KI-Nutzung, Firmen

KI-Nutzung: 54,4% der deutschen Firmen setzen auf Künstliche Intelligenz

07.06.2026 - 05:30:07 | boerse-global.de

54,4 Prozent der deutschen Firmen setzen auf KI, doch die Kluft zwischen Großkonzernen und KMU bleibt bestehen.

KI-Revolution in Deutschland: Jedes zweite Unternehmen nutzt die Technologie
KI-Nutzung - Eine stilisierte KI-Visualisierung über einer verschwommenen deutschen Stadtlandschaft bei Dämmerung, die digitale Transformation darstellt. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Erhebung des ifo-Instituts. Demnach nutzen 54,4 Prozent der Firmen KI-Software – ein deutlicher Sprung von rund 41 Prozent im Vorjahr. Doch der digitale Graben zwischen Großkonzernen und kleinen Betrieben bleibt bestehen.

Große Unternehmen führen, Mittelstand zögert

Die Verteilung ist ungleich: Großunternehmen liegen mit einer Nutzungsrate von 67,2 Prozent klar vorn. Kleine Betriebe kommen auf 51,2 Prozent, mittelständische Firmen sogar nur auf 47,2 Prozent. Besonders weit ist die Integration im Industriesektor mit 58,7 Prozent, dicht gefolgt von Dienstleistern mit 56,2 Prozent.

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Ein echter Überraschungskandidat ist das Baugewerbe. Dort stieg der KI-Einsatz von mageren 7,1 Prozent vor drei Jahren auf nun 39,8 Prozent. Die Unternehmen nutzen die Technologie vor allem für Verwaltung, Datenanalyse, Programmierung und Kundenkommunikation. Allerdings: Während 74 Prozent der Firmen auf kostenpflichtige externe KI-Produkte zurückgreifen, entwickeln weniger als 19 Prozent eigene Lösungen.

Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut spricht von einer „hohen Einführungsdynamik“. Eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt jedoch, dass nur 51 Prozent der deutschen Beschäftigten KI positiv gegenüberstehen – der globale Durchschnitt liegt bei 57 Prozent.

Internationale Hilfen für den Mittelstand

Weltweit laufen Programme, um die digitale Kluft zu schließen. Kanada veröffentlichte Anfang Juni seine „AI for All“-Strategie mit einem Budget von umgerechnet rund 2,1 Milliarden Euro. Ziel ist es, das Bruttoinlandsprodukt zu steigern und bis zu 250.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Ein spezieller Fonds von rund 640 Millionen Euro soll kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Rechenleistung ermöglichen. Bis 2034 will Kanada die KI-Nutzung in der Wirtschaft auf 60 Prozent steigern.

In Thailand starteten AIS Business und Microsoft Thailand ein Programm speziell für die 3,13 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen des Landes. Angeboten werden vergünstigte Microsoft-365- und Copilot-Pakete sowie Schulungen in sieben Regionen. Bis Ende 2026 sollen 700 Unternehmer erreicht werden.

Fachkräftemangel bremst die Digitalisierung

Trotz steigender Investitionen hapert es vielerorts an der Umsetzung. Eine Umfrage von EY Irland zeigt: 82 Prozent der irischen Organisationen investieren in KI – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Doch 36 Prozent der Technologieverantwortlichen nennen den Mangel an qualifiziertem Personal als größtes Hindernis. Fast die Hälfte sorgt sich zudem um Datenlecks durch generative KI.

Im verarbeitenden Gewerbe offenbart eine Studie von Tacton eine wachsende digitale Lücke. Zwar beschäftigen sich 79 Prozent der Führungskräfte mit KI, doch 62 Prozent berichten von schrumpfenden Margen durch nicht vernetzte Systeme. In der Kreativbranche wiederum haben Kleinstunternehmen und KMU mit höheren Kosten und Risiken zu kämpfen – Folge begrenzter Infrastruktur und unregelmäßiger Einnahmen.

Cyberangriffe: Die Kehrseite des KI-Booms

Mit der zunehmenden Digitalisierung wachsen auch die Sicherheitsrisiken. Der ESOT 2026 SMB Cyber Readiness Index zeigt: 45 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen erlebten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen Cybersicherheitsvorfall. KI-gestützte Schadsoftware ist die größte Sorge – 61 Prozent der Entscheider sehen darin eine ernste Bedrohung.

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Immerhin: 68 Prozent der KMU vertrauen auf ihre Fähigkeit, Angriffe abzuwehren. Gleichzeitig betrachten 75 Prozent Cyberkriegsführung inzwischen als reale Gefahr. Diese Entwicklung fällt mit einem globalen Wandel zusammen: In Indien etwa sind 55 Prozent der Arbeit in sogenannten Global Capability Centres (GCCs) durch KI gefährdet – besonders in Bereichen wie Kundenservice und Finanzen.

Milliardenpotenzial für die Volkswirtschaft

Die wirtschaftlichen Chancen sind enorm. Eine BCG-Studie schätzt, dass die tiefe Integration vertikaler KI in Schlüsselsektoren das britische BIP im nächsten Jahrzehnt um umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro steigern könnte. Derzeit nutzen 65 Prozent der britischen Unternehmen keine KI – und 85 Prozent derjenigen, die es tun, beschränken sich auf einfache Textgenerierung.

Ein weiterer Beleg für den Zusammenhang zwischen Technologie und Produktivität kommt von SBI Research: Eine höhere Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie geht demnach mit einem Produktivitätsanstieg von rund 76 Prozent einher. Firmen mit hohem Digitalisierungsgrad haben zudem bessere Chancen auf formelle Registrierung und Kreditzugang – auch wenn Unternehmerinnen hier immer noch benachteiligt sind.

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