KI-Medizin in Russland: 60 Produkte offiziell registriert, Diagnostik teils kostenfrei
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Russland sind inzwischen 60 Medizinprodukte mit Technologien der künstlichen Intelligenz offiziell registriert worden. Dies gab das russische Gesundheitsministerium bekannt. Die Entwicklung markiert einen weiteren Schritt bei der systematischen Digitalisierung der klinischen Versorgung im Land.
Wie der stellvertretende Gesundheitsminister Wadim Wankow mitteilte, dient der Großteil dieser registrierten Anwendungen der automatisierten Auswertung radiologischer Bilder. Der praktische Einsatz in den Regionen habe sich bislang als stabil erwiesen.
Nach Angaben des Ministeriums ist für bestimmte Untersuchungen die KI-gestützte Diagnostik – darunter Mammografie, Fluorografie, Computertomografie, Elektrokardiogramme sowie Koloskopien – im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung (OMS) für Patienten kostenfrei zugänglich.
Bis zum Ende des Jahres 2026 sollen die Systeme zudem in mindestens 60 Prozent der Fälle sogenannte digitale Gesundheitsprofile erstellen. Wankow formulierte zugleich das Ziel, bis Ende 2026 in jedem Föderationssubjekt der Russischen Föderation mindestens fünf KI-Medizinprodukte in den Praxisbetrieb zu integrieren.
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Gesetzlicher Rahmen und Zulassungsverfahren
Die neuen Zahlen wurden auch im Rahmen von Parlamentsanhörungen des Föderationsrats zu aktuellen Fragen des KI-Einsatzes im Gesundheitswesen erörtert. Die Veranstaltung wurde von der stellvertretenden Vorsitzenden Inna Swjatenko geleitet und auf der Website des Föderationsrats übertragen.
Neben den 60 zugelassenen Produkten bilden nach Angaben des Vorsitzenden des Sozialausschusses, Alexei Sinizyn, derzeit 28 staatliche Standards und ein eigener Ethikkodex das Fundament für den nationalen Umsetzungsplan.
Laut Sinizyn setzen bereits 85 Regionen neuronale Netze zur Analyse medizinischer Bilddaten ein, während 60 Regionen die Technologie auch bei der Auswertung elektronischer Krankenakten nutzen.
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Die Kontrollmechanismen für die Zulassung erläuterte Alla Samoilowa, Leiterin der Aufsichtsbehörde Roszdrawnadsor. Die Algorithmen kämen bei der Diagnosestellung, der Behandlungsunterstützung und in Medizingeräten zum Einsatz, ersetzten das ärztliche Fachpersonal jedoch nicht; die finale Entscheidung verbleibe stets beim behandelnden Arzt.
Für den Marktzugang gelten nach Angaben Samoilowas vier Zulassungsfilter, die sich auf die Trainingsqualität der Modelle, die klinische Effektivität, den Schutz personenbezogener Daten sowie die Transparenz beziehen. Flankiert werde das Verfahren durch eine dreifache Kontrolle und eine dreijährige Berichtspflicht für die jeweiligen Hersteller.
Strategische Ziele bis 2030
Der nationale Einführungsplan für künstliche Intelligenz ist bis zum Jahr 2030 angelegt. Vorgesehen ist unter anderem, dass bis zum Ende dieses Zeitraums an jedem dritten Termin in Polikliniken intelligente Algorithmen beteiligt sein sollen. Um das Personal auf diese Integration vorzubereiten, haben bereits mehr als 500.000 Ärztinnen und Ärzte entsprechende interaktive Umschulungskurse durchlaufen.
Gesundheitsminister Michail Muraschko verwies zudem auf dem XXI. Nationalkongress der Therapeuten auf den grundlegenden Wandel hin zu einer sogenannten Medizin 3.0. Der Schwerpunkt verlagere sich dadurch von der reinen Behandlung akuter Leiden hin zu Früherkennung und Prävention, wodurch gesundheitliche Risiken mitunter 10 bis 20 Jahre vor Ausbruch einer Erkrankung identifiziert werden könnten.
Eine KI des NMIZ für Therapie und Präventivmedizin analysiere dafür elektronische Krankenakten und teile Patienten nach Risikostufen ein. Zudem erkenne die Technologie etwa bei der Mammografie Arterienverkalkungen, um kardiovaskuläre Gefahren frühzeitig zu bewerten. Auch Muraschko bekräftigte, dass KI als Hilfsmittel diene und keinesfalls die ärztliche Expertise ersetzen solle.
