Kinder im Vorschulalter: Drei- und Vierjährige laufen 18.000 Schritte am Tag
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDrei- und Vierjährige legen weltweit im Schnitt rund 18.000 Schritte täglich zurück, wie eine internationale Studie mit mehr als 3.500 Kindern aus 44 Ländern zeigt.
Große Spannweite zwischen den Kindern
Die Untersuchung erschien im Fachmagazin «Lancet Child Adolesc Health». Die Daten wurden zwischen 2018 und 2025 erhoben; die Kinder trugen dafür mindestens drei Tage lang Bewegungssensoren an der Hüfte.
Der gewichtete Median lag bei 18.542 Schritten pro Tag. Drei Jahre alte Kinder kamen im Mittel auf etwa 17.500 Schritte, Vierjährige auf knapp 19.000.
Mehr als 25.000 Schritte Unterschied
Die individuellen Werte lagen weit auseinander: Am unteren Ende wurden ungefähr 1.100 Schritte gemessen, am oberen rund 29.800. Zwischen einem eher bewegungsarmen und einem sehr aktiven Kind konnten damit an einem Tag mehr als 25.000 Schritte liegen.
WHO nennt Bewegungsdauer statt Schrittzahl
Die Autoren der sogenannten Sunrise-Studie betonen, körperliche Aktivität sei für Wachstum und gesunde Entwicklung unerlässlich. Eine konkrete Schrittzahl empfehlen sie für Vorschulkinder aber nicht, weil auch Sitzzeiten und Schlaf berücksichtigt werden müssten.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Drei- und Vierjährige mindestens 180 Minuten Bewegung über den Tag verteilt. Davon sollten mindestens 60 Minuten eine mittlere bis hohe Intensität erreichen.
Unterschiede nach Einkommen und Wohnort
Kinder in Ländern mit niedrigem Einkommen gingen laut Studie durchschnittlich etwa 23.000 Schritte täglich und damit gut 5.000 mehr als Kinder in Ländern mit hohem Einkommen. Kinder in ländlichen Regionen kamen auf knapp 2.000 Schritte mehr als Kinder in Städten.
Auch zwischen Jungen und Mädchen zeigte sich ein Abstand: Dreijährige Jungen liefen rund 1.640 Schritte mehr als gleichaltrige Mädchen, bei den Vierjährigen waren es etwa 1.150. Die Forscher führen dies möglicherweise auf Unterschiede im Spiel- und Freizeitverhalten sowie auf soziokulturelle Einflüsse zurück.
Bei Strategien zur Bewegungsförderung sollten nach Ansicht des Teams besonders Mädchen und Kinder mit höherem Gewicht berücksichtigt werden. Deutschland nahm an dem Projekt nicht teil.
Bewegung ist mehr als eine Schrittzahl
Die Studienzahl liefert vor allem einen internationalen Vergleichswert. Sie ist keine Zielvorgabe für jedes Kind, weil körperliche Aktivität bei Drei- und Vierjährigen in vielen Formen stattfindet: beim Spielen, Rennen, Klettern oder auf dem Weg zwischen Wohnung, Betreuung und Freizeitangeboten.
Die Orientierung der Weltgesundheitsorganisation setzt deshalb nicht auf Schrittzähler, sondern auf mindestens 180 Minuten Bewegung über den Tag verteilt. Mindestens 60 Minuten davon sollen eine mittlere bis hohe Intensität erreichen. Ebenso wichtig sind Sitzzeiten, Schlaf und die Möglichkeit, sich sicher und selbstständig zu bewegen.
Soziale und räumliche Unterschiede
Der deutliche Abstand zwischen Kindern in Ländern mit niedrigem und hohem Einkommen sowie zwischen ländlichen und städtischen Regionen verweist auf unterschiedliche Alltagsbedingungen. Wo Wege häufiger zu Fuß zurückgelegt werden, kann sich Bewegung beiläufig in den Tagesablauf integrieren. In Städten hängt Aktivität dagegen stärker von sicheren Außenflächen, Verkehrswegen, Betreuung und erreichbaren Spielmöglichkeiten ab.
Bedeutung für Familien und Politik
Für Familien ist die Untersuchung daher weniger ein Auftrag zum täglichen Zählen als ein Hinweis auf regelmäßige Bewegungsgelegenheiten. Politisch rücken sichere Wege, wohnortnahe Spielplätze und bewegungsfreundliche Betreuungseinrichtungen in den Mittelpunkt. Dass Mädchen und Kinder mit höherem Gewicht im Mittel weniger Schritte zurücklegen, spricht zudem für Angebote, die niedrigschwellig, zugänglich und nicht stigmatisierend sind.
