KI-Sicherheit: EU baut Abwehr gegen Anthropic-Modelle bis 2027 auf
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 11:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Brüssel – Die Europäische Kommission hat einen neuen Aktionsplan für Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz vorgestellt. Ziel ist es, die digitale Verteidigung Europas gegen immer raffiniertere Bedrohungen zu stärken.
Der am Dienstag präsentierte Plan fördert die sichere Integration von KI-Technologien. Gleichzeitig sollen bestehende Sicherheitsrahmen für kritische Infrastrukturen ausgebaut werden.
Strategischer Rahmen für KI-Sicherheit
Der neue Aktionsplan baut auf bestehenden EU-Regelwerken auf – darunter das KI-Gesetz, die NIS2-Richtlinie und der Cyber Resilience Act. Zu den Kernpunkten gehören der Aufbau einer eigenen EU-Bewertungskapazität bis 2027 sowie die Schaffung einer sicheren Testplattform für kritische Sektoren wie Energie, Gesundheitswesen, Verkehr und öffentliche Verwaltung.
Die Kommission plant zudem die „EU Grand Challenge on AI for Cybersecurity" – einen Wettbewerb zur Förderung innovativer Abwehrtechnologien. Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen betonte die transformative Wirkung von KI auf die Sicherheitslandschaft. Moderne Modelle könnten Schwachstellen identifizieren und Cyber-Angriffe innerhalb von Minuten generieren. Virkkunen warnte: „Bewaffnete KI-Schwachstellen könnten erhebliche Risiken für unsere essenzielle Infrastruktur darstellen."
EZB verschärft Kontrolle der Finanzbranche
Parallel zur Ankündigung der Kommission hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Aufsicht über den Finanzsektor verschärft. EZB-Chefin Claudia Buch forderte die größten Banken im Euroraum auf, bis zum 31. Oktober 2026 detaillierte Aktionspläne vorzulegen. Diese müssen darlegen, wie sie Risiken durch hochmoderne KI-Modelle managen wollen.
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Die Aufsichtsbehörden identifizierten dabei das Mythos-Modell des Unternehmens Anthropic als Paradebeispiel für Technologie, die Schwachstellen in nie dagewesenem Ausmaß aufspüren und ausnutzen kann. Die EZB verlangt von den Banken, ihre Infrastruktur zu modernisieren, Software schneller zu patchen und externe Technologieanbieter strenger zu überwachen.
Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) gab ebenfalls eine formelle Warnung heraus. Die Cyber-Risiken durch KI der Spitzenklasse stellten eine potenzielle Bedrohung für die Stabilität des EU-Finanzsystems dar. Großflächige Störungen könnten das öffentliche Vertrauen erschüttern und Runs auf Unternehmen oder sogar ganze Länder auslösen, so der ESRB. Die europäischen Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA unterstützten diese Warnungen und forderten Finanzinstitute auf, ihre Cybersicherheitsfähigkeiten gemäß dem Digital Operational Resilience Act (DORA) anzupassen.
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Umsetzung und regulatorische Fristen
Während die EU eigene Bewertungskapazitäten aufbaut, bleibt sie vorerst auf KI-Modelle aus den USA angewiesen. Die Kommission arbeitet daher an strukturierten Zugängen zu fortschrittlichen Modellen. Das EU-KI-Büro bereitet sich darauf vor, die Risiken von Hochleistungs-KI zu bewerten, bevor diese auf den Markt kommen. Diese Strategie läuft parallel zur Umsetzung des KI-Gesetzes, dessen Durchsetzung am 2. August 2026 beginnt.
Um den Instituten mehr Flexibilität zu geben, hat die EZB die Frist für ihren Fragebogen zu Informations- und Kommunikationstechnologie-Risiken auf Februar 2027 verlängert. Banken sollen so mehr Zeit erhalten, ihre internen Systeme und externen Dienstleister auf die neuen Herausforderungen im KI-Zeitalter vorzubereiten.
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