Jo-Jo-Effekt, Muskeln

Jo-Jo-Effekt kostet Muskeln: 3,7% Muskelabbau in 4-Jahres-Studie

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: Radikaldiäten schaden Muskeln und Stoffwechsel. Intervallfasten könnte kognitive Vorteile bieten, während neue Abnehmpillen zugelassen werden.

Radikaldiäten im Fokus: Experten warnen vor Gesundheitsrisiken
Ein ausgewogener Teller mit frischem Gemüse, Proteinen und komplexen Kohlenhydraten auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Weltweit gelten 2,5 Milliarden Erwachsene als übergewichtig. Angesichts dieser Zahlen warnen Experten zunehmend vor radikalen Diätmethoden. Im Fokus: die physiologischen und kognitiven Folgen verschiedener Ernährungsstrategien.

Mahlzeiten auslassen: Ein gefährlicher Irrglaube

Viele setzen beim Abnehmen auf das Auslassen einzelner Mahlzeiten. Doch die Forschung zeigt: Entscheidend ist nicht der Verzicht, sondern die Gesamtkalorienzufuhr und Nährstoffzusammensetzung. Eine Untersuchung im Journal of Nutrition and Food Science belegt, dass unregelmäßiges Essen den Hungerstoffwechsel aktiviert – das begünstigt eine schnellere Gewichtszunahme nach Diätende.

Die Diätassistentin Gamze Ustaba? warnt vor weiteren Risiken: Ein-Mahlzeiten-Strategien führen oft zu Mangelerscheinungen bei Vitaminen und Mineralstoffen sowie zu Elektrolytstörungen. Bei chronisch Kranken können instabile Insulinspiegel den Zustand verschlechtern. Ihre Empfehlung: eine ausgewogene Mahlzeit zur Hälfte aus Gemüse, ergänzt durch Protein und komplexe Kohlenhydrate.

Der Jo-Jo-Effekt kostet Muskeln

Wiederholte Radikaldiäten hinterlassen Spuren – vor allem in der Körperzusammensetzung. Eine Langzeitstudie der University of California San Francisco beobachtete über vier Jahre 1.433 Erwachsene. Das Ergebnis: Teilnehmer mit ausgeprägtem Jo-Jo-Effekt verloren im Schnitt 3,7 Prozent ihrer Oberschenkelmuskulatur. Bei stabilem Gewicht waren es nur rund ein Prozent.

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Hauptautor Thomas Link betont: Verlorene Muskelmasse wird nach einer Diät oft nicht vollständig wieder aufgebaut. Dabei ist Muskelgewebe entscheidend für den Grundumsatz – ein Kilogramm verbrennt schätzungsweise 10 bis 20 Kilokalorien pro Tag. Wer also Muskelmasse verliert, erschwert sich künftige Abnehmversuche. Fachleute raten deshalb zu proteinreicher Ernährung in Kombination mit Sport.

Intervallfasten: Vorteile fürs Gehirn

Während unkontrolliertes Auslassen kritisch gesehen wird, liefert strukturiertes Intervallfasten positive Ergebnisse. Eine Studie der Rutgers University begleitete sechs Monate lang 47 übergewichtige Frauen zwischen 50 und 79 Jahren. Alle Probandinnen verloren durch Kalorienreduktion rund 15 Pfund – doch die Gruppe mit einem Essensfenster von 10 bis 18 Uhr schnitt bei kognitiven Tests deutlich besser ab.

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Die Frauen mit durchschnittlich 8,2 Stunden Essenszeit pro Tag zeigten Vorteile bei Gedächtnisleistung, Problemlösung und räumlichem Denken. Studienleiterin Sue Shapses sieht darin einen möglichen Ansatz zur Senkung des Demenzrisikos, das Frauen statistisch häufiger betrifft als Männer.

Medikamente und Trends: Hilfe mit Nebenwirkungen

Mitte Juli 2026 ließ die Europäische Kommission die erste GLP-1-Abnehmpille auf Basis von oralem Semaglutid zu. Die Phase-III-Studie OASIS 1 verzeichnete einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 15,1 Prozent über 68 Wochen. Doch Kardiologe Prof. Uwe Nixdorff warnt: Auch moderne Präparate führen ohne dauerhafte Lebensstiländerung zum Jo-Jo-Effekt.

Psychologen kritisieren zudem den Hype um High-Protein-Produkte. Gerade bei jüngeren Menschen könne der übermäßige Fokus Essstörungen fördern. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit verweist darauf, dass gesunde Erwachsene ihren Proteinbedarf von etwa 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht in der Regel ohne Zusatzpräparate decken. Neben natürlichen Ansätzen wie dem Blutzucker-Trick der Biochemikerin Jessie Inchauspé – zuerst Ballaststoffe, zuletzt Zucker – bleibt die Devise: nachhaltige Ernährung statt kurzfristiger Radikalkuren.

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