KI-Einsatz, Akademiker

KI-Einsatz: Jedes fünfte Unternehmen hält Akademiker für verzichtbar

13.06.2026 - 08:51:45 | boerse-global.de

Ifo-Umfrage zeigt: 19,2% der KI-nutzenden Firmen können Akademiker durch Nicht-Akademiker ersetzen. Einzelhandel besonders betroffen.

KI-Studie: Jeder fünfte Betrieb sieht Hochschulabsolventen als verzichtbar an
KI-Einsatz - An abstract image showing glowing neural network lines connecting to human hands interacting with a holographic interface, with a subtle Frankfurt skyline in the background, symbolizing AI's impact on the German workforce. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Fast jedes fünfte Unternehmen in Deutschland, das künstliche Intelligenz nutzt, hält Hochschulabsolventen für verzichtbar. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts.

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KI ersetzt den Uni-Abschluss

Die im Mai 2026 durchgeführte Befragung von rund 3.000 Unternehmen zeigt einen tiefgreifenden Wandel: 19,2 Prozent der KI-anwendenden Firmen geben an, dass sie akademische Fachkräfte problemlos durch Nicht-Akademiker ersetzen können – vorausgesetzt, diese arbeiten mit KI-Tools. Weitere 15 Prozent der Unternehmen berichten, dass KI den Austausch erfahrener Mitarbeiter durch weniger qualifiziertes Personal ermöglicht.

Ifo-Forscherin Anna Ruffert erklärt den Trend: „KI übernimmt zunehmend kognitive Aufgaben der Wissensarbeit. Formale Qualifikationen und Berufserfahrung werden dadurch teilweise entbehrlich." Besonders stark zeigt sich dieser Effekt im Einzelhandel: 28,6 Prozent der dortigen Firmen sehen die Möglichkeit, Akademiker durch KI-gestützte Kräfte zu ersetzen.

Doch die Mehrheit bleibt skeptisch: 55,4 Prozent der befragten Unternehmen halten es weiterhin für schwierig oder unmöglich, hochqualifizierte Mitarbeiter durch KI zu ersetzen. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie legt zudem nahe, dass jedes zweite deutsche Unternehmen Stellenabbau als mögliche Konsequenz des KI-Einsatzes betrachtet. Betroffen wären vor allem standardisierte Prozesse, Datenverarbeitung und Verwaltungstätigkeiten.

Frankfurt wird zum KI-Rechenzentren-Hotspot

Während sich die Arbeitswelt verändert, wächst auch die digitale Infrastruktur rasant. Das Bauunternehmen Exyte gab am 11. Juni 2026 bekannt, drei große KI-Rechenzentrumsprojekte in der Region Frankfurt an Land gezogen zu haben.

Die Aufträge internationaler Hyperscaler und Technologiekonzerne haben ein Gesamtvolumen von knapp 750 Millionen Euro für das laufende Jahr. Die Anlagen sollen eine kombinierte IT-Last von rund 80 Megawatt stemmen und bis 2028 fertiggestellt werden. Etwa 400 Arbeitsplätze entstehen dadurch in Deutschland – 150 interne Stellen bei Exyte und 250 externe Positionen.

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Branchenexperten sehen Frankfurt als aufstrebendes europäisches Zentrum für KI-spezifische Rechenzentren. Siemens-Energy-CEO Christian Bruch warnt jedoch: Deutschland drohe den Anschluss zu verlieren – wegen lokaler Widerstände und bürokratischer Hürden. Aktuell beträgt die nationale Rechenzentrumskapazität rund drei Gigawatt, davon nur 500 Megawatt für KI. Geplant ist ein Ausbau auf sechs Gigawatt, darunter zwei Gigawatt für KI. Ob dies gelingt, ist fraglich: Bürgerinitiativen blockieren immer wieder Projekte.

Produktivität: Große Kluft zwischen KI-Pionieren und dem Rest

Trotz des Infrastrukturbooms tun sich deutsche Unternehmen schwer, KI-Potenzial in messbares Wachstum umzumünzen. Eine McKinsey-Analyse von 16.200 deutschen Firmen für den Zeitraum 2019 bis 2023 zeigt: Nur rund 30 Unternehmen waren für fast die Hälfte des gesamten Produktivitätswachstums durch KI verantwortlich. Rund 90 Prozent aller KI-Projekte stecken bis heute in der Pilotphase.

Der Druck zur Umsetzung hat zudem die Prioritäten verschoben. Eine Umfrage von Veeam unter 250 deutschen IT-Entscheidern ergab: 82 Prozent stellen die Geschwindigkeit der KI-Einführung über die Datensouveränität – obwohl 94 Prozent der Befragten angeben, das Konzept der Datenkontrolle zu kennen. Immerhin 42 Prozent der Führungskräfte sehen Datensouveränität als Wachstumshebel. Doch die unmittelbare Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit dominiert.

Die Zahlen untermauern den Handlungsdruck: Theoretisch ließen sich 59 Prozent der aktuellen Arbeitsstunden in Deutschland automatisieren. Die Frage ist nicht mehr, ob die Transformation kommt – sondern wer sie gestaltet.

de | wissenschaft | 69532308 |