Kalifornien, Regeln

Kalifornien verschärft Regeln für autonome Fahrzeuge

06.05.2026 - 05:38:25 | boerse-global.de

Kalifornien führt Mängelanzeigen für fahrerlose Autos ein und erlaubt schwere autonome Lastwagen auf seinen Straßen.

Kalifornien verschärft Regeln für autonome Fahrzeuge - Foto: über boerse-global.de
Kalifornien verschärft Regeln für autonome Fahrzeuge - Foto: über boerse-global.de

Die US-Regulierungsbehörde DMV führt ein neues Strafverfahren für Robotaxis ein und öffnet die Straßen für schwere autonom fahrende Lastwagen.

Der Bundesstaat Kalifornien hat ein umfassendes Regelwerk für autonome Fahrzeuge (AV) verabschiedet. Ab dem 1. Juli 2026 können Polizeibeamte erstmals offizielle „Mängelanzeigen für autonome Fahrzeuge" ausstellen, wenn ein fahrerloses Auto gegen Verkehrsregeln verstößt. Gleichzeitig fällt ein jahrelanges Verbot für schwere autonom fahrende Lastwagen. Die Änderungen treten zu einem Zeitpunkt in Kraft, an dem die Branche vor einer massiven geografischen Expansion steht – die Unternehmen Waymo und Zoox haben bereits umfassendere Betriebsgenehmigungen erhalten.

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Neue Strafen für fahrerlose Verkehrssünder

Bislang standen Polizisten vor einem Problem: Wenn ein leeres Robotaxi durch eine rote Ampel fuhr oder falsch abbog, gab es niemanden, dem sie einen Strafzettel ausstellen konnten. Das ändert sich nun grundlegend. Die neuen Vorschriften verpflichten die Hersteller, innerhalb von 72 Stunden eine Kopie jeder Mängelanzeige an die DMV weiterzuleiten. Bei schwerwiegenden Vorfällen wie Unfällen verkürzt sich diese Frist auf 24 Stunden.

Die DMV hat klargestellt, dass wiederholte Verstöße oder das Versäumnis, Sicherheitsprobleme zu beheben, zur Einschränkung, Aussetzung oder sogar zum Entzug der Betriebserlaubnis führen können. Hintergrund sind mehrere öffentlichkeitswirksame Vorfälle der vergangenen Jahre – darunter ein Fall aus dem Jahr 2024, als ein Waymo-Fahrzeug in Phoenix auf eine Gegenfahrbahn geriet und die Polizei niemanden im Fahrzeug vorfand.

Die neuen Regeln schreiben zudem verbesserte Kommunikationsprotokolle mit Rettungskräften vor. AV-Unternehmen müssen Notrufleitungen bereitstellen, die innerhalb von 30 Sekunden beantwortet werden müssen. Die Fahrzeuge selbst benötigen manuelle Übersteuerungsmöglichkeiten und Zwei-Wege-Sprechanlagen, damit Einsatzkräfte direkt mit menschlichen Operateuren in Kontakt treten können.

Waymo und Zoox erobern neue Märkte

Die regulatorischen Änderungen fallen mit einer rasanten Expansion der führenden AV-Betreiber zusammen. Bereits Ende 2025 genehmigte die DMV eine massive Ausweitung des fahrerlosen Betriebsgebiets von Waymo. Das zur Alphabet-Gruppe gehörende Unternehmen darf nun im gesamten Großraum San Francisco, in der North Bay, der East Bay und bis zur Hauptstadt Sacramento testen und einsetzen.

In Südkalifornien erstreckt sich Waymos Genehmigung von Santa Clarita bis zur Grenze zu Mexiko bei San Diego. Unternehmensvertreter haben angekündigt, noch Mitte 2026 Fahrgäste in San Diego befördern zu wollen. Allerdings benötigt Waymo für die kommerzielle Beförderung in mehreren dieser neu genehmigten Gebiete noch die separate Zustimmung der California Public Utilities Commission (CPUC).

Auch der Amazon-Konzern Zoox hat bedeutende Fortschritte erzielt. Im August 2025 erteilte die CPUC eine Genehmigung für den fahrerlosen Einsatz – der Übergang von der Pilotphase zum kommerziellen Rollout in Teilen der Bay Area. Zoox' Genehmigung ist besonders bemerkenswert, da sie für ein speziell entwickeltes Robotaxi gilt: eine bidirektionale Kapsel ohne herkömmliche Bedienelemente wie Lenkrad oder Pedale.

