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Jo-Jo-Effekt: Warum zwei Drittel nach Diäten mehr wiegen

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: Diäten führen oft zu Gewichtszunahme. Muskelaufbau und moderate Kaloriendefizite sind entscheidend, während Medikamente wie Ozempic Grenzen haben.

Jo-Jo-Effekt: Warum Diäten scheitern und Muskeltraining der Schlüssel ist
Eine digitale Küchenwaage steht neben einer Schale mit frischem Gemüse auf einer hölzernen Arbeitsplatte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die langfristige Gewichtsreduktion bleibt eine zentrale Herausforderung in der Gesundheitsprävention. Eine Untersuchung des NDR im Rahmen der Sendung „Visite“ thematisierte bereits im Frühjahr 2025 die Risiken des sogenannten Jo-Jo-Effekts. Dabei wurde deutlich, dass verlorene Kilos nach einer Diät häufig in noch größerem Umfang zurückkehren können.

Aktuelle Daten und Studien unterstreichen die Komplexität dieses Phänomens und zeigen die physiologischen Mechanismen auf, die einer dauerhaften Gewichtsabnahme entgegenstehen.

Physiologische Mechanismen und statistische Erfolgsaussichten

Nach Erkenntnissen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bleiben zahlreiche Diätansätze langfristig ohne den gewünschten Erfolg. Häufig übersteigt das Körpergewicht nach Beendigung der restriktiven Phase das Ausgangsniveau.

Eine Untersuchung der University of California, Los Angeles (UCLA) belegt diese Tendenz: Demnach nehmen die meisten Personen nach einer Diät wieder zu, wobei ein Drittel bis zwei Drittel der Betroffenen letztlich mehr wiegen als zuvor.

Die Ursachen hierfür sind primär physiologischer Natur. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) führt eine starke Energierestriktion zu einer Senkung des Grundumsatzes. Dieser Effekt wurde bereits in Veröffentlichungen aus dem Jahr 2018 detailliert beschrieben.

Parallel dazu sinkt die Muskelmasse, während das Hungergefühl ansteigt. Das IQWiG weist darauf hin, dass ein moderates Kaloriendefizit hingegen dazu beitragen kann, die Muskulatur zu schützen und das Risiko für den Jo-Jo-Effekt zu reduzieren.

Die Rolle der Muskelmasse und sportlicher Aktivität

Der Erhalt von Muskelgewebe gilt als entscheidender Faktor für eine nachhaltige Stoffwechselregulation. Daten von Heymsfield aus dem Jahr 2024 verdeutlichen die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Gewichtsverlust: Frauen verlieren demnach pro 10 Kilogramm Gewichtsabnahme etwa 1 bis 1,5 Kilogramm Muskulatur, während dieser Wert bei Männern zwischen 2 und 2,5 Kilogramm liegt.

Eine Meta-Analyse, die 114 Studien mit insgesamt 4.184 Teilnehmern auswertete, unterstreicht die Bedeutung von Krafttraining in Kombination mit einem Kaloriendefizit. In den untersuchten Fällen konnte ein Fettverlust von 5,3 Kilogramm sowie eine Reduktion des Körperfettanteils um 3,8 Prozent erzielt werden, während die Muskelmasse weitgehend erhalten blieb.

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Auch der Dermatologe und Longevity-Experte Dr. Felix Bertram betont die Relevanz einer protein- und ballaststoffreichen Ernährung sowie sportlicher Betätigung. Er empfiehlt ein moderates Abnehmtempo von maximal einem Prozent des Körpergewichts pro Woche.

Pharmazeutische Ansätze und ihre Grenzen

Angesichts einer Quote von 53 Prozent Übergewichtigen und 20 Prozent Adipösen in der deutschen Bevölkerung gewinnen pharmazeutische Lösungen an Bedeutung.

Besonders die Gruppe der GLP-1-Präparate verzeichnete zuletzt einen starken Anstieg. So stiegen die Verschreibungen von Ozempic bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 200.000 im Jahr 2020 auf 550.000 im Jahr 2025.

Trotz der Wirksamkeit weisen Experten auf Limitationen hin. Dr. Felix Bertram merkt an, dass Präparate wie Ozempic mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, während Alternativen wie Mounjaro kostenintensiv seien.

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Ein wesentlicher Kritikpunkt bleibt die Nachhaltigkeit: Nach dem Absetzen der Medikation kehre das Gewicht oft zurück. Zudem leiden laut Marktbeobachtungen mehr als 25 Prozent der Anwender unter Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Ernährungskonzepte und ergänzende Ansätze im Vergleich

In der Praxis zeigen verschiedene Ernährungsformen unterschiedliche Erfolgsquoten. Die sogenannte DELISH-Studie mit 360 Teilnehmern über einen Zeitraum von 24 Monaten verglich die mediterrane Ernährung mit kommerziellen Programmen. Während die mediterrane Kost zu einem Gewichtsverlust von rund 5 Kilogramm führte, erreichten Teilnehmer des kommerziellen Programms etwa 4 Kilogramm – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied.

Höhere Erfolgsraten wurden bei der 5:2-Methode beobachtet. Hier verloren 85,7 Prozent der Anwender mehr als 5 Prozent ihres Körpergewichts, verglichen mit 58,5 Prozent bei täglicher Kalorienbeschränkung. Einen Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent erzielten in der 5:2-Gruppe 45,2 Prozent der Teilnehmer (Vergleichsgruppe: 14,6 Prozent).

Neben Ernährung und Sport rücken auch psychologische und operative Aspekte in den Fokus. Die Autorin Sabrina Thaden behandelt in ihrem Ratgeber „Neues Leben, neues Ich“ neben Abnehmspritzen auch Adipositas-Operationen und die notwendigen Verhaltensänderungen sowie den Umgang mit gesellschaftlicher Stigmatisierung. Dies verdeutlicht, dass eine erfolgreiche Bekämpfung von Übergewicht, von dem in Deutschland zudem etwa 9 bis 11 Prozent der Bevölkerung durch Diabetes betroffen sind, einen multidisziplinären Ansatz erfordert.

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