Kalziumtabletten, Studie

Kalziumtabletten: Neue Studie warnt Herzpatienten vor erhöhtem Risiko

18.05.2026 - 15:16:22 | boerse-global.de

Eine Hongkong-Studie zeigt: Isolierte Kalziumpräparate erhöhen bei Herzpatienten das Risiko für Infarkte um 21 Prozent.

Kalziumtabletten: Neue Studie warnt Herzpatienten vor erhöhtem Risiko - Foto: über boerse-global.de
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Zu diesem Schluss kommt eine groß angelegte Studie aus Hongkong, die im April 2026 im Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse zeigen: Wer bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet und isolierte Kalziumtabletten schluckt, erhöht sein Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich.

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21 Prozent mehr Risiko bei alleiniger Kalzium-Einnahme

Die Forscher um Xiaowen Zhang und Ching-Lung Cheung von der Universität Hongkong werteten die Daten von mehr als 17.700 Patienten über mehrere Jahre aus. Das Ergebnis ist alarmierend: In der Gruppe, die ausschließlich Kalzium einnahm, stieg das Risiko für einen zweiten Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine koronare Herzkrankheit um 21 Prozent.

Besonders betroffen waren Männer mit einem Anstieg von 15 Prozent, während das Risiko bei Frauen um 7 Prozent zunahm. Auch übergewichtige Patienten und jene, die frei verkäufliche Präparate ohne ärztliche Aufsicht nutzten, zeigten eine höhere Anfälligkeit für unerwünschte Ereignisse.

Vitamin D macht den entscheidenden Unterschied

Die gute Nachricht: Wer Kalzium zusammen mit Vitamin D einnimmt, muss kein erhöhtes Risiko fürchten. Die Forscher ermittelten für diese Kombination einen Risikowert von 0,97 – statistisch gesehen also keine Abweichung von der Normalbevölkerung.

Der Grund liegt in der biologischen Wirkungskette: Vitamin D steuert die Aufnahme von Kalzium im Darm und sorgt dafür, dass der Mineralstoff in die Knochen eingebaut wird – und nicht in den Arterien. Fehlt das Vitamin, können die schnellen Kalziumspitzen im Blut die Gefäßverkalkung beschleunigen.

Die Studienautoren sind sich einig: „Wenn Herzpatienten Kalzium benötigen, sollte dies almost immer mit Vitamin D kombiniert werden – es sei denn, es liegen medizinische Gründe dagegen vor."

Die Industrie sieht sich bestätigt – mit Einschränkungen

Die Veröffentlichung entfachte eine Debatte in der Fachwelt. Bereits im März 2026 hatte die CRN Foundation, ein Branchenverband der Nahrungsergänzungsmittelindustrie, eine Sicherheitsbewertung vorgelegt. Ihr Fazit: Für gesunde Menschen bestehe kein Risiko, solange die Obergrenze von 2.500 mg pro Tag eingehalten werde.

Andrea Wong, eine leitende Expertin der CRN, betonte: „Die Behauptung, Kalzium schade dem Herzen, wird von der Gesamtheit der wissenschaftlichen Evidenz nicht gestützt."

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Doch die Hongkonger Forscher halten dagegen: Ihre Studie habe sich gezielt auf Patienten mit bestehenden Herzerkrankungen konzentriert – eine Gruppe, die in breit angelegten Bevölkerungsstudien oft untergehe. Diese Patienten hätten bereits geschädigte Gefäße und reagierten empfindlicher auf die Kalziumspitzen aus Tabletten.

Das Kalzium-Paradoxon: Nahrung schützt, Tabletten schaden

Bereits eine Studie aus Juli 2024 in JACC Advances hatte das Phänomen untersucht. Die Langzeitdaten der Atherosclerosis Risk in Communities-Studie zeigten: Menschen mit der höchsten Kalziumaufnahme über die Nahrung hatten sogar weniger Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen.

Die Erklärung liegt im Tempo der Aufnahme. Kalzium aus Milchprodukten, grünem Gemüse oder angereicherten Lebensmitteln gelangt langsam und gleichmäßig ins Blut. Eine hochdosierte Tablette dagegen erzeugt einen schnellen Kalziumspiegel-Anstieg – und genau diese Spitzen sollen die Blutgerinnung beeinflussen und Plaqueablagerungen fördern.

Frühere Forschungen, darunter die Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA), hatten bereits gezeigt: Die Einnahme von Kalziumpräparaten erhöhte das Risiko für neue Arterienverkalkungen über zehn Jahre um 22 Prozent – obwohl eine hohe Gesamtkalziumaufnahme grundsätzlich schützend wirkte.

Ärzte stehen vor einem Dilemma

Besonders ältere Patienten geraten in eine Zwickmühle: Sie benötigen Kalzium für stabile Knochen und zur Vermeidung von Brüchen, gleichzeitig steigt mit dem Alter auch das Herz-Kreislauf-Risiko. Eine Analyse aus dem Jahr 2023 im Fachblatt Diabetes Care zeigte zudem: Bei Diabetikern war die regelmäßige Kalzium-Einnahme mit einem signifikant höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden – bei Nicht-Diabetikern fand sich dieser Zusammenhang nicht.

Die aktuellen Leitlinien der American Heart Association und der National Osteoporosis Foundation stufen Kalziumpräparate bislang als sicher ein, wenn sie die Lücke zwischen Nahrungsaufnahme und empfohlenen Tagesdosen schließen. Die neuen Daten aus 2026 könnten nun zu einer Überarbeitung führen – mit spezifischen Empfehlungen für Risikopatienten.

„Essen first" – der neue Trend in der Kardiologie

Die medizinische Fachwelt rückt zunehmend von der Tabletten-Lösung ab. Präventivkardiologen empfehlen, den täglichen Kalziumbedarf von 1.000 bis 1.200 Milligramm möglichst über die Nahrung zu decken: fettarme Milchprodukte, Nüsse, Samen sowie Grünkohl und Brokkoli.

Wer auf Supplemente angewiesen ist, sollte zu niedrig dosierten Präparaten greifen und diese über den Tag verteilt einnehmen – immer kombiniert mit Vitamin D. Künftige Forschung wird zeigen, ob zusätzlich Vitamin K2 helfen kann, Kalzium von den Arterien fernzuhalten und gezielt in die Knochen zu lenken.

Die Botschaft für Herzpatienten lautet derweil: Vorsicht, aber keine Panik. Niemand sollte verschriebene Präparate eigenmächtig absetzen. Ein Gespräch mit dem Arzt über die Notwendigkeit der Dosierung und die optimale Kombination mit Vitamin D ist jedoch dringend angeraten.

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