KI-Gutachten, Gericht

KI-Gutachten vor Gericht: Expert nutzte ChatGPT für 90% des Berichts

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sachverständiger nutzte ChatGPT für 90% des 3M-Verteidigungsberichts. Gericht prüft nun die Zulässigkeit des Dokuments im Explosionsprozess.

3M-Prozess: KI-generiertes Gutachten mit manipulativen Prompts belastet Verteidigung
Ein Gerichtssaal mit Anwaltsunterlagen auf einem Tisch im Vordergrund und unscharfen Juristen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einem laufenden Rechtsstreit um eine verheerende Explosion in den USA sorgt der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Erstellung von Beweismitteln für Aufsehen. Der Sachverständige Josh Autenrieth vom Ingenieurbüro Knighthawk Engineering hat eingeräumt, weite Teile eines Verteidigungsberichts für den US-Konzern 3M mithilfe von ChatGPT verfasst zu haben.

Die zur Erstellung des Dokuments genutzten digitalen Eingabebefehle, sogenannte Prompts, wurden im Rahmen der juristischen Auseinandersetzung nun formal vor Gericht präsentiert.

Der Fall bezieht sich auf die juristische Aufarbeitung der Explosion bei Watson Grinding in Houston, die sich im Jahr 2020 ereignete. Bei dem Unglück kamen drei Menschen ums Leben, während etwa 200 Wohnhäuser in der Umgebung zerstört oder beschädigt wurden.

Im Kern der Verhandlungen steht die Klärung der Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen, wobei der nun in die Kritik geratene Bericht eine wesentliche Rolle für die Verteidigungsstrategie von 3M spielen sollte.

Hoher Automatisierungsgrad und gezielte Vorgaben

Wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht, nutzte Autenrieth das KI-Modell ChatGPT für bis zu 90 % der Inhalte des Berichts. Besonders bemerkenswert ist dabei die Zielrichtung der verwendeten Prompts.

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Den Berichten zufolge forderten die Eingaben die künstliche Intelligenz explizit dazu auf, eine Haftung von 3M mit 0 % darzustellen. Die Software wurde somit gezielt angewiesen, Argumentationsketten zu generieren, die den Konzern vollständig von einer Mitschuld an der Katastrophe in Houston entlasten.

Die Offenlegung dieser Vorgehensweise wirft Fragen zur wissenschaftlichen Integrität und Unabhängigkeit des Gutachtens auf. Während Sachverständige üblicherweise für eine neutrale und faktenbasierte Bewertung technischer Zusammenhänge bestellt werden, deutet die dokumentierte Nutzung der Prompts auf eine voreingenommene Erstellung des Dokuments hin, bei der das Ergebnis bereits durch die Fragestellung an die KI vorweggenommen wurde.

Honorarforderungen trotz KI-Nutzung

Ein weiterer Aspekt, der im Rahmen der gerichtlichen Prüfung thematisiert wurde, ist die finanzielle Abrechnung der erbrachten Leistung. Trotz des hohen Grades an Automatisierung durch die generative KI stellte der Sachverständige für den Bericht eine Summe von 90.000 US-Dollar in Rechnung. Dieser Betrag ergibt sich aus einem Stundensatz von 475 US-Dollar, den Autenrieth für seine Tätigkeit veranschlagte.

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In der Branche löst der Vorfall Diskussionen über die zulässigen Grenzen beim Einsatz von KI-Werkzeugen in der Erstellung gerichtlicher Gutachten aus. Experten beobachten zunehmend, dass die Grenze zwischen technischer Unterstützung und der Delegation der eigentlichen Expertenleistung verschwimmt.

Die formale Präsentation der Prompts vor Gericht markiert einen wichtigen Präzedenzfall für die Transparenzpflichten von Gutachtern bei der Nutzung moderner Textgenerierungstools.

Der Rechtsstreit um die Folgen der Explosion von 2020 dauert an. Die Bewertung des mit KI-Hilfe erstellten Berichts durch das Gericht könnte entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf des Verfahrens und die Anerkennung von Autenrieths Expertise haben. Ob das Dokument weiterhin als zulässiges Beweismittel gewertet wird oder aufgrund der manipulativen Anweisungen an die KI verworfen wird, bleibt abzuwarten.

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