KI-Kompetenz in Kommunen: Nur 0,3% der Stellen suchen Experten
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 08:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Der öffentliche Dienst hinkt der Privatwirtschaft bei KI-Kompetenzen massiv hinterher. Das legt nicht nur Effizienzpotenziale brach, sondern gefährdet auch die digitale Zukunft der Verwaltung.
KI in der Verwaltung: Nur jedes 140. Stellenangebot sucht Experten
Das IW untersuchte knapp 191.000 Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gerade einmal 0,7 Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst hatten einen direkten Bezug zu Künstlicher Intelligenz. Zum Vergleich: In der Privatwirtschaft lag der Anteil mit 1,5 Prozent mehr als doppelt so hoch.
Besonders dramatisch ist die Lage in den Kommunen. Nur 0,3 Prozent der Stellenanzeigen von Städten und Gemeinden enthielten KI-Anforderungen. Ganze 43 Prozent aller deutschen Landkreise haben aktuell überhaupt keine spezifischen KI-Stellen. IW-Forscher Jan Büchel sieht darin ein strukturelles Problem: „KI-Kompetenz muss als Führungsaufgabe verstanden werden", betont er. Bislang konzentriere sich der Aufbau solcher Fähigkeiten auf wenige Vorreiter-Behörden.
Bürgermeister geben Digitalpolitik die Note 3,7
Die Personallücke fällt in eine Zeit wachsender Unzufriedenheit in den Rathäusern. Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage von forsa und MeisterTask zeigt: 70 Prozent der Bürgermeister bewerten die Digitalisierungspolitik der Bundesregierung kritisch. Die Durchschnittsnote: 3,7.
Dabei halten 97 Prozent der Rathauschefs die Digitalisierung für wichtig. Doch 81 Prozent beklagen fehlende klare Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die größten Hindernisse sind bürokratische Hürden (76 Prozent), fehlende Finanzmittel (65 Prozent) und der Mangel an Fachkräften (49 Prozent).
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Die bevorstehende Umsetzung des EU AI Acts verschärft die Lage zusätzlich. Viele kommunale KI-Anwendungen – etwa in Sozialämtern, Ausländerbehörden oder bei der Personalauswahl – gelten künftig als Hochrisiko-Systeme. Die Kommunen fürchten mehr Bürokratie und einen Stillstand der Innovation. Sie fordern deshalb zentral geprüfte KI-Werkzeuge und standardisierte Verträge.
Neues Prüfverfahren soll Verwaltungs-KI sicher machen
Die Bundesdruckerei hat darauf reagiert und am Dienstag den MÖVE-Benchmark vorgestellt. Die Plattform, entwickelt mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Fraunhofer AISEC, vergleicht mehr als 50 große Sprachmodelle.
Der Test bewertet die Modelle nach Leistung, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Transparenz – sowie nach ihrer Übereinstimmung mit demokratischen Werten. Neun speziell für Verwaltungskontexte entwickelte Datensätze auf Deutsch sorgen für Praxisnähe. Das Tool soll Behörden eine verlässliche Grundlage für die Auswahl KI-Systeme bieten, die den strengen Anforderungen des öffentlichen Dienstes genügen.
Bitkom fordert KI-Pflichtfach ab der fünften Klasse
43% der Landkreise haben keine KI-Stellen – dabei droht der EU AI Act viele Verwaltungs-KI als Hochrisiko einzustufen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit dem MÖVE-Benchmark und klaren Stellenprofilen die Compliance-Wende schaffen. EU-AI-Act-Fahrplan jetzt sichern
Der Digitalverband Bitkom drängt auf strukturelle Veränderungen. In einem Positionspapier vom Dienstag fordert er eine „KI-Kompetenzoffensive". Konkret schlägt der Verband einen „AI Skills Credit" nach internationalem Vorbild vor, die Gründung einer Bundesagentur für digitale Bildung und die Einführung von Informatik als Pflichtfach ab der fünften Klasse.
Die Dringlichkeit untermauern aktuelle Zahlen: Nur 53 Prozent der Deutschen verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen. Das liegt weit unter dem EU-Ziel von 80 Prozent bis 2030. Der Deutschland-Index 2025 beziffert den Digitalisierungsgrad der Verwaltung zudem auf magere 39 Prozent. Viele Prozesse – etwa im kommunalen Außendienst – laufen noch immer auf Papier.
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