Kefir und Darmflora: Experiment zeigt Zunahme bestimmter Bakterien
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 01:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deFermentierte Lebensmittel wie Kefir stehen zunehmend im Mittelpunkt ernährungswissenschaftlicher Betrachtungen zur Darmgesundheit. Als traditionell hergestelltes Sauermilchprodukt kann Kefir im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung die Verdauung und das Mikrobiom unterstützen, wie Berichte und Untersuchungen Ende Oktober 2026 zusammenfassend darlegen. Der gesundheitliche Nutzen hängt dabei maßgeblich von den Herstellungsverfahren und den enthaltenen lebenden Mikroorganismen ab.
Mikrobiologische Grundlagen und Hemmwirkung gegen Erreger
Kefir entsteht traditionell durch die Fermentation von Milch mittels Kefirkörnern, die aus einer komplexen Gemeinschaft von Bakterien und Hefen bestehen. In der industriellen Fertigung kommen alternativ selektierte Milchsäurekulturen und Hefen zum Einsatz. Gemäß den Vorgaben des Codex Alimentarius muss typischer Kefir einen Eiweißgehalt von mindestens 2,7 % und einen Fettgehalt von weniger als 10 % aufweisen.
Forschungsergebnisse der Donskoi Staatlichen Agraruniversität beleuchten das Potenzial funktionell modifizierter Kefirprodukte. Eine Studie der Autorinnen Kontareva und Krjutschkova in der Fachzeitschrift Technika i technologija piš?evych proizvodstv (Band 47, Nummer 4, Seiten 54–59) untersuchte angereicherte Kefir-Bioprodukte mit Bifidobakterien (B. bifidum, B. longum, B. breve), dem Präbiotikum Laktulose sowie dem Immunglobulin „Laktoglobulin“.
Bei einer 24-stündigen gemeinsamen Inkubation bei 37 °C auf festen Nährmedien hemmten diese Erzeugnisse das Wachstum pathogenen Bakterienstämmen wie Salmonella typhimurium, Proteus mirabilis Nr. 878 (035), Escherichia coli 3912/41 und Shigella sonnei. Die stärkste Hemmwirkung beobachteten die Forscherinnen bei den Proben, die zusätzlich mit Laktulose und Laktoglobulin angereichert waren.
Einfluss auf das Mikrobiom und Einordnung im Vergleich zu Joghurt
Der Einfluss auf die menschliche Darmflora war bereits Gegenstand praktischer Untersuchungen. Ein von Dr. Michael Mosley für die BBC-Sendung „Trust Me, I'm a Doctor“ in Inverness in Zusammenarbeit mit NHS Highland durchgeführtes Experiment dokumentierte messbare Veränderungen im Mikrobiom, insbesondere eine Zunahme von Lactobacillales, die vor allem in der Kefir-Gruppe auftrat.
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Hinsichtlich des Körpergewichts zeigte eine 2016 im European Journal of Nutrition veröffentlichte Untersuchung der Medizinischen Universität Schiras (Fathi et al.) mit 75 übergewichtigen Frauen, dass Kefir im Rahmen einer milchreichen Ernährung zu einer ähnlichen Gewichtsabnahme führte wie herkömmliche Milch.
Je nach Herstellungsweise unterscheidet sich Kefir von anderen fermentierten Milcherzeugnissen. Während die Fermentationszeit bei der Zubereitung meist zwischen 12 und 48 Stunden – teils spezifisch 14 bis 18 Stunden – liegt, kann das Produkt bis zu dreimal mehr Mikroorganismen aufweisen als Standard-Joghurt.
Ernährungsexperten verweisen darauf, dass Kefir reich an Probiotika sowie Kalzium und Vitamin D ist, während griechischer Joghurt durch den Entzug von Molke einen höheren Proteingehalt und weniger Zucker besitzt.
Rolle in der Ernährung und Grenzen von Probiotika
Fermentierte Produkte sind jedoch nicht automatisch mit Probiotika gleichzusetzen. Probiotika sind per Definition lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge zugeführt werden müssen, um einen nachweisbaren gesundheitlichen Effekt zu entfalten. Zudem verringert der Fermentationsprozess den Laktosegehalt nur teilweise, weshalb die individuelle Verträglichkeit maßgeblich bleibt.
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Fachleute betonen, dass fermentierte Lebensmittel wie Kefir, Airan oder unpasteurisiertes Sauerkraut im Alltag eine sinnvolle Ergänzung zu einer ballaststoffreichen Ernährung mit Vollkorn, Gemüse und Obst darstellen. Eine dauerhafte, rein prophylaktische Einnahme pharmazeutischer Probiotika-Präparate ohne ärztliche Indikation sei hingegen meist nicht zielführend.
Medizinisch sinnvoll sei der Einsatz gezielter Präparate vor allem nach Antibiotikatherapien bei anhaltenden Darmbeschwerden, während sich die natürliche Mikroflora in vielen anderen Fällen von selbst regenerieren könne.
