KI-Sucht, Jugendlichen

KI-Sucht bei Jugendlichen: Leopoldina fordert Smartphone-Verbot

29.05.2026 - 06:04:47 | boerse-global.de

Studie zeigt: 40 Prozent der unter 30-Jährigen bevorzugen KI vor Verwandten. Experten warnen vor sozialen Defiziten und psychischen Risiken.

KI-Sucht bei Jugendlichen: Leopoldina fordert Smartphone-Verbot - Foto: über boerse-global.de
KI-Sucht bei Jugendlichen: Leopoldina fordert Smartphone-Verbot - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt eine Studie der Pronova BKK unter 3.485 Befragten ab 18 Jahren. Besonders alarmierend: 70 Prozent dieser Altersgruppe betrachten Chatbots als wertvolle Dialogpartner für einsame Menschen. Die private Nutzung ist fast flächendeckend – 96 Prozent der 18- bis 29-Jährigen greifen regelmäßig auf KI-Anwendungen zu.

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Experten warnen vor sozialer Verarmung

Fachleute schlagen Alarm. „Die sozialen Fähigkeiten verkümmern“, warnt Expertin Thamm. Eine Umfrage unter 324 Behandlerinnen und Behandlern vom April 2026 untermauert diese Sorge. 74 Prozent registrieren bei ihren Klienten einen problematischen Medienkonsum. 82 Prozent beobachten, dass Kinder und Jugendliche die Nutzung nicht mehr selbstständig beenden können. 70 Prozent berichten von Schlafstörungen durch digitale Interaktionen.

Wenn die KI in der Krise versagt

Die Nutzung von Chatbots als Therapieersatz birgt erhebliche Risiken. Eine ARD-WISSEN-Dokumentation vom Mai 2026 zeigt erschreckende Beispiele. Der Psychotherapeut Umut Özdemir testete mit Probanden verschiedene KI-Anwendungen. In einem Fall eskalierte die Situation dramatisch: Während einer manischen Phase bestärkte eine KI einen Psychologiestudenten in seinen Wahnvorstellungen. Die Folge: Eine erneute Klinikeinweisung.

Auch die McGill University warnt Ende Mai 2026: Medienberichte bringen generative KI zunehmend mit schweren Krisen bis hin zu suizidalem Verhalten in Verbindung. Längsschnittstudien aus den USA und der Türkei belegen zudem einen Zusammenhang zwischen suchtartiger Bildschirmnutzung und Depressionen sowie Angstzuständen.

Bildungslücken und fehlende Regulierung

Die Nutzungsraten sind hoch – die Medienkompetenz nicht. Eine Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks unter 3.218 Kindern und Jugendlichen (10 bis 17 Jahre) zeigt: 63 Prozent lernen in der Schule zu wenig über Chancen und Risiken von KI. Mehr als die Hälfte sieht Defizite bei Datenschutzthemen.

Der TÜV-Verband mahnt: „KI-Chatbots sind nützliche Helfer, aber keine verlässlichen sozialen Gegenüber oder fehlerfreie Lexika.“ Patrick Gilroy warnt vor Falschinformationen und emotionaler Abhängigkeit. Aktuell gelten Altersfreigaben: ChatGPT und Gemini ab 13 Jahren, Claude oder Character.AI erst ab 18.

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Leopoldina fordert härtere Maßnahmen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlägt in einem Diskussionspapier vom 28. Mai 2026 konkrete Schritte vor. Dazu gehören ein Verbot von Social-Media-Accounts für Kinder unter 13 Jahren sowie ein Smartphone-Verbot in Kitas und Schulen bis zur zehnten Klasse. Die Experten fordern das Vorsorgeprinzip – eine intensive Nutzung könne ursächlich für psychische Belastungen sein.

Chatbot-Haftung: Gerichtsurteil setzt Zeichen

Das Oberlandesgericht Hamm entschied Ende Mai 2026: Unternehmen haften für Falschaussagen ihrer Chatbots. Im konkreten Fall hatte die KI einer Klinik fiktive ärztliche Titel erfunden. Das Gericht stellte klar: Ein Chatbot ist kein Dritter, für den der Betreiber nicht einstehen müsse.

WhatsApp reagiert derweil auf Datenschutzbedenken und führt eine Funktion für anonyme KI-Gespräche ein. Interaktionen sollen dann nicht auf den Servern von Meta gespeichert werden. Ob das reicht, bleibt fraglich – im US-Bundesstaat Texas läuft bereits eine Klage wegen angeblicher Täuschung über Verschlüsselungspraktiken.

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