Knie-Arthrose: Studie mit 194 Patienten zeigt weniger Schmerzen nach Embolisation
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei Knie-Osteoarthritis gibt es keine medizinische Universallösung. Fachleute betonen, dass therapeutische Maßnahmen von konservativen Ansätzen über interventionelle Verfahren bis hin zur regenerativen Medizin stets auf die individuelle Situation der Betroffenen abgestimmt werden müssen. Ein standardisiertes Vorgehen greift bei den vielfältigen Verlaufsformen und Ausprägungen der Gelenkerkrankung zu kurz.
Konservative Ansätze und biomechanische Korrekturen
Als grundlegender Pfeiler der konservativen Therapie gilt eine gezielte Bewegungstherapie. Gelenkschonendes Krafttraining im Stehen, langsam und kontrolliert mit leichtem Widerstand ausgeführt, verbessert bei Knie-Arthrose Schmerzen und Gelenkfunktion laut Fachquellen oft deutlicher als reines Ausdauertraining im Wasser oder Pilates.
Empfohlen werden eine fünfminütige Aufwärmphase sowie drei alltagsnahe Übungen – eine flache Kniebeuge zum Stuhl, Step-ups und Fersenheben – mit jeweils zwei Sätzen zu 8 bis 10 Wiederholungen. Um das Gelenk nicht zu überlasten, sollte stets nur eine Trainingsvariable gleichzeitig gesteigert werden, wobei Regelmäßigkeit vor Intensität geht.
Auch biomechanische Anpassungen rücken in den Fokus der Forschung. Eine in der Fachzeitschrift The Lancet Rheumatology publizierte Untersuchung zur Studiennummer NCT02767570 untersuchte den Effekt einer personalisierten Fußwinkel-Anpassung beim Gehen.
Bei 68 Teilnehmern mit leichter bis mittlerer medialer Knie-Arthrose führte eine per Ganganalyse und Biofeedback gewählte Veränderung des Fußwinkels um 5 oder 10 Grad nach innen oder außen nach einem Jahr zu einer stärkeren Reduktion von Schmerzen und dem Knie-Adduktionsmoment als in der Vergleichsgruppe.
Zudem ergaben sich teilweise Hinweise auf verlangsamte Knorpelveränderungen im MRT. Das Autorenteam merkte jedoch an, dass die Untersuchung an einem einzelnen Zentrum mit kleiner Teilnehmerzahl und speziellen Laborinstrumenten stattfand. Zudem brachen einige Teilnehmer die Maßnahme wegen Schmerzzunahme ab; für eine Selbstanwendung eigne sich das Verfahren daher nicht.
Interventionelle Verfahren und Grenzen regenerativer Methoden
Für Patienten, bei denen eine mindestens dreimonatige konservative Therapie keine Besserung erbrachte, bieten interventionelle Verfahren neue Behandlungsoptionen.
Eine prospektive Single-Center-Studie unter der Leitung von Florian Nima Fleckenstein an der Charité Berlin untersuchte die Embolisation von Kniearterien (Genicular artery embolization, GAE) mittels schnell resorbierbarer Gelatine-Mikrosphären zur Schmerzlinderung. An der Untersuchung nahmen 194 Patienten teil – 114 Frauen und 80 Männer – mit einem Median-Alter von 69 Jahren und einem medianen BMI von 28,4.
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Die Schmerzwerte auf einer Skala von 0 bis 10 sanken bei den Behandelten von einem Ausgangsmedian von 7 auf 4 nach sechs Wochen sowie auf 3 nach sechs und zwölf Monaten.
Im KOOS-Score stiegen die Werte für Alltagsaktivität von 53 auf 71,5, für Sport von 15 auf 36, für Symptome von 51 auf 68, für Schmerz von 44 auf 65 und für Lebensqualität von 19 auf 40. Nach zwölf Monaten lagen 80 Prozent der Patienten über der minimal klinisch relevanten Differenz; die Nachbeobachtungsrate nach einem Jahr betrug 79 Prozent, entsprechend 154 von 194 Behandelten.
Im Bereich der regenerativen Medizin raten Experten derweil zu einer differenzierten Betrachtung. Dr. Luciano Martins Afonso vom ISMOT erklärte, dass plättchenreiches Plasma (PRP) keine Universallösung darstelle.
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Die Indikation für ein solches Verfahren hänge maßgeblich von der individuellen Diagnose, den Patientenmerkmalen und einer fachärztlichen Beurteilung ab. PRP ersetze weder konventionelle Behandlungen noch Physiotherapie oder operative Eingriffe, und die therapeutische Reaktion falle je nach Krankheitsbild und Patient höchst unterschiedlich aus.
Aufklärung und interdisziplinäre Betreuung
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Veranstalter ist das EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung, dem im Rahmen der Krankenhausreform entsprechende Leistungsgruppen für primäre Eingriffe und Revisionsoperationen zugewiesen wurden.
Das Programm umfasst Fachbeiträge von Dr. Ulf Taubert zu Ursachen und Therapien, von Physiotherapeut Cedric Stein zur Rehabilitation nach Gelenkersatz sowie von Julia Manderscheid vom Sozialdienst zur nachstationären Versorgung. Für die Teilnahme ist eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail erforderlich.
