Kaufsucht-Falle: 40.000 Euro Schulden durch Buy now, pay later
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Boom im Online-Handel bringt neue Risiken mit sich. Besonders junge Menschen tappen in die Schuldenfalle.
Die Gefahr von „Buy now, pay later“
Eine 26-jährige Creatorin namens Sinem häufte durch tägliches Online-Shopping Schulden von 40.000 Euro an. Sie nutzte dabei intensiv den Zahlungsdienstleister Klarna. Bisher konnte sie 16.000 Euro tilgen, 24.000 Euro stehen noch offen.
Experten warnen vor den Gefahren der Kaufsucht, die durch digitale Bezahlmethoden wie „Buy now, pay later“ (BNPL) verstärkt wird. Die Hemmschwelle für Ausgaben sinkt. Zudem lassen sich Kontosperrungen oft durch die Eröffnung neuer Nutzerkonten umgehen.
Die Zahlen der Budgetberatung Schweiz sind alarmierend: 7,8 Prozent der Gesamtbevölkerung zeigen Anzeichen von Kaufsucht. Besonders betroffen sind junge Frauen – bei ihnen liegt der Anteil bei 18,3 Prozent. Auch in Deutschland ist das Problem präsent: Laut SchuldenAtlas waren im vergangenen Jahr 6,95 Prozent der unter 30-Jährigen überschuldet.
Wiener Online-Handel wächst rasant
Am Beispiel Wien lässt sich das Wachstum des Sektors ablesen. 2025 stiegen die Online-Ausgaben in der österreichischen Hauptstadt um 17 Prozent auf einen Rekordwert von 2,3 Milliarden Euro. Der Anteil am Gesamtausgaben stieg von 10,4 auf 12 Prozent.
Der stationäre Handel hält sich aber weiterhin mit 88 Prozent der Ausgaben. Rund 46 Prozent der Wiener kaufen Bekleidung und Schuhe im Internet. Doch etwa 65 Prozent der Online-Ausgaben fließen ins Ausland ab – die regionale Wertschöpfung bleibt begrenzt.
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Um Retourenquoten zu senken und Bestellwerte zu steigern, setzen neue Akteure auf KI. Eine App, die Second-Hand-Alternativen vorschlägt, konnte nach Investitionen von 35 Millionen US-Dollar die Rücklaufquoten um 50 Prozent senken.
Neue Betrugsmaschen im E-Commerce
Mit dem Volumen des Online-Handels steigen auch die Betrugsfälle. Bei „Fake Fashion“ werden hochwertige Markenartikel bestellt und durch identisch aussehende Fälschungen ersetzt. Der Käufer erhält so den Kaufpreis für das Original zurück. Unternehmen prüfen Retouren zwar manuell, doch die Masche bleibt oft unentdeckt.
Das FBI warnt zudem vor Deepfake-Videos. Kriminelle täuschen Identitäten von Regierungsvertretern vor und locken Opfer auf gefälschte Webseiten. 85 Prozent aller Betrugsfälle entfallen auf Identitätsdiebstahl.
Viele Nutzer unterschätzen, wie leicht Kriminelle beim Online-Shopping sensible Daten ausspähen können – besonders auf dem Smartphone. Dieser Gratis-Report zeigt Ihnen fünf einfache Maßnahmen, mit denen Sie Ihr Gerät sofort effektiv gegen Hacker und Datenmissbrauch absichern. 5 Schutzmaßnahmen für Ihr Smartphone gratis sichern
Auf Plattformen wie Kleinanzeigen geraten Verkäufer ins Visier von Phishing-Attacken. Durch gefälschte Bankseiten werden sie zur Freigabe von Zahlungen bewegt. Im Einzelfall führte das zu Verlusten von fast 4.000 Euro.
Neobanken im Visier von Betrügern
Auch der Finanzsektor ist betroffen. Neobanken stehen verstärkt im Fokus von Kriminellen. Die Financial Intelligence Unit (FIU) verzeichnete 2025 insgesamt 108.158 Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Neobanken – ein massiver Anstieg gegenüber 34.357 Meldungen im Vorjahr. 29 Prozent aller Meldungen entfallen auf diesen Sektor.
Ein spektakulärer Fall von Online-Anlage-Betrug wird derzeit juristisch aufgearbeitet. Eine 61-jährige Schwedin wurde im März 2026 an deutsche Behörden ausgeliefert. Sie steht unter dem Vorwurf der Beihilfe zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug.
Eine Gruppe soll seit 2018 Plattformen für fiktive Finanzprodukte betrieben und über 12 Millionen Euro erbeutet haben. Allein 24 Geschädigte aus Deutschland zahlten rund 1,17 Millionen Euro ein – ohne jemals Auszahlungen zu erhalten. Die Angeklagte soll als Geschäftsführerin Konten verwaltet und hohe Provisionen kassiert haben. Das Landgericht Mannheim prüft derzeit die Zulassung der Anklage.
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