KI-Begleiter, Senioren

KI-Begleiter für Senioren: SUTD-Studie enthüllt Menschlichkeits-Paradoxon

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine SUTD-Studie zeigt: Senioren nutzen KI eher bei praktischer Hilfe, während zu menschlich wirkende Chatbots Skepsis auslösen können.

KI-Begleiter im Alter: Menschlichkeit senkt offenbar die Akzeptanz
Ein sonnendurchflutetes, gemütliches Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel und einem Blick in einen ruhigen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Die Akzeptanz von künstlicher Intelligenz (KI) als sozialer Begleiter für ältere Menschen hängt maßgeblich von der Balance zwischen Funktionalität und wahrgenommener Menschlichkeit ab.

Eine Untersuchung der Singapore University of Technology and Design (SUTD) mit 140 Senioren im Alter zwischen 60 und 89 Jahren liefert neue Erkenntnisse darüber, welche Faktoren die Nutzungsabsicht digitaler Begleiter beeinflussen. Im Zentrum der Studie stand der Chatbot Ami Chat, der im Zuge der Weiterentwicklung in Ami-Go umbenannt wurde.

Faktoren der Nutzungsabsicht und das Menschlichkeits-Paradoxon

Die Forscher der SUTD stellten fest, dass klassische Akzeptanzfaktoren, die im Senior Technology Acceptance Model (STAM) zusammengefasst werden, etwa 26 % der Nutzungsabsicht erklärten. Weitere 27 % der Motivation ließen sich auf sozio-relationale Faktoren zurückführen.

Ein überraschendes Ergebnis der Untersuchung war jedoch die Wirkung der wahrgenommenen Menschlichkeit der KI: Eine höhere Ausprägung menschlicher Züge führte bei den befragten Senioren zu einer sinkenden Nutzungsabsicht. Dies deutet darauf hin, dass eine zu starke Vermenschlichung von Chatbots in dieser Altersgruppe eher Skepsis hervorruft, während die soziale Bindungsebene dennoch eine tragende Rolle spielt.

Wachsender Trend zur emotionalen Nutzung von KI

Dass KI-Systeme zunehmend für soziale und emotionale Interaktionen genutzt werden, belegen auch großflächige Umfragen aus dem Frühjahr 2026. Eine Erhebung der Elon University unter 4.268 Internetnutzern in den USA ergab, dass bereits 27 % der Erwachsenen KI für persönliche oder emotionale Fragestellungen einsetzen.

Unter den rund 1.000 befragten Nutzern von KI-Begleitern gaben 31 % an, den Bot als Freund zu betrachten. 59 % der Anwender erhalten durch die Interaktion emotionale Unterstützung, und etwa 39 % teilen demnach Informationen mit der KI, die sie anderen Menschen nicht anvertrauen würden.

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Besonders bei Stress oder Verärgerung gaben 50 % der Befragten an, sich nach dem Austausch mit einem Chatbot besser zu fühlen. Ein kleinerer Anteil von 11 % der Nutzer gab sogar an, die Interaktion mit der KI gegenüber dem Kontakt zu Freunden oder der Familie zu bevorzugen.

Ähnliche Tendenzen zeigen sich in anderen Regionen: In Europa gaben im Mai 2026 rund 51 % der befragten Jugendlichen an, den Austausch mit einer KI als einfacher zu empfinden als das Gespräch mit einem Therapeuten.

Technologische Innovationen auf der IFA 2026

Parallel zu diesen Forschungs- und Umfrageergebnissen präsentiert die Industrie auf der IFA 2026 in Berlin neue Hardware-Lösungen, die speziell auf die Begleitung von Menschen ausgerichtet sind. Das Unternehmen Mind With Heart Robotics stellte den AnAn-Panda-Roboter vor, der mit einem CES 2026 Innovation Award im Bereich KI ausgezeichnet wurde.

Für den europäischen Marktstart in Deutschland und Belgien wurden zunächst 100 Einheiten produziert, wobei der Preis zwischen 1.000 und 1.500 US-Dollar liegt. Das Unternehmen, das über 18 erteilte Patente verfügt, plant zudem eine B2B-Version mit Analyse-Dashboards.

Auch andere Hersteller nutzen die Messe für Produktvorstellungen. Ollobot zeigt mit dem OlloNi SS1 einen Companion-Roboter, der Familienmitglieder und Haustiere erkennt sowie über ein spezielles Modul zur Speicherung emotionaler Interaktionen verfügt.

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Das Gerät wiegt 17 Kilogramm und bietet eine Akkulaufzeit von bis zu vier Stunden. Lingverse wiederum präsentiert mit iKairos einen modularen Begleiter, der wahlweise als Desktop-Roboter oder als Halskette getragen werden kann, um Kontextdaten für ein persönliches Betriebssystem zu erfassen.

Spezialisierte Dienste für die Altenpflege

Neben physischen Robotern etablieren sich spezialisierte Software-Dienste. Das Unternehmen CuidadIA aus Málaga bietet mit ANA einen Dienst an, der Senioren täglich auf dem Festnetz anruft. Eine 40-sekündige Sprachanalyse soll dabei den Zustand der Person erkennen und Risikomuster identifizieren, um Angehörige zu informieren.

In Japan kooperiert der LINE-Dienst Cocowa Touch der Firma TRIAS mit Städten wie Nishinomiya City für ein Monitoring-System. Bleibt eine Antwort auf die täglichen Gesundheits-Checks länger als 48 Stunden aus, wird ein Alarm ausgelöst. Die Kosten hierfür liegen bei 550 Yen pro Monat.

Für die professionelle und private Pflege wurde zudem die KI-Assistentin CARA von CaregiverCompanion.ai dauerhaft kostenlos zur Verfügung gestellt. Das System soll die geschätzt 63 Millionen Pflegenden in den USA unterstützen, von denen laut Erhebungen etwa zwei Drittel unter emotionalem Stress leiden.

In China setzen Anbieter wie UBTECH bereits auf Roboter, die Emotionen mit einer Genauigkeit von 90 % erkennen können, um den Bedarf der bis zum Jahr 2035 erwarteten 400 Millionen Menschen über 60 Jahren zu decken.

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