KI-Wettlauf: Türkei und Südkorea investieren Hunderte Milliarden
02.07.2026 - 22:50:44 | boerse-global.de
Die Türkei und Südkorea preschen im globalen Wettlauf um technologische Souveränität vor. Beide Regierungen präsentierten am 2. Juli 2026 umfassende Aktionspläne, die bis 2030 Hunderte Milliarden für Forschung, Infrastruktur und Rechenleistung mobilisieren sollen. Im Fokus: heimische Supercomputer, KI-gestützte Fertigung und die Integration Künstlicher Intelligenz in Verteidigung und öffentliche Dienste.
Türkei setzt auf Privatwirtschaft und Rechenzentren
Die türkische Regierung will mindestens zehn Milliarden Dollar aus dem Privatsektor für kritische Infrastruktur mobilisieren – darunter Rechenzentren und Cloud-Dienste. Offiziellen Angaben zufolge soll die Strategie einen volkswirtschaftlichen Mehrwert von über einer Billion Lira generieren.
Das Wissenschafts- und Forschungsinstitut TÜB?TAK hat bereits den „KI-Ökosystem-Call 2026" gestartet. Gefördert werden Projekte mit bis zu zehn Millionen Lira (rund 250.000 Euro) pro Vorhaben. Anträge sind bis zum 18. September möglich. Auch öffentliche Einrichtungen können Förderung beantragen – für Projekte mit einer Laufzeit von bis zu 48 Monaten.
Weitere Eckpfeiler der türkischen Strategie:
- 1,6 Milliarden Dollar aus dem HIT-30-Programm fließen direkt in KI-Entwicklung
- Der Hub „Terminal Istanbul" und ein nationaler KI-Rat werden gegründet
- Regulatorische Testräume in mehr als fünf Sektoren sollen neue Technologien erproben
- Internationale Kooperation über das CONCERT-Japan-Netzwerk mit zehn europäischen Nationen
Die Ankündigung fällt zeitlich mit der Teilnahme der Türkei an der GITEX AI Europe in Berlin zusammen. Dort präsentierte sich das Land als regionales Zentrum für Unternehmertum – mit dem Hinweis, dass Investitionsfonds mit Türkei-Fokus in den letzten Jahren um zwei Milliarden Dollar gewachsen sind.
Südkorea will zu den Top Drei der KI-Welt gehören
Das südkoreanische Ministerium für Wissenschaft und ICT (MSIT) stellte am Donnerstag seine zweite nationale Forschungsstrategie vor – die sogenannte N.E.X.T-Strategie für die Jahre 2026 bis 2030. Das Ziel: rund fünf Prozent der gesamten Staatsausgaben in Forschung und Entwicklung zu investieren. Bis 2030 will das Land zu den drei führenden KI-Nationen der Welt aufschließen.
Während Nationen massiv in Infrastruktur investieren, stellt die neue EU-Gesetzgebung Unternehmen hierzulande vor konkrete regulatorische Herausforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Der Sechste Grundlagenplan sieht vor, mehr als 200 Billionen Won (umgerechnet rund 129 Milliarden Euro) in öffentliche Forschung zu lenken. Davon entfallen 60 Billionen Won auf 55 zentrale Technologiefelder – darunter Halbleiter, Quantencomputing und Biotechnologie.
Konkrete Ziele im Überblick:
- 260.000 Grafikprozessoren (GPUs) sollen die nationale Rechenkapazität massiv steigern
- Ein sechster nationaler Supercomputer wird entwickelt
- Ein „KI für alle"-Dienst soll die Technologieverbreitung beschleunigen
- 20 nationale Spitzenwissenschaftler werden gefördert, dazu Stipendien für 10.000 Studierende und 4.000 Postdocs
Parallel dazu präsentierte das MSIT eine nationale „Physical-AI"-Strategie. Sie zielt darauf ab, „Full-Stack"-Technologien und eigene Basismodelle zu entwickeln – für die Automatisierung in Fertigung, Landwirtschaft, Verteidigung und Pflege. Vize-Premierminister Bae Kyung-hoon sprach von der Ambition, weltweit führend bei der Integration physischer KI zu werden.
Deutschland setzt auf Souveränität und offene Modelle
Die rasante globale Entwicklung zeigt, dass KI-Systeme bald jeden Wirtschaftsbereich durchdringen werden – was auch neue regulatorische Fragen zu Hochrisiko-Systemen aufwirft. Welche konkreten Dokumentationspflichten die EU-KI-Verordnung für Unternehmen vorsieht, klärt dieser kostenlose Praxis-Report auf. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Auch in Europa tut sich etwas. Deutschland treibt seinen „Deutschland-Stack" voran – eine Blaupause für 2026. Die Strategie verfolgt einen zweigleisigen Ansatz: den Aufbau souveräner, heimischer Infrastruktur für Rechen- und Cloud-Dienste bei gleichzeitiger Offenheit für transatlantische Kooperation auf der Modellebene.
Laut Bitkom bevorzugen 93 Prozent der deutschen Unternehmen KI-Lösungen aus heimischer Produktion. Die Bundesregierung betrachtet Rechenleistung daher als kritische Grundlage für wirtschaftliche Wertschöpfung.
Indien unter Zugzwang
In Indien fordern Experten und Industrievertreter ebenfalls eine entschlossenere nationale KI-Strategie. Während die USA und Europa ihre Infrastrukturinvestitionen massiv ausbauen und Zugangsbeschränkungen verschärfen, liegt Indiens Forschungsausgabenquote bei lediglich 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Analysten empfehlen eine ressortübergreifende Koordination und deutlich höhere Investitionen – sonst drohe der Anschluss im globalen Technologiewettlauf verloren zu gehen.
Verteidigung: KI verändert die Luftfahrt
Auch im Verteidigungsbereich zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab. Selcuk Bayraktar, Vorstandsvorsitzender des türkischen Rüstungskonzerns Baykar, prognostizierte am Donnerstag, dass unbemannte Systeme wie der Kampfjet KIZILELMA die Luftfahrt in den nächsten 30 Jahren grundlegend verändern werden. Ihr wirtschaftlicher Vorteil: Teure Pilotenausbildung werde durch softwarebasierte Fähigkeitsübertragung ersetzt.
