Jüdische, Studierende

Jüdische Studierende: 54% fühlen sich in Deutschland unsicher

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Befragung an deutschen Hochschulen weist bei jüdischen Studierenden mehr Angst, Stress und Depressivität sowie große Sicherheitsbedenken aus.

Studie zeigt höhere psychische Belastung jüdischer Studierender
Leerer, ruhiger Lernraum in einer Bibliothek mit einfallendem Tageslicht und schlichten Holzmöbeln. Illustration mit AI erstellt.

Die mentale Gesundheit von Studierenden an deutschen Hochschulen steht zunehmend im Fokus wissenschaftlicher Erhebungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei spezifischen Belastungsfaktoren, denen Minderheiten im akademischen Umfeld ausgesetzt sind.

Eine gemeinsame Studie der Universität Regensburg und der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin unter der Leitung von Dr. Irina Jarvers liefert differenzierte Einblicke in die seelische Verfassung jüdischer Studierender in Deutschland und analysiert die auslösenden Faktoren für psychischen Stress.

Signifikante Unterschiede bei Angst, Stress und Depressivität

Grundlage der wissenschaftlichen Untersuchung war eine Online-Befragung, die im Zeitraum von Juni bis September 2024 durchgeführt wurde. An der Erhebung nahmen insgesamt 320 Studierende aus ganz Deutschland teil, von denen 151 jüdisch waren. Wie aus Berichten von Branchen- und Regionalmedien wie juraforum.de und regensburger-nachrichten.de vom 16. September 2026 hervorgeht, zeigten sich im Gruppenvergleich deutliche Unterschiede im Wohlbefinden.

Die Auswertung der Daten ergab, dass jüdische Studierende im Vergleich zu ihren nichtjüdischen Kommilitoninnen und Kommilitonen signifikant höhere Werte bei Angst, Depressivität und allgemeinem Stress aufwiesen. Gleichzeitig dokumentierten die Forschenden jedoch auch resiliente Merkmale: Beim gemessenen Selbstwertgefühl ließ sich zwischen den beiden Gruppen kein messbarer Unterschied feststellen.

Antisemitismus als dominierender Risikofaktor

Die Untersuchung identifizierte den wahrgenommenen Antisemitismus als den stärksten Risikofaktor für die psychische Belastung der betroffenen Studierenden. Die Furcht vor Anfeindungen und Vorurteilen spiegelt sich unmittelbar im subjektiven Sicherheitsempfinden wider.

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Die Studie der Universität Regensburg und der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin zeigt: Jüdische Studierende weisen deutlich höhere Angst-, Stress- und Depressivitätswerte auf, und 54,3 Prozent fühlen sich in Deutschland nicht oder eher nicht sicher. Für Beratungsstellen heißt das, genauer hinzuschauen und Unterstützung niedrigschwellig anzubieten. Unser kostenloser Leitfaden bündelt in fünf Schritten, wie Sie sichere Anlaufstellen aufbauen und Betroffene im Erstgespräch erreichen. Kostenlosen Leitfaden für Beratungsstellen anfordern

Den Studiendaten zufolge gaben 54,3 Prozent der jüdischen Studierenden an, sich in Deutschland nicht oder eher nicht sicher zu fühlen. Dagegen bezeichneten sich lediglich 5,3 Prozent der befragten jüdischen Teilnehmer als sehr sicher.

Ebenfalls erhoben wurde die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Klimas. Demnach wurde geschätzt, dass rund 46,5 Prozent der Bevölkerung negative Einstellungen gegenüber jüdischen Menschen hegen. Der wahrgenommene Druck auf jüdische Studierende speist sich somit nicht allein aus konkreten Vorfällen im universitären Alltag, sondern auch aus einer als feindselig empfundenen Grundstimmung im gesellschaftlichen Umfeld.

Auslöser und methodische Einordnung

Einen wesentlichen zeitlichen und inhaltlichen Bezugspunkt für die Entwicklung der Belastung bildeten die geopolitischen Ereignisse im Nahen Osten. Insgesamt 86,8 Prozent der Befragten führten den spürbaren Anstieg des Antisemitismus auf den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 zurück.

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Als stärkster Risikofaktor für die psychische Belastung jüdischer Studierender gilt der wahrgenommene Antisemitismus — nicht nur konkrete Vorfälle, sondern auch das empfundene gesellschaftliche Klima. Wer als Diversity-Beauftragte oder Beratungsstelle präventiv arbeiten will, braucht dafür ein strukturiertes Vorgehen statt Einzelmaßnahmen. Unsere Checkliste zur Antisemitismus-Prävention auf dem Campus führt Sie durch die wichtigsten Handlungsfelder. Checkliste Antisemitismus-Prävention Campus sichern

Dieses Ereignis markierte für die Mehrheit der Teilnehmenden eine Zäsur, die das Sicherheitsgefühl und die psychische Belastung im Hochschulalltag nachhaltig verschärfte.

Hinsichtlich der Aussagekraft der Untersuchung ordneten die beteiligten Institutionen die Ergebnisse methodisch ein. Die Universität Regensburg und die Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin hielten fest, dass die Repräsentativität der Resultate statistisch nicht prüfbar ist. Dennoch liefert die Erhebung ein empirisches Lagebild über die spezifischen Belastungsmuster und Sicherheitsbedenken jüdischer Studierender an deutschen Hochschulen.

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