KI in Banken: 65% der Institute nutzen künstliche Intelligenz
13.06.2026 - 03:00:51 | boerse-global.de
Die Finanzbranche erlebt einen radikalen Wandel: Immer mehr Geldhäuser setzen auf künstliche Intelligenz, die eigenständig Entscheidungen trifft. Eine neue Studie von NVIDIA zeigt: 65 Prozent der Finanzinstitute nutzen bereits aktiv KI – ein deutlicher Sprung von 45 Prozent im Vorjahr.
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Agentische KI auf dem Vormarsch
Besonders spannend: 42 Prozent der Banken und Versicherungen beschäftigen sich derzeit mit sogenannter „agentischer KI". Dabei handelt es sich um Systeme, die eigenständig Arbeitsabläufe steuern und Entscheidungen treffen können. 21 Prozent der Institute haben solche digitalen Assistenten bereits im Einsatz. Die Zahlen stammen aus der am 11. Juni veröffentlichten Studie „State of AI in Financial Services".
Der Grund für den Boom liegt auf der Hand: 89 Prozent der befragten Unternehmen berichten von höheren Einnahmen oder gesunkenen Kosten durch den KI-Einsatz. Die Technologie rechnet sich offenbar schneller als viele erwartet hatten.
Nubank setzt auf eigenes KI-Modell
Der brasilianische Digitalbanken-Riese Nubank hat am 11. Juni seine umfassende KI-Strategie vorgestellt. Kernstück ist „nuFormer" – ein selbstlernendes Basismodell, das die Kreditvergabe in Brasilien, Mexiko und Kolumbien verbessern soll. Gleichzeitig bringt Nubank einen „AI Private Banker" auf den Markt, der über 15 Millionen aktiven Nutzern bei der Finanzorganisation hilft.
Die Strategie hat ein klares Ziel: Nubank will den Abstand zu traditionellen Banken schließen. Während etablierte Institute rund 40 US-Dollar pro aktivem Kunden verdienen, liegt Nubank bei etwa 16 Dollar. Mit 135 Millionen Kunden und einer Aktivitätsrate von 83 Prozent hat das Unternehmen aber enormes Potenzial. Der KI-Vorstoß folgt auf die Übernahme des KI-Spezialisten Hyperplane im Jahr 2024.
Westpac: Digitale Kanäle 65 Prozent günstiger
Auch die australische Westpac Bank zieht nach. Am 12. Juni kündigte das Institut an, KI in seine Kernprozesse zu integrieren. Ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 sollen die neuen Funktionen in der Mobile-Banking-App und im Online-Banking verfügbar sein.
Die Kalkulation ist eindeutig: Die Kosten für die Kundenbetreuung über digitale Kanäle liegen 65 Prozent niedriger als bei traditionellen Methoden. Ein einfacher Verkaufsabschluss kostet in der Filiale 500 Dollar, im Callcenter 200 Dollar – in der Mobile-App nahezu null. Westpac setzt dabei auf seine „Intelligence Layer"-Plattform, die seit November 2025 auf Basis von Snowflake und Azure läuft und Echtzeit-Signale für personalisierte KI-Assistenten liefert.
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Regulierer fordern „Know Your Agent"
Die Entwicklung bleibt nicht unbemerkt. Die britische Finanzaufsicht FCA rief die Banken am 11. Juni auf, sich auf „Know Your Agent"-Protokolle vorzubereiten. Der Grund: Immer öfter könnten KI-Systeme Zahlungen und Finanzentscheidungen im Auftrag von Verbrauchern abwickeln. Die Behörde betont, dass Vertrauen, Zustimmung und Verantwortlichkeit neu definiert werden müssen.
Erste Erfolgsmeldungen gibt es bereits. Die Unternehmen Alorica und Domu berichten von einem 30-tägigen Test mit einer KI namens „Rebecca" im Schuldenmanagement. Der virtuelle Agent bearbeitete über 2.500 Anrufe auf Englisch und Spanisch, löste 48 Prozent der Anfragen ohne menschliches Eingreifen und half bei der Eintreibung von rund 100.000 Dollar.
Digitalbanken erobern neue Märkte
International gewinnt das Digital-Banking weiter an Fahrt. In Ägypten hat die Zentralbank die MDI-Tochter der Banque Misr als „onebank" genehmigt – die erste rein digitale Bank des Landes, die noch 2026 starten soll. Das Institut hat sein Kapital auf 5,5 Milliarden Ägyptische Pfund aufgestockt. Der Markt ist riesig: 63 Prozent der Bevölkerung haben bisher kein Bankkonto.
In Vietnam wurde TNEX bereits zum vierten Mal in Folge als beste Digitalbank des Jahres ausgezeichnet. Das Institut ohne Filialen steigerte seine Bilanzsumme 2025 um 84 Prozent, die Kernprodukt-Einnahmen versiebenfachten sich.
In Europa treibt BoursoBank, eine Tochter der Société Générale, die Echtzeit-Zahlungen voran. Das Institut will bis Ende 2026 die europäische Lösung Wero integrieren, die Überweisungen per Handynummer ermöglicht. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten launchte Emirates NBD einen digitalen „Rewards Hub", der Reise-, Shopping- und Lifestyle-Angebote direkt in die Banking-App bringt – für über eine Million aktive Nutzer.
