KI-Investitionen: 725 Milliarden Euro, aber 95% ohne Rendite
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 21:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Statt Aufgaben abzuarbeiten, geht es künftig um die Qualität von Entscheidungen.
Vom Abhaken zum Durchdenken
Die Arbeitswelt wird komplexer. Mehr Kanäle, mehr Nachrichten, mehr Unterbrechungen. Teams, Messenger, E-Mails – die Flut ist so groß, dass Experten bereits von Konzentrationsstörungen sprechen.
Herkömmliche Methoden helfen da kaum noch. Der Experte Guido Wieprecht hat deshalb ein neues Konzept entwickelt: Zeitrendite. Dabei zählt nicht, wie viele Aufgaben du erledigst. Sondern wie gut deine Entscheidungen sind.
Das Ziel: Mit besserer Informationskompetenz, KI-Einsatz und Techniken wie Schnelllesen den Ertrag pro Zeiteinheit steigern. Erfolg misst sich an der Wirksamkeit von Entscheidungen – nicht am Arbeitspensum.
KI: Riesige Investitionen, magere Rendite
Die Hoffnung ruht auf Künstlicher Intelligenz. Laut DIHK sehen 86 Prozent der Unternehmen KI als wichtigen Produktivitätstreiber. Bitkom zufolge halten 81 Prozent der Firmen KI für die wichtigste Technologie der Gegenwart.
Doch die Realität sieht anders aus. Die Produktivität in Deutschland stieg in den letzten fünf Jahren nur um durchschnittlich 0,4 Prozent pro Jahr. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) belegt das.
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Noch deutlicher wird der Widerspruch bei den Investitionen. Laut UBS-Bericht vom Juni 2026 stehen weltweit 725 Milliarden Euro Investitionen in KI-Infrastruktur Einnahmen von gerade einmal 80 bis 150 Milliarden Euro gegenüber. Und das MIT fand heraus: 95 Prozent aller KI-Pilotprojekte haben bisher keine messbare Rendite erzielt.
Trotzdem planen Großunternehmen wie Siemens, ihre Produktivität in drei Jahren um 20 Prozent zu steigern. Gartner prognostiziert zudem: Ab 2028 könnten täglich 150.000 Arbeitsplätze durch Technologie neu definiert werden.
Die innere Uhr tickt anders
Neben Technik rücken biologische Faktoren in den Fokus. Der Chronobiologe Till Roenneberg zeigt: Die Leistungsfähigkeit hängt stark vom biologischen Rhythmus ab. „Social Jetlag“ – die Kluft zwischen innerer Uhr und Arbeitszeit – schadet Gesundheit und Produktivität.
Die Expertin Camilla Kring empfiehlt flexiblere Kernarbeitszeiten. Ideal: das Fenster zwischen 10 und 15 Uhr. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Klinik Wartenberg passte Arbeitszeiten an Chronotypen an. Ergebnis: Die Müdigkeit sank um 72 Prozent, die Krankheitstage um 48 Prozent.
Pflicht zur Zeiterfassung kommt
Auch rechtlich tut sich was. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat bereits am 13. September 2022 eine grundsätzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung festgestellt. BAG-Präsidentin Inken Gallner betonte die unmittelbare Geltung.
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Für 2026 wird eine gesetzliche Neuregelung erwartet. Sie soll die Details der digitalen Zeiterfassung konkretisieren. Diskutiert wird ein Übergang von täglicher zu wöchentlicher Höchstarbeitszeit. Ausnahmen für Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern sind im Gespräch.
Die Botschaft ist klar: Mehr Effizienz kommt nicht durch mehr Arbeit. Sondern durch bessere Technik, passende Arbeitszeiten und den Fokus auf Ergebnisse statt Aufgaben.
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