Knie-OPs vermeiden: Training schlägt Chirurgie bei Meniskusschäden
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Knieoperationen lassen sich durch gezieltes Training vermeiden. Das zeigen aktuelle Analysen aus dem Juli 2026. Fachleute wie Dr. Heinz-Wilhelm Esser betonen, dass konservative Therapien oft gleichwertige oder bessere Ergebnisse liefern als chirurgische Eingriffe – besonders bei degenerativen Meniskusschäden. Das Training stabilisiert das Gelenk, entlastet den Knorpel und lindert Schmerzen.
Warum Patienten trotzdem unters Messer gehen
Das größte Hindernis: die fehlende Disziplin der Patienten. Operationen sind planbar und für Kliniken finanziell attraktiv. Training dagegen erfordert eine langfristige Umstellung. Viele Patienten kommen erst nach einer OP zur Physiotherapie – statt sie präventiv zu nutzen.
Schon 2013 wies eine Bertelsmann-Studie darauf hin: In Deutschland werden international vergleichsweise viele Knie-OPs durchgeführt. Prof. Dr. Hans Pässler schätzte damals, dass ein erheblicher Teil der Eingriffe unnötig sei. Besonders Kniespiegelungen bei Arthrose zeigten in Placebo-Studien keinen messbaren Vorteil gegenüber nicht-operativen Verfahren.
Politik zieht die Bremse
Die Bundesregierung will gegensteuern. Seit Juli 2026 gilt ein Reformpaket mit verpflichtender Zweitmeinung bei geplanten OPs an Hüfte, Knie und Schulter. Das stieß auf Kritik aus dem Gesundheitswesen.
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Parallel dazu startet eine Präventionsoffensive. Das Präventionsgesetz soll weiterentwickelt werden, die Krankenkassen eine führende Rolle bei der Vorsorge übernehmen. Hintergrund: Deutschlands schlechtes Abschneiden im internationalen Public Health Index. Die AOK Rheinland/Hamburg begrüßt die Pläne als notwendigen Schritt.
Neue OP-Verfahren trotz Trendwende
Auch die Chirurgie entwickelt sich weiter. Das Fast-Track-Konzept ermöglicht Patienten, bereits Stunden nach dem Einsatz einer Knieprothese wieder aufzustehen. Robotik-assistierte Implantationen erhöhen zudem die Präzision.
Für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Arthrose gibt es alternative Injektionstherapien. Polyacrylamid-Hydrogele werden ambulant gespritzt und können Schmerzen über mehrere Jahre lindern – das belegt eine Studie von Bliddal et al. aus dem Jahr 2025.
International forscht man an Knorpelregeneration mit Stammzellen aus Knochenmark oder Fettgewebe. Diese Verfahren richten sich vor allem an jüngere Patienten und Sportler mit beginnender Arthrose.
Was Sie selbst tun können
Prof. Sven Ostermeier von der Gelenk-Klinik Gundelfingen rät: Bei ersten Anzeichen von Verschleiß – etwa knirschenden Geräuschen – gegensteuern. Neben Gewichtsreduktion hilft spezielles Muskeltraining. Übungen wie kontrolliertes Beinheben oder Pendelbewegungen verlangsamen den Knorpelverschleiß.
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Auch beim Wandern lässt sich das Knie entlasten: kurze Schritte, Wanderstöcke, gedämpftes Schuhwerk. Beim Bergabgehen kann der Druck auf das Knie das Drei- bis Vierfache des Körpergewichts erreichen.
Wenn das Knie dauerhaft Probleme macht
Bei dauerhaften Einschränkungen bewertet die Versorgungsmedizin-Verordnung den Grad der Behinderung (GdB). Je nach Bewegungseinschränkung sind Werte zwischen 0 und 50 möglich. Eine Schwerbehinderung liegt ab GdB 50 vor. Juristen weisen darauf hin: Bei Verschlechterung kann jederzeit ein Verschlimmerungsantrag gestellt werden. Die Gesamtbewertung berücksichtigt stets alle Leiden in einer Gesamtschau.
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