Klimaangst, Jugendlichen

Klimaangst bei Jugendlichen: 31% Angst statt 39% – Trend kippt

29.05.2026 - 03:02:42 | boerse-global.de

Studie zeigt sinkende Klimaangst bei Jugendlichen, während Politik und Wissenschaft psychologische Folgen des Klimawandels stärker adressieren.

Klimaangst bei Jugendlichen: 31% Angst statt 39% – Trend kippt - Foto: über boerse-global.de
Klimaangst bei Jugendlichen: 31% Angst statt 39% – Trend kippt - Foto: über boerse-global.de

Während Hitze und Extremwetter als Gesundheitsrisiken längst bekannt sind, beschäftigen sich Forscher nun verstärkt mit Klimaangst, Traumata durch Naturkatastrophen und der psychischen Belastbarkeit der Bevölkerung.

Jugendliche werden gelassener

Die Sinus-Jugendstudie der Krankenkasse BARMER zeigt einen deutlichen Stimmungswandel bei jungen Menschen. Im Herbst 2025 gaben bundesweit nur noch 31 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an, große Angst vor dem Klimawandel zu haben – ein Rückgang von 39 Prozent im Jahr 2021.

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Gleichzeitig stieg der Anteil der Jugendlichen ohne Angst von 14 auf 22 Prozent. In Baden-Württemberg halten aktuell noch 40 Prozent den Klimawandel für ein sehr wichtiges Thema. 2021 waren es 56 Prozent.

Die Studienautoren führen die Entwicklung auf die Überlagerung durch andere globale Krisen zurück. Dennoch erwartet weiterhin knapp die Hälfte der Befragten negative gesundheitliche Folgen durch die Erderwärmung. In Berlin und Brandenburg liegt dieser Wert mit 55 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt.

Experten tauschen sich aus

Die Wissenschaft intensiviert die Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen planetaren Veränderungen und psychischen Belastungen. Für den 9. Juni 2026 haben die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die südafrikanische Akademie ASSAf ein gemeinsames Webinar angekündigt. Titel: „From Planetary Change to Psychological Impact“.

Mediziner, Geografen und Psychologen wollen dort diskutieren, wie sich diese Erkenntnisse in nationale Klima- und Gesundheitsstrategien integrieren lassen. Die Veranstaltung bereitet einen weiterführenden Workshop im September 2026 in Südafrika vor.

Auch therapeutische Netzwerke reagieren. Das Netzwerk Klimaschutz der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) plant für den 10. Juni 2026 einen Fachabend. Im Fokus: Wie können psychosoziale Fachkräfte auf die steigende Belastung ihrer Klienten reagieren?

Politik zieht nach

International gewinnen gesetzgeberische Maßnahmen zur psychischen Klimagesundheit an Bedeutung. In Brasilien debattierte man im Mai 2026 über einen Gesetzentwurf zur Schaffung einer Nationalen Politik für klimatische psychische Gesundheit. Ziel sind Leitfäden für das öffentliche Gesundheitssystem, um Traumata und Angstzustände nach Klimakatastrophen präventiv zu behandeln. Hintergrund: Ein Großteil der brasilianischen Kommunen war bereits von wetterbedingten Notfällen betroffen.

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In Deutschland fokussiert das Zentrum Klimaanpassung (ZKA) ebenfalls auf die psychologischen Aspekte. Die Psychologin Katharina van Bronswijk von Psychologists for Future betont, dass Klimaangst oft eine angemessene Reaktion auf reale Bedrohungen sei. Neben der therapeutischen Begleitung gewinnen praktische Präventionsprojekte an Bedeutung – etwa Hitzeschutzprogramme in Kitas oder spielerische Bildungsansätze zur Klimaanpassung.

Extremwetter als akute Belastung

Die psychische Belastung hängt oft direkt mit akuten Wetterereignissen zusammen. Berichte über sogenannte Hitzeglocken („Heat Domes“) über Europa im Frühjahr 2026 verdeutlichen die unmittelbare Gefahr. Experten des Stuttgarter Hitzeaktionsplans warnen: Besonders die eigenen Wohnräume können bei langanhaltenden Hitzeperioden zum Risiko werden – mit erheblichem Stress und gesundheitlichen Notfällen für vulnerable Gruppen.

Vielerorts sollen bis zum Sommer 2026 umfassende Schutzkonzepte stehen, die auch Evakuierungen und psychologische Betreuung vorsehen. Fachleute fordern eine engere Verknüpfung von Katastrophenschutz, medizinischer Versorgung und psychologischer Unterstützung. Nur so lasse sich die Resilienz der Bevölkerung gegenüber den fortschreitenden klimatischen Veränderungen stärken.

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