Klinik-Bürokratie: Eine Stunde weniger Doku könnte 5.700 Kräfte freisetzen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft und das niedersächsische Gesundheitsministerium haben gemeinsam einen zügigen Start für das geplante Bürokratierückbaugesetz auf Bundesebene gefordert.
Die Initiative folgt auf die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann, der beim Krankenhausgipfel in Berlin in Aussicht gestellt hatte, das Vorhaben schnell auf den Weg zu bringen. Das Gesetzesvorhaben soll unter anderem Doppelprüfungen abbauen und verstärkt auf risikoorientierte Kontrollverfahren setzen.
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi betonte, dass derzeit ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit in den Kliniken aus vermeidbaren Verwaltungsaufgaben bestehe. Nach Angaben aus Niedersachsen verbringen Ärzte sowie Pflegekräfte in den dortigen Krankenhäusern durchschnittlich rund drei Stunden täglich mit Dokumentationsarbeiten.
Eine rechnerische Reduzierung dieses Aufwands um lediglich eine Stunde würde spürbare Entlastungen für den Betrieb bringen: Auf diese Weise stünden mehr als 1.700 Vollkräfte im ärztlichen Dienst sowie etwa 4.000 Vollkräfte im Pflegedienst zusätzlich für die unmittelbare Patientenversorgung zur Verfügung.
Fokus auf Ergebnisqualität statt lückenloser Einzelschritte
Unterstützung erhält die Landesregierung vom Verband der Krankenhausträger. Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, verwies darauf, dass die Kliniken infolge von Reformen und Kürzungen der Bundesregierung unter massivem Druck stünden.
Rund drei Stunden täglich verbringen Ärzte und Pflegekräfte in niedersächsischen Kliniken mit Dokumentation — eine Stunde weniger würde rechnerisch mehr als 1.700 ärztliche und etwa 4.000 Pflege-Vollkräfte für die Patientenversorgung freisetzen. Wie Sie diesen Spielraum in Ihrem Haus identifizieren und internen Bürokratie-Rückbau vorbereiten, zeigt unser kostenloser Report. Klinik-Report jetzt anfordern
Vor diesem Hintergrund müsse der Staat nicht notwendige administrative Vorgaben zurücknehmen. Die Krankenhausgesellschaft fordert, den Schwerpunkt künftig auf die Ergebnisqualität der Behandlungen zu legen, anstatt jeden einzelnen Behandlungsschritt kleinteilig zu dokumentieren.
Die Forderung nach einer deutlichen Reduzierung der Dokumentationslasten hat in Niedersachsen bereits eine längere Vorgeschichte. Bereits im Jahr 2023 hatten die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft, die Ärztekammer Niedersachsen und der Niedersächsische Pflegerat konkrete Vorschläge zum Abbau von Bürokratie im Klinikalltag vorgelegt.
Der Verband der Krankenhausträger fordert den Fokus auf Ergebnisqualität statt kleinteiliger Einzelschritt-Dokumentation — und risikoorientierte Kontrollen statt Doppelprüfungen. Wer heute umstellt, entlastet sein Personal, bevor das geplante Bürokratierückbaugesetz greift. Unser Leitfaden liefert die Schritte. Leitfaden zur Ergebnisqualität sichern
Im darauffolgenden Jahr 2024 richteten die drei Organisationen einen gemeinsamen Appell an den Bund, um den Reformdruck zu erhöhen. Im Jahr 2025 machten die Beteiligten mit einer öffentlichen Aktion vor einer symbolischen Bürokratiewelle in Hannover erneut auf die anhaltende Belastung des Personals aufmerksam.
Mit dem Drängen auf das angekündigte Bundesgesetz soll nun sichergestellt werden, dass die Entlastungen für die Krankenhäuser zeitnah in die Praxis übergehen und der Spielraum für die Patientenversorgung im stationären Sektor wieder wächst.
