich für den Erhalt des Bewegungsapparates.

Studien aus den USA und Europa deuten zudem auf den Nutzen spezifischer Lebensmittel hin. Der tägliche Verzehr von fünf bis sechs Trockenpflaumen soll den altersbedingten Verlust der Knochendichte verlangsamen – besonders bei Frauen nach der Menopause. Die Früchte enthalten Vitamin K, Bor, Magnesium, Kalium und Polyphenole.

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Auch die Versorgung mit Folsäure (Vitamin B9) ist relevant. Schätzungen zufolge sind 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hier unterversorgt. Ein Mangel an Vitamin K1, der unter anderem durch Microgreens gedeckt werden kann, wird ebenfalls mit der Knochengesundheit in Verbindung gebracht.

Experten betonen: Eine ausgewogene Ernährung und gezielte Bewegung sind die zentralen Stellschrauben für die Sturzprävention. Supplemente sollten primär bei klinisch nachgewiesenen Defiziten oder spezifischen Erkrankungen zum Einsatz kommen.

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