Kindergetränke, Zuckergehalt

Kindergetränke: Zuckergehalt seit 2019 um 23 Prozent gestiegen

09.06.2026 - 16:44:06 | boerse-global.de

Die geplante Zuckersteuer soll ab 2028 jährlich 450 Millionen Euro für Krankenkassen einbringen. Intern wird die Wirksamkeit der Maßnahme jedoch angezweifelt.

Zuckersteuer ab 2028: Bundesregierung plant Abgabe auf Süßgetränke
Kindergetränke - Ein Zuckerwürfel löst sich in Wasser auf, im Hintergrund verschwommen sind Regierungsdokumente und ein Taschenrechner zu sehen. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein entsprechender Gesetzentwurf aus dem Frühjahr 2026 sieht eine gestaffelte Steuer vor, die jährlich rund 450 Millionen Euro für die gesetzlichen Krankenkassen einbringen soll. Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Bei höheren Gehalten werden zwischen 26 und 32 Cent pro Liter fällig.

Doch wie wirksam ist die Maßnahme wirklich? Interne Berichte des Bundesagrarministeriums zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen öffentlicher Kommunikation und tatsächlichen Erfolgen. Während das Ministerium unter Alois Rainer eine Zuckerreduktion von knapp 15 Prozent vermeldete, lag die tatsächliche Senkung laut internen Zusammenfassungen aus dem Mai 2025 lediglich bei 9,1 Prozent. Besonders alarmierend: Bei Getränken mit Kinderoptik stieg der Zuckergehalt seit 2019 sogar um 23 Prozent.

Widerstand in der Union – Unterstützung von der SPD

Anzeige: Die geplante Zuckersteuer ab 2028 soll helfen – doch der Zuckergehalt in Kindergetränken ist seit 2019 um 23% gestiegen. Besonders betroffen: Kinder aus einkommensschwachen Familien, die ein 36% höheres Adipositas-Risiko tragen. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie Zuckerfallen erkennen und Ihr Kind gesünder ernähren. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern

Innerhalb der Unionsfraktion stößt das Vorhaben von Gesundheitsministerin Nina Warken auf erheblichen Widerstand. Haushaltspolitiker wie Christian Haase warnen vor den finanziellen Folgen für Verbraucher und Industrie. Fraktionschef Jens Spahn verteidigt die Abgabe dagegen als notwendigen Bestandteil einer umfassenden Gesundheitsreform. Unterstützung kommt von der SPD – Generalsekretär Tim Klüssendorf befürwortet das Vorhaben ausdrücklich.

Der Handlungsdruck ist enorm. Der DAK-Kinder- und Jugendreport 2025 zeigt: Kinder aus einkommensschwachen Familien haben eine um 36 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Adipositas-Diagnose als Gleichaltrige aus wohlhabenderen Haushalten. Rund 470.000 Kinder und Jugendliche waren 2023 deswegen in Behandlung.

Warum Abnehmen so schwer fällt – neue Forschungserkenntnisse

Die Forschung liefert neue Erklärungen für den Jo-Jo-Effekt. Eine Nature-Studie der ETH Zürich unter Leitung von Ferdinand von Meyenn wies nach: Fettzellen besitzen ein epigenetisches Gedächtnis für Übergewicht. Diese Zellveränderungen bleiben über Jahre bestehen – Fettzellen können bis zu zehn Jahre überleben. Das erklärt, warum der Körper nach Diäten oft schnell wieder zunimmt.

Für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betont die Deutsche Herzstiftung die Bedeutung der LDL-Cholesterinwerte. Laut Prof. Ulrich Laufs variieren die Zielwerte je nach Risikoprofil: unter 116 mg/dl für Personen mit geringem Risiko, unter 55 mg/dl für Patienten mit sehr hohem Risiko. Neben Medikamenten bleibe eine ballaststoffreiche Ernährung mit pflanzlichen Ölen die wesentliche Säule der Therapie.

EU-weit: Obst- und Gemüsekonsum stagniert

Trotz zahlreicher Kampagnen isst Europa zu wenig Obst und Gemüse. Der Freshfel Europe Consumption Monitor 2026 zeigt: Nur fünf Mitgliedstaaten erreichen die WHO-Empfehlung von 400 Gramm pro Kopf und Tag. Der kurzzeitige Anstieg während der Corona-Pandemie ließ sich nicht nachhaltig festigen. Freshfel Europe fordert in einem Manifest für 2026 bis 2030 einen stärkeren Fokus auf Sichtbarkeit und Bequemlichkeit gesunder Lebensmittel.

Mitte Juni 2026 stehen die Trilog-Verhandlungen zum EU-Saatgutgesetz an. Über 120 europäische Küchenchefs warnen vor einem drohenden Verlust der Sortenvielfalt. Ihr Argument: Wird der Zugang zu traditionellen Sorten für kleine Erzeuger erschwert, leidet auch der Geschmack.

Neue Regeln für Verpackungen – weniger Plastik ab 2030

Im August 2026 treten neue Regelungen der EU-Verpackungsverordnung in Kraft. Ab 2030 sind Einweg-Kunststoffportionspackungen für Produkte wie Zucker oder Kaffeesahne in der Gastronomie verboten. Der Hintergrund: Das Müllaufkommen in Deutschland liegt bei 237 Kilogramm pro Kopf – viel zu hoch für die EU-Ziele.

Pestizide in Importwaren – foodwatch schlägt Alarm

Ein Labortest von foodwatch Ende Mai 2026 wirft Fragen zur Kontrolle von Importwaren auf. In 67 Prozent der untersuchten Proben fanden die Tester in der EU nicht zugelassene Pestizide. Während Lidl betroffene Gewürze aus dem Sortiment nahm, verzichteten andere Anbieter trotz Grenzwertüberschreitungen auf Rückrufe. foodwatch kritisiert die fehlende Null-Toleranz-Regelung für Importe.

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Gleichzeitig warnen Lebensmittelüberwacher vor riskanten Ernährungstrends in sozialen Medien. Rohmilch oder roher Keksteig bergen erhebliche Risiken durch EHEC oder Salmonellen. Auch bei Sprossen wurden 2025 vermehrt Keimbelastungen festgestellt.

Mehr Transparenz bei Nutzerdaten

Im Bereich des digitalen Verbraucherschutzes stärkte ein Urteil des Landgerichts Berlin gegen Google Ireland Ltd. die Rechte der Nutzer. Das Gericht beanstandete im Frühjahr 2025 intransparente Einwilligungserklärungen bei der Kontoregistrierung. Es forderte datenschutzfreundliche Voreinstellungen bei Speicherfristen – ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz bei gesundheitsbezogenen Diensten.

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