Klarna Bank USA: Schwedischer Fintech reicht Banklizenz-Antrag ein
Veröffentlicht: 06.07.2026 um 18:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna hat bei den US-Aufsichtsbehörden offiziell die Gründung einer eigenen Bank beantragt. Der Schritt markiert einen Wendepunkt für das Unternehmen.
Konkret reichte Klarna am heutigen Montag Anträge beim Utah Department of Financial Institutions und der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) ein. Ziel ist die Errichtung der Klarna Bank USA als voll regulierte Verbraucherbank. Bislang agierte das Unternehmen in den USA lediglich als Zahlungsdienstleister.
Von der Bezahl-App zur Vollbank
Die geplante Bank soll als sogenannte Industrial Bank mit Sitz in Utah firmieren. Sie würde als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Klarna Inc. operieren, unter FDIC-Einlagensicherung stehen und von einem unabhängigen Aufsichtsrat kontrolliert werden.
Mit der Gründung ernennt Klarna Gary Harding zum Präsidenten und CEO der neuen US-Bank. Das Unternehmen bringt dabei Erfahrung mit: Seit 2017 betreibt Klarna bereits eine lizenzierte Bank in Europa.
Milliarden-Geschäft in den USA
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Klarna verzeichnet in den USA rund 30 Millionen aktive Nutzer pro Jahr. Seit 2019 hat das Unternehmen dort Kredite in Höhe von umgerechnet rund 84 Milliarden Euro vergeben. Nach eigenen Angaben sparten Kunden dadurch etwa 4,7 Milliarden Euro an Zinsen im Vergleich zu traditionellen Kreditprodukten.
Um das Kreditgeschäft weiter zu finanzieren, sicherte sich Klarna bereits finanzielle Rückendeckung. Im März 2026 weitete das Unternehmen eine Vereinbarung mit Elliott Investment Management auf umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro aus. Dieses Volumen soll Kredite von bis zu 15,6 Milliarden Euro im Rahmen der sogenannten „Fair Financing“-Initiativen ermöglichen.
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BNPL-Markt boomt – Aufsicht wird strenger
Klarna ist nicht allein mit dem Wunsch nach einer eigenen Banklizenz. Auch der britische Fintech-Konkurrent Revolut hat seine Bemühungen um eine US-Banklizenz wieder aufgenommen. Zudem erteilte das Office of the Comptroller of the Currency kürzlich eine bedingte Genehmigung für die Augustus Bank, eine auf KI-gestützte Stablecoin-Abwicklung spezialisierte Nationalbank.
Der Markt für „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) wächst rasant. Branchenanalysten beziffern das Volumen für 2025 auf umgerechnet rund 174 Milliarden Euro. Bis Ende 2026 soll es auf etwa 203 Milliarden Euro steigen, langfristig bis 2034 auf knapp 690 Milliarden Euro.
Allein in den ersten vier Monaten 2026 entfielen BNPL-Käufe im Volumen von umgerechnet rund 26 Milliarden Euro auf 7,8 Prozent des gesamten Online-Handels. Das entspricht einem Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Eine aktuelle Studie zeigt zudem: 54 Prozent der BNPL-Nutzer greifen aus finanzieller Notwendigkeit auf die Ratenzahlung zurück.
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Die zunehmende Nähe von Fintechs zum klassischen Bankgeschäft ruft jedoch die Aufsichtsbehörden auf den Plan. Erst im Juni 2026 forderte die US-Regierungsbehörde Government Accountability Office die FDIC auf, die Zusammenarbeit mit anderen Regulierern bei Blockchain-Risiken und der Überwachung digitaler Vermögenswerte zu verbessern. Hintergrund sind die Erfahrungen aus den Bankenzusammenbrüchen des Jahres 2023.
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