Jugendstress: 49% unter Druck, 29% brauchen psychologische Hilfe
09.06.2026 - 04:45:03 | boerse-global.de
Fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland leidet unter Stress – und jeder Dritte braucht psychologische Hilfe. Schuld sind unter anderem KI-Ängste und die Sorge um den Job.
Pessimismus beim Berufseinstieg wächst
Nur noch 39 Prozent der Studierenden rechnen sicher mit einem schnellen Berufseinstieg. Das zeigt eine aktuelle EY-Umfrage unter mehr als 2.000 Studierenden vom März 2026. Der Wert ist im Vergleich zu 2024 um 15 Prozentpunkte eingebrochen.
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Während 49 Prozent zumindest optimistisch bleiben, ist der Anteil der Pessimisten auf 12 Prozent gestiegen. Die Folge: Jobsicherheit steht für 52 Prozent der Befragten an erster Stelle, erst dann kommen Gehalt (43 Prozent) und flexible Arbeitszeiten (41 Prozent).
Lutz Mania, Geschäftsführer des Jobcenters Berlin Mitte, bestätigt den Trend. Trotz Fachkräftemangels in Pflege, Handwerk und Gastronomie fallen in der Industrie monatlich rund 10.000 Stellen weg. Besonders junge Akademiker trifft es hart – eine Trendwende sei nicht in Sicht.
KI und Krisen belasten die Psyche
Die Studie „Jugend in Deutschland 2026“ liefert konkrete Zahlen zur psychischen Lage. Befragt wurden 2.000 Personen zwischen 14 und 29 Jahren. Ergebnis: 49 Prozent fühlen sich gestresst, 36 Prozent sind erschöpft. Rund 29 Prozent benötigen psychologische Unterstützung.
Hauptursachen? Die weltpolitische Lage, Wohnungsnot – und die Angst vor Künstlicher Intelligenz. Daten der Barmer aus Schleswig-Holstein zeigen: Bereits die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen nutzt regelmäßig KI. 21 Prozent blicken deswegen sorgenvoll auf ihre berufliche Zukunft.
Gleichzeitig holen sich vier von zehn Jugendlichen Rat bei gesundheitlichen Problemen von Chatbots – ein Zeichen dafür, dass niederschwellige Angebote gefragt sind.
Was gegen die Zukunftsangst hilft
Psychotherapeut René Träder rät: Scham ablegen und frühzeitig Hilfe suchen. Konkrete Strategien: Medienkonsum bewusst begrenzen – etwa auf 15 Minuten täglich –, soziale Kontakte pflegen und sich auf beeinflussbare Faktoren konzentrieren.
Wichtige Anlaufstellen für junge Erwachsene
- Krisenchat (krisenchat.de): Digitale Soforthilfe für Menschen bis 25 Jahre
- U25-Mailberatung (u25-deutschland.de): E-Mail-Support bei psychischen Problemen
- Telefonseelsorge: 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder 116 123
- Psychologische Beratungsstellen an Hochschulen
- Caritas und Diakonie: Kirchliche Anlaufstellen
- Angstambulanzen in Kliniken
- Hausarzt: Erste Vermittlung zu Fachstellen
Regionale Projekte setzen an
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Vor Ort entstehen neue Hilfsangebote. Im Landkreis Wolfenbüttel startete im April die Reihe „Multilog – Psychiatrischer Trialog“. Sie bringt Betroffene, Angehörige und Fachkräfte zusammen. Nächster Termin: 16. Juni im Stadtteiltreff „Ulme“.
Das Projekt „UNaRT“ der Prof. Dr. Eggers Stiftung verbindet kreative Arbeit mit therapeutischer Begleitung – speziell für junge Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung.
Und gegen die Jobangst? Die Ausbildungsbörse des Schlüsselregion e.V. am 13. Juni in Velbert bietet konkrete Hilfe. Rund 30 Unternehmen und drei Hochschulen informieren über Einstiegsmöglichkeiten. Ein kleiner Schritt – aber einer in die richtige Richtung.
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