Kinder, Bewegung

Kinder und Bewegung: 92,8 Minuten täglich könnten fürs Herz nötig sein

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen verbinden höhere Aktivität mit günstigeren Herz-Kreislauf-Werten und weniger psychischen Symptomen bei Jugendlichen.
Eine leere Laufbahn in einem Park bei Sonnenuntergang, umgeben von grünen Wiesen und Bäumen. Illustration mit AI erstellt.

Seit dem Jahr 1998 gilt für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren die weltweite Empfehlung, sich täglich mindestens 60 Minuten mit moderater bis hoher Intensität zu bewegen. Eine großangelegte wissenschaftliche Untersuchung der Norwegischen Sporthochschule stellt diese Richtlinie nun grundlegend infrage.

Die in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlichte Review-Studie von Husøy und Kollegen deutet darauf hin, dass ein höheres Bewegungspensum erforderlich sein könnte, um messbare kardiovaskuläre Vorteile zu erzielen.

Höheres Pensum für kardiometabolischen Schutz

Für die Arbeit wertete das Forschungsteam 14 internationale Längsschnittstudien aus, an denen knapp 13.000 Kinder und Jugendliche aus 16 Ländern und vier Kontinenten teilnahmen. Deren körperliche Aktivität war mithilfe von Bewegungssensoren objektiv erfasst worden. Die Auswertung zeigte, dass ausschließlich die aktivsten Heranwachsenden ein verringertes Risiko für einen hohen kardiovaskulären Risikoscore aufwiesen.

Diese Gruppe verzeichnete eine durchschnittliche Aktivitätsdauer von 92,8 Minuten pro Tag. Der Forscher Anders Husøy hält es vor diesem Hintergrund für möglich, dass die Richtwerte eher bei 90 Minuten täglicher Aktivität angesetzt werden sollten.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Untersuchung keinen statistischen Zusammenhang zwischen der gesamten täglichen Sitzzeit und einem ungünstigeren kardiovaskulären Risikoprofil feststellen konnte. Den stärksten protektiven Zusammenhang wiesen Kinder mit dem höchsten Body-Mass-Index auf.

Begleitend berichtete der Fachdienst Medscape über Ergebnisse, nach denen körperliche Aktivität bei Jugendlichen zwar mit einzelnen kardialen Risikofaktoren assoziert ist, die kardiometabolischen Vorteile insgesamt jedoch als bescheiden eingeordnet werden.

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Forderung nach differenzierten Leitlinien

Angesichts dieser Befunde fordert Professor Ulf Ekelund eine Überarbeitung der bestehenden Richtlinien durch die Weltgesundheitsorganisation. Notwendig seien getrennte Bewegungsempfehlungen für die Altersgruppe der 6- bis 11- beziehungsweise 12-Jährigen sowie für Jugendliche.

Dass körperliche Aktivität über physiologische Messwerte hinausreicht, belegen ergänzende Untersuchungen. Eine gemeinsame Studie des King's College London und der University of Massachusetts Amherst untersuchte Daten von 5.515 Jugendlichen der US-amerikanischen ABCD-Studie an 21 Standorten.

Mittels dreiwöchigem Tracking im Alter von etwa 11 bis 12 Jahren und Fragebögen zur psychischen Gesundheit ein Jahr später stellten die Forscher fest, dass Jugendliche mit unter 5.000 Schritten pro Tag die meisten psychischen Symptome zeigten.

Bei rund 8.000 Schritten fielen diese deutlich geringer aus, während bei 12.000 Schritten oder mehr die wenigsten Auffälligkeiten dokumentiert wurden. Studienmitautorin Dr. Amanda Paluch hielt fest, dass bereits 1.000 bis 2.000 zusätzliche tägliche Schritte mit einer besseren Gehirnstruktur und besseren psychischen Ergebnissen verbunden waren.

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Bei den aktivsten Probanden zeigte sich zudem eine etwas dickere Hirnrinde in zwei Arealen, die an Bewegung und Emotionsregulation beteiligt sind, wenngleich kein Zusammenhang mit schulischen Leistungen gemessen wurde.

Diskrepanz zwischen Zielwerten und Alltag

Die Diskussion um höhere Zielmarken trifft auf eine Realität, in der bereits die 60-Minuten-Vorgabe selten erreicht wird. Internationale Erhebungen wie der Report Card von Global Matrix 5.0 für Malta vergeben für die körperliche Aktivität von Kindern die Gesamtnote F, da dort lediglich 16 Prozent das empfohlene Niveau erreichen.

In Chile erreichen nach Angaben des Sportministers Francisco Riveros 98,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Vorgaben nicht. Vor diesem Hintergrund bleibt die Anpassung wissenschaftlicher Zielwerte eine gesundheitspolitische Herausforderung, die differenziertere Maßstäbe für verschiedene Altersgruppen verlangt.

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