Kalzium, Vitamin

Kalzium plus Vitamin D: WHI-Studie zeigt 17 Prozent mehr Harnsteinrisiko

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien sehen für die meisten älteren Menschen wenig zusätzlichen Frakturschutz durch Kalzium- und Vitamin-D-Präparate; Risiken sind zu beachten.
Eine minimalistische, helle Küchenoberfläche aus Naturstein und Holz in natürlichem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Vorbeugung von Knochenbrüchen gewinnt bei älteren Menschen zunehmend an Bedeutung, da präventive Maßnahmen idealerweise vor dem Auftreten der ersten Fraktur einsetzen sollten.

Kalzium und Vitamin D gelten dabei seit Langem als zentrale Säulen der Knochengesundheit. Kalzium liefert die grundlegende Mineralstruktur des Skeletts, während Vitamin D den Knochenaufbau, den Knochenumbau und die Aufnahme von Kalzium im Körper unterstützt.

Gemeinsam eingenommen, könnten sich die positiven Effekte beider Nährstoffe verstärken. Allerdings verweisen Fachberichte und Studienanalysen darauf, dass der tatsächliche Zusatznutzen einer kombinierten Nahrungsergänzung differenziert betrachtet werden muss.

Differenzierte Studienlage zum Nutzen von Supplementen

In Maßen eingenommene Kalzium- und Vitamin-D-Präparate gelten für ältere Erwachsene im Allgemeinen als sicher. Forschende weisen jedoch darauf hin, dass der zusätzliche Nutzen einer kombinierten Einnahme zur Vorbeugung von Knochenbrüchen gering ausfallen könnte.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026, die Daten von über 153.000 Erwachsenen auswertete, ergab, dass Calcium- und Vitamin-D-Ergänzungen – sowohl einzeln als auch in Kombination – bei der Mehrheit älterer Menschen nur wenig bis keinen Nutzen zur Vorbeugung von Knochenbrüchen oder Stürzen bieten.

Eine Ausnahme stellen Personen dar, die an spezifischen Knochenerkrankungen leiden oder sich bereits in einer laufenden Osteoporose-Behandlung befinden.

Zudem deuten wissenschaftliche Erhebungen auf mögliche Risiken hin. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 stellte bei einer gemeinsamen Zufuhr beider Nährstoffe ein möglicherweise erhöhtes Schlaganfallrisiko fest, was nach Ansicht von Wissenschaftlern weiterer Forschung bedarf.

In der groß angelegten WHI-Studie mit 36.282 postmenopausalen Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren an 40 US-Zentren über einen durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von sieben Jahren führte die tägliche Einnahme von 1000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D3 in zwei Dosen zu einer Erhöhung des relativen Risikos für Harnsteine um 17% gegenüber Placebo (449 im Vergleich zu 381 Fällen). Dies entsprach einem absoluten Anstieg um etwa 0,4 Prozentpunkte von rund 2,1% auf 2,5%. Eine gesteigerte Calciumausscheidung im Urin begünstigt dabei die Bildung von Kristallen.

Empfehlungen zur Dosierung und Einnahmepraxis

Rund 98% des gesamten Körperkalziums befinden sich in den Knochen. Als sicherste Obergrenze für die Zufuhr aus Ernährung und Ergänzungsmitteln zusammen gelten 2.500 mg Kalzium täglich, während die optimale Aufnahme bei 500 mg oder weniger täglich liegt. Für Vitamin D liegt die tägliche Obergrenze aus Nahrung und Präparaten bei 100 Mikrogramm.

Fachleute empfehlen für ältere Menschen eine tägliche Kalziumzufuhr von 800 bis 1.200 mg, die vorzugsweise über Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Tofu und dunkelgrünes Gemüse gedeckt werden sollte; der verbleibende Bedarf kann über Tabletten ergänzt werden. Für Vitamin D werden 600 bis 800 IE pro Tag angeraten.

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Bei der Ernährung ist zu berücksichtigen, dass nach Schätzungen aus dem Jahr 2026 nur etwa 30% des Calciums in der weltweiten Nahrungskette bioverfügbar sind. So liefern Milchprodukte im Durchschnitt rund 78 mg bioverfügbares Calcium aus etwa 229 mg Gesamtcalcium je Portion.

Hinsichtlich der Darreichungsformen wirkt Calciumcarbonat am besten in Kombination mit Mahlzeiten, während Calciumcitrat flexibler verwendet werden kann. Höhere Dosen sollten über den Tag aufgeteilt werden.

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten wie Schilddrüsenhormonen oder bestimmten Antibiotika (Tetracycline, Fluorchinolone) ist ein zeitlicher Mindestabstand von zwei bis vier Stunden zu Calcium einzuhalten.

Um das Harnsteinrisiko individuell zu verringern, werden eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine normale Calciumaufnahme sowie eine Begrenzung von Salz und tierischem Protein empfohlen.

Ursachen von Knochenverlust und ganzheitliche Prävention

Die Knochendichte erreicht im Alter von etwa 30 Jahren ihren Höchstwert und nimmt in den Folgejahren kontinuierlich ab. Bei Frauen setzt der natürliche Knochenverlust ab etwa 35 Jahren ein und beschleunigt sich nach der Menopause. Neben dem Alter und den Wechseljahren zählen familiäre Vorbelastungen, Untergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie eine langfristige Therapie mit Steroiden zu den wesentlichen Risikofaktoren.

Da Osteoporose als systemische Skeletterkrankung ohne spezifische klinische Symptome verläuft, bleibt sie vor der ersten Fraktur oft unentdeckt. Mögliche Warnzeichen sind ein Verlust an Körpergröße von mehr als 3 cm, eine Krümmung des Rückens oder Brüche nach leichten Stürzen. Mehr als 90% der osteoporotischen Knochenbrüche im Alter werden durch Stürze verursacht.

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Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden raten daher zu einem ganzheitlichen Ansatz:
- Ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln wie Milch, Tofu, kleinen Fischen, schwarzem Sesam und dunkelgrünem Gemüse
- Reduzierung des Konsums von Cola, Kaffee, Tabak und Alkohol
- Gewichtsbelastungstraining wie Gehen, Joggen, Seilspringen oder moderates Krafttraining
- Täglich 15 bis 20 Minuten Sonnenlichtexposition zur Unterstützung der körpereigenen Vitamin-D3-Bildung
- Regelmäßige Knochendichtemessungen alle ein bis zwei Jahre für postmenopausale Frauen und Männer ab 65 Jahren

Liegt bereits eine mittelschwere bis schwere Osteoporose oder eine vorangegangene Fragilitätsfraktur vor, reicht eine reine Nährstoffsupplementierung in der Regel nicht aus. In solchen Fällen ist eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie erforderlich.

Zur Verbesserung der Früherkennung setzen einige Programme zudem auf Screening-Initiativen; so setzt beispielsweise das Gesundheitsamt der Stadt Tainan im Rahmen mobiler Gesundheitschecks eine KI-basierte Risikobewertung bei Thorax-Röntgenuntersuchungen ein, um Risikopersonen frühzeitig gezielten Knochendichtemessungen zuzuführen.

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