Klimaangst bei Jugendlichen: Sorge um Zukunft sinkt deutlich
28.05.2026 - 19:54:19 | boerse-global.deVor fünf Jahren waren es noch 60 Prozent. Eine aktuelle Studie der Krankenkasse Barmer und des Sinus-Instituts zeigt einen deutlichen Stimmungswandel.
Weniger Sorge, mehr Gleichgültigkeit
Für die Untersuchung wurden 2.000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren befragt. Das Ergebnis: Die Dringlichkeit des Themas schwindet. In Baden-Württemberg fiel die Relevanzbewertung von 56 auf 40 Prozent – ein besonders starker Rückgang.
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Auch die Angst vor gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung nimmt ab. 2021 fürchteten sich noch 61 Prozent der Befragten davor. Aktuell sind es nur noch 48 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil derer, die das Thema für unwichtig halten, von 9 auf 17 Prozent fast verdoppelt.
Trotz des Trends: Jeder dritte Jugendliche (31 Prozent) äußert weiterhin große Zukunftsangst.
Wissenschaft schaltet einen Gang hoch
Während die gefühlte Bedrohung nachlässt, intensiviert die Forschung ihre Arbeit. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina plant gemeinsam mit der Südafrikanischen Akademie der Wissenschaften (ASSAf) ein internationales Fachforum.
Ein Experten-Webinar am 9. Juni 2026 bereitet den Boden. Forscher wie Simone Kühn, Frauke Kraas, Caradee Wright und Tholene Sodi diskutieren die Verbindung von Medizin, Geografie und Psychologie. Im September folgt ein Workshop zum Thema „Climate Change and Mental Health“ in Südafrika.
Ziel: Die Auswirkungen von Ressourcenverlusten und Klimaextremen auf die menschliche Psyche besser verstehen.
Klimaangst hat viele Gesichter
Katharina van Bronswijk von Psychologists for Future erklärt in einem Newsletter des Zentrums für Klimaanpassung: Klimaangst betrifft nicht nur die Sorge vor der Zukunft. Es geht auch um die Verarbeitung bereits spürbarer Veränderungen.
Projekte wie „NaKlim“ für Klimabildung oder das SunPass-Zertifikat im Saarland für Hitzeschutz in Kitas sollen helfen. Die Idee: Konkrete Maßnahmen stärken das Gefühl, handeln zu können.
Die psychischen Folgen sind global extrem unterschiedlich. Eine Studie an 48 Jugendlichen in Madagaskar zeigt massive Belastungen. Hunger und Dürre zerstören lebensnotwendige Ressourcen. Schulen fallen weg, Gemeinschaften zerbrechen. Die Betroffenen berichten von Ohnmacht und Verzweiflung.
Hitze wird zur tödlichen Gefahr
Neben Zukunftsängsten rücken direkte Umweltfaktoren in den Fokus. Extreme Hitzeereignisse in Städten sind besonders riskant. Der Stuttgarter Hitzeaktionsplan zeigt: Herkömmliche Konzepte erfassen steigende Hitzetage. Bei sogenannten Hitzeglocken stoßen sie an Grenzen.
Fachleute warnen: In solchen Phasen kann die Wohnung zum gefährlichsten Ort werden. Besonders Ältere, Kinder und Vorerkrankte leiden – physisch und psychisch.
Ein weiterer Streitpunkt: Infraschall von Windkraftanlagen. Ein EU-Abgeordneter verweist auf Urteile aus Belgien und Frankreich sowie eine Studie der Uni Mainz. Die Forschung deutet auf ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmus-Störungen hin.
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Klimaziele in Gefahr
Die Debatte findet vor düsterer politischer Kulisse statt. Der Expertenrat der Bundesregierung stellt fest: Die Klimaziele bis 2040 sind mit den aktuellen Maßnahmen nicht erreichbar. Das CO2-Budget droht um bis zu 100 Millionen Tonnen überschritten zu werden.
Bisherige Emissionsrückgänge? Primär auf externe Effekte zurückzuführen – wirtschaftliche Schwächephasen und die Energiekrise. Eine Verzögerung beim Klimaschutz würde die psychischen und physischen Belastungen weiter verschärfen.
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