Schwerlastverkehr ohne Fahrer

Ein zentraler Bestandteil der DMV-Ankündigung vom 30. April 2026 ist die Öffnung der kalifornischen Straßen für schwere autonom fahrende Nutzfahrzeuge. Bisher verbot der Bundesstaat den Betrieb von Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von mehr als 4.536 Kilogramm. Die neuen Vorschriften heben dieses Verbot auf und ermöglichen es Unternehmen, landesweit Genehmigungen für Tests und den Einsatz zu beantragen.

Die Zulassungsbedingungen sind streng: Hersteller müssen mindestens 800.000 Kilometer Testfahrten mit einem menschlichen Sicherheitsfahrer absolvieren, bevor sie einen Antrag auf vollständig fahrerlosen Einsatz stellen können. Zudem müssen die autonomen Lastwagen an den Kontrollstationen der California Highway Patrol anhalten und alle staatlichen sowie bundesstaatlichen Vorschriften für Nutzfahrzeuge einhalten.

Branchenvertreter begrüßen den Schritt. Autonome Lastwagen könnten langfristig die Transportkosten senken und die Lieferketten widerstandsfähiger machen. Die DMV betonte jedoch, dass die Einführung eng überwacht werde – die Hersteller müssten in jeder Phase des Genehmigungsprozesses die Sicherheit und Transparenz ihrer Technologie nachweisen.

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Sicherheitsbedenken prägen die neue Regulierung

Die aktuellen Vorschriften sind maßgeblich von Sicherheitsvorfällen aus den Jahren 2024 und 2025 beeinflusst. Im Mai 2025 rief Waymo 1.212 Fahrzeuge zurück, nachdem es zu einer Reihe von Kollisionen mit niedriger Geschwindigkeit mit stationären Objekten wie Toren und Ketten gekommen war. Diese Vorfälle, die sich zwischen Ende 2022 und 2024 ereigneten, lösten eine bundesstaatliche Untersuchung durch die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) aus. Waymo reagierte mit der Auslieferung seiner sechsten Softwaregeneration bis Dezember 2024.

Die Bundesbehörden haben auch gegen andere große Akteure ermittelt. Im Mai 2024 leitete die NHTSA Untersuchungen gegen Waymo und Zoox ein – nach Berichten über unberechenbares Fahrverhalten. Die Waymo-Untersuchung umfasste 22 Meldungen über Kollisionen mit parkenden Autos und stationären Objekten, während sich die Zoox-Untersuchung auf Fälle konzentrierte, in denen Fahrzeuge plötzlich bremsten und Auffahrunfälle mit Motorradfahrern verursachten.

Diese bundesstaatlichen Untersuchungen – zusammen mit der Aussetzung der Genehmigungen von General Motors' Cruise Ende 2023 nach einem Vorfall mit einem Fußgänger in San Francisco – haben die kalifornischen Regulierungsbehörden zu den nun umgesetzten strengeren Auflagen bewogen.

Ausblick: Reifeprüfung für die Branche

Der Übergang zu einem strukturierteren Genehmigungs- und Durchsetzungssystem signalisiert die zunehmende Reife der autonomen Fahrzeugindustrie in Kalifornien. Während die frühen Jahre von einem „Test-and-Learn"-Ansatz geprägt waren, stellen die Vorschriften von 2026 einen umfassenden Versuch dar, Robotaxis in das bestehende rechtliche und soziale Gefüge der Städte zu integrieren.

Nach der Ablehnung des Senate Bill 915 im Jahr 2024 – der den Städten und Landkreisen das Recht gegeben hätte, AVs zu besteuern und einzuschränken – bleibt die Entscheidungsgewalt bei den Landesbehörden DMV und CPUC. Die Einführung der Mängelanzeige für autonome Fahrzeuge dient als Kompromiss: Sie gibt der Polizei vor Ort die Werkzeuge zur Verkehrsüberwachung, ohne den einheitlichen Regulierungsrahmen des Bundesstaates zu untergraben. Wenn Unternehmen wie Waymo und Zoox in den kommenden Monaten in neue Märkte wie Sacramento und San Diego vordringen, wird der Erfolg dieser neuen Maßnahmen entscheiden, ob die Öffentlichkeit und die Politik die Expansion der Fahrerlos-Technologie weiter unterstützen.

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