KI-Börsenrennen: OpenAI und Anthropic starten Börsengang im Juni
12.06.2026 - 11:37:15 | boerse-global.de
OpenAI und Anthropic wollen an die Börse – und das zeitgleich. Die beiden führenden KI-Entwickler haben im Juni 2026 vertrauliche Börsenanträge eingereicht. Ein Wettlauf auf die öffentlichen Märkte hat begonnen.
Anthropic startete den Prozess am 1. Juni, OpenAI folgte eine Woche später. Branchenbeobachter rechnen mit einem Börsendebüt von OpenAI bereits im September 2026 – bei einer angestrebten Bewertung von rund einer Billion Euro. Das Rennen um das Kapital der Anleger ist eröffnet.
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Milliarden-Bewertungen und Streit um Zahlen
Der private Markt hat bereits vorgelegt. Anthropic schloss am 28. Mai eine Series-H-Finanzierungsrunde ab: 65 Milliarden Euro eingesammelt, die Bewertung kletterte auf rund 965 Milliarden Euro. Damit liegt der Konkurrent vor OpenAI, dessen letzte private Bewertung aus dem März 2026 bei 852 Milliarden Euro lag.
Doch die Zahlen sind umstritten. OpenAI wirft dem Rivalen vor, seine Umsätze durch Bruttobuchungsmethoden künstlich aufzublähen. Intern gibt es offenbar ebenfalls Spannungen: CEO Sam Altman und CFO Sarah Friar sollen sich über den Zeitpunkt des Börsengangs uneinig gewesen sein.
Preiskampf und neue Modelle
Der Schlagabtausch beschränkt sich nicht auf Finanzierungsrunden. Am 11. Juni wurden Berichte bekannt, wonach OpenAI deutliche Preissenkungen für Tokens seines GPT-5.5-Modells erwägt. Ziel: Kunden von Anthropic abwerben und verärgerte Unternehmenskunden besänftigen, die unter den hohen Kosten ächzen.
Der Leidensdruck ist real. Der Fahrdienstvermittler Uber hatte bereits im April sein Jahresbudget für KI-gestützte Codeentwicklung aufgebraucht – ein Warnsignal für die gesamte Branche.
Technologisch liefern sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen. OpenAI brachte GPT-5.5 Ende April an den Start, Anthropic konterte am 9. Juni mit Claude Fable 5. Um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, strich OpenAI im März sein Videotool Sora. Das Enterprise-Geschäft macht inzwischen rund 40 Prozent des Umsatzes aus.
Warnungen vor der eigenen Technologie
Paradox: Beide Unternehmen warnen öffentlich vor den Risiken ihrer eigenen KI-Modelle – während sie gleichzeitig aufs Tempo drücken. Anthropic forderte Anfang Juni eine koordinierte Pause bei der Entwicklung fortsrittlicher Systeme, aus Sorge vor rekursiver Selbstverbesserung. OpenAI schlug eine internationale Organisation zur Risikominimierung vor, die nach Einschätzung des Unternehmens bis März 2028 dringend nötig sein könnte.
Kritiker sehen darin vor allem eines: strategische Positionierung vor dem Börsengang. Die Warnungen kommen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – oder zum klügsten, je nach Perspektive.
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Der persönliche Groll der KI-Chefs
Die Rivalität zwischen Sam Altman und Anthropic-CEO Dario Amodei treibt die Branche seit Jahren an. Amodei verließ OpenAI Ende 2020 – im Streit. Die Spannungen sind bis heute spürbar. Noch im Februar 2026 weigerten sich die beiden CEOs angeblich, sich bei einem Gipfeltreffen in Indien die Hand zu geben.
Der Druck hat schon einmal Geschichte geschrieben: Als OpenAI Ende 2022 von Anthropics internen Chatbot-Projekten erfuhr, entwickelte das Team in nur zwei Wochen ChatGPT – die Veröffentlichung am 30. November 2022 veränderte die Welt.
Aktuell hat OpenAI mit über einer Milliarde monatlichen Nutzern die Nase vorn. Doch Anthropics Werkzeuge wie Claude Code haben den Abstand deutlich verringert. Der Börsengang wird zeigen, wer das Rennen wirklich gewinnt.
