Kinderernährung, Obst

Kinderernährung: Obst senkt Angst, Snacks verstärken Unruhe

04.06.2026 - 21:16:54 | boerse-global.de

Experten warnen vor Mangelernährung durch unzureichend geplante pflanzliche Milchalternativen bei Kindern.

Pflanzendrinks: Risiken und Nährstofffallen für Kleinkinder
Kinderernährung - Eine Kinderhand greift nach einem leuchtend roten Apfel auf einem hellen Tisch, im Hintergrund verschwommenes Obst. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Dennis Papanouskas vom Universitätsklinikum Münster warnt vor Risiken: Bei unsachgemäßer Verwendung drohen Wachstumsstörungen und Mangelernährung.

Für Säuglinge sind reine Pflanzendrinks tabu. Hier kommen bei Bedarf nur spezielle Sojapräparate infrage. Bei Kleinkindern zwischen ein und drei Jahren empfehlen Experten Drinks auf Basis von Hülsenfrüchten wie Soja oder Erbsen. Sie liefern ähnlich viel Eiweiß wie Kuhmilch. Getreidedrinks aus Hafer oder Reis fallen dagegen deutlich ab.

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Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ betont: Kalzium, Jod sowie die Vitamine B2 und B12 müssen bei pflanzlichen Alternativen künstlich zugesetzt werden. Besonders tückisch: Bio-Pflanzendrinks sind meist nicht angereichert. Die Lösung? Brokkoli, Grünkohl und jodiertes Speisesalz – plus regelmäßige ärztliche Kontrollen.

Obst beruhigt, Snacks machen nervös

Die University of Agder liefert handfeste Belege für den Zusammenhang zwischen Essen und Psyche. In einer Studie mit 363 norwegischen Vierjährigen zeigte sich: Je mehr Obst und Gemüse Kinder essen, desto weniger Angst und Unruhe zeigen sie. Umgekehrt führen süße oder salzige Snacks zu vermehrtem störendem Verhalten.

Die Forscher haben einen klaren Verdacht: Antioxidantien schützen das Gehirn, während ungesunde Fette die Gehirnplastizität beeinträchtigen. Besonders alarmierend: Der negative Effekt ungesunder Nahrung kann den positiven Effekt gesunder Lebensmittel überwiegen.

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Eine weitere Studie in „Nutrients“ bestätigt den Trend: Bei 86 Jugendlichen ging eine Mittelmeerdiät mit geringeren Werten bei sozialer Phobie und Trennungsangst einher. Und eine Untersuchung des Seoul St. Mary’s Hospital an rund 22.000 Erwachsenen zeigt: Unregelmäßiges Essen erhöht das Risiko für depressive Symptome um das 1,55-Fache.

Lernen, wo das Gemüse wächst

Praktische Ernährungsbildung setzt genau hier an. Im österreichischen Bezirk Grieskirchen startete das Projekt „Ackern im Mostlandl Hausruck“. Kinder an sieben Volksschulen lernen, wie man Gemüse anbaut. Finanziert wird das Vorhaben über drei Jahre von der Leader-Region, pädagogisch begleitet von der Organisation Acker Österreich.

Auch Lidl mischt mit: Beim Kindergesundheitsgipfel in Berlin präsentierte der Discounter Projekte wie „ZEIT für die Schule“. Zudem spendet das Unternehmen 970 Tonnen Lebensmittel für Schulfrühstücke.

Fortschritt und neue Probleme

Die WHO liefert im Mai 2026 beeindruckende Zahlen aus Vietnam: Die Untergewichtsrate bei Kindern zwischen fünf und zehn Jahren sank von 24,2 Prozent (2010) auf 12,2 Prozent (2020). Ein echter Erfolg. Doch die Kehrseite: Im selben Zeitraum stieg die Rate für Übergewicht und Adipositas von 8,5 auf 19 Prozent.

In Österreich sind bereits rund 30 Prozent der Bevölkerung übergewichtig. Die Forderungen nach Gegenmaßnahmen werden lauter. Erwin Zangerl, Präsident der Arbeiterkammer Tirol, verlangt eine gesetzliche Verankerung des Nutri-Scores, ein Werbeverbot für stark zuckerhaltige Getränke und eine höhere Zuckersteuer.

In Deutschland sieht es nicht besser aus. Von geforderten 10.000 Schulgesundheitsfachkräften sind derzeit gerade einmal 137 besetzt. Ein krasses Missverhältnis – und ein deutliches Signal, wie weit Politik und Realität noch auseinanderliegen.

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