Demenz, Studien

Jede zweite Demenz ist vermeidbar – neue Studien zeigen wie

24.05.2026 - 13:30:14 | boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Jede zweite Demenzerkrankung ist durch Lebensstil und Früherkennung vermeidbar. Experten fordern multimodale Präventionsstrategien.

Jede zweite Demenz ist vermeidbar – neue Studien zeigen wie - Foto: über boerse-global.de
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000 Neuerkrankungen hinzu. Doch aktuelle Auswertungen der Lancet-Kommission und internationale Studien deuten auf eine ermutigende Nachricht hin: Ein erheblicher Teil dieser Fälle ließe sich durch gezielte Lebensstiländerungen und bessere Früherkennung vermeiden – oder zumindest verzögern. Mediziner Dietrich Grönemeyer betont: Jede zweite Demenzerkrankung sei prinzipiell vermeidbar.

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Rauchstopp senkt Risiko – aber Vorsicht vor Gewichtszunahme

Eine Langzeitstudie der Zhejiang University mit über 32.800 Teilnehmern zeigt: Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt sein Demenzrisiko um 16 Prozent. Der positive Effekt baut sich kontinuierlich auf – nach etwa sieben Jahren entspricht das Risiko dem von Nie-Rauchern.

Allerdings gibt es einen Haken: Wer im Zuge der Entwöhnung mehr als zehn Kilogramm zunimmt, verliert diesen Vorteil wieder. Bei moderater Gewichtszunahme von bis zu fümf Kilogramm bleibt die Risikosenkung stabil.

Blutarmut als unterschätzter Risikofaktor

Das Karolinska Institutet veröffentlichte im Frühjahr eine Studie in Jama Network, die einen Zusammenhang zwischen Blutarmut und Demenzrisiko aufzeigt. Über 16 Jahre wurden 2.282 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 72,2 Jahren begleitet.

Das Ergebnis: Niedrigere Hämoglobinwerte korrelieren mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen. Biomarker wie p-tau 217 und NfL spielen dabei eine zentrale Rolle bei der Identifizierung von Nervenzellschädigungen.

Kakao gegen Vergesslichkeit – Omega-3 mit Risiko

Die Kyushu University berichtet im Journal of Agricultural and Food Chemistry von positiven Effekten des Inhaltsstoffs Procyanidin C1 auf die kognitiven Fähigkeiten von Mäusen. Die Substanz steckt in Kakao, Zimt und Weintrauben.

Ganz anders sieht es bei Omega-3-Präparaten aus: Chinesische Forscher warnen im Journal of Prevention of Alzheimer's Disease vor deren unkritischem Einsatz. In einer fünfjährigen Studie mit rund 800 Teilnehmern zwischen 55 und 90 Jahren beobachteten sie, dass Omega-3-Kapseln den kognitiven Abbau unter bestimmten Umständen sogar beschleunigen können.

Besonders betroffen: Träger des APOE4-Gens, einem bekannten Alzheimer-Risikofaktor. Gehirnscans zeigten bei ihnen einen Rückgang des Glukose-Stoffwechsels.

Neue Immunzellen im Alzheimer-Gehirn entdeckt

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Augsburg und Leipzig sowie der Oregon Health and Science University machte eine überraschende Entdeckung. Im menschlichen Alzheimer-Gehirn fanden sie eine bislang unbekannte Population von Immunzellen.

Die Fachzeitschrift Nature Neuroscience berichtet im Mai über die Entdeckung. Mithilfe der CODEX-CNS-Methode konnten die Forscher mehr als 30 Proteine gleichzeitig visualisieren. Die neu entdeckten Mikrogliazellen finden sich nahezu ausschließlich in der unmittelbaren Nähe von Amyloid-?-Plaques – den charakteristischen Eiweißablagerungen bei Alzheimer.

Kopfbälle hinterlassen Spuren im Blut

Eine niederländische Studie in Jama Neurology untersuchte die Auswirkungen von Kopfbällen im Amateursport. Bei 302 Fußballern ließ sich bereits nach einem einzigen Kopfball ein Anstieg der Biomarker S100B und p-Tau217 im Blut nachweisen.

Frühere Daten deuten zudem darauf hin: Profifußballer haben ein um 50 Prozent erhöhtes Demenzrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Früherkennung: Segen und Fluch zugleich

Blut- und Nervenwassertests ermöglichen immer präzisere Frühdiagnosen. Medizinethiker sehen jedoch ein Problem: Eine frühzeitige Diagnose ohne entsprechende Therapieoptionen kann zu Stigmatisierung führen – und zu Problemen im Berufsleben oder beim Abschluss von Versicherungen.

Dennoch betonen Fachleute wie Grönemeyer: Wer seine individuellen Risiken kennt – etwa Hör- oder Sehverlust, Diabetes, Übergewicht oder unbehandelte Traumata – kann gezielt gegensteuern. Die Lancet-Kommission hat dafür 14 Kriterien identifiziert.

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Positive Einstellung schützt das Gehirn

Eine Yale-Studie mit über 11.000 Teilnehmern, die über bis zu zwölf Jahre lief, belegt die Bedeutung einer positiven Einstellung zum Älterwerden. Ein Drittel der Senioren konnte seine Denkleistung im Beobachtungszeitraum sogar steigern. Bei 4.000 Personen verbesserte sich zudem bei jedem Vierten die Gehgeschwindigkeit.

Auch kulturelle Aktivitäten wirken protektiv: Eine UCL-Studie mit 3.556 Erwachsenen ergab, dass bereits monatliche Besuche kultureller Veranstaltungen die epigenetischen Alterungsprozesse bremsen. Bei wöchentlicher Ausübung kreativer Hobbys verlangsamte sich die biologische Alterung um vier Prozent – vergleichbar mit den Effekten regelmäßigen Sports.

Stress killt das Gedächtnis – Atemübungen helfen

Hirnforscher warnen vor den negativen Auswirkungen akuten Stresses auf das Gedächtnis. Stress senkt die Aktivität im Hippocampus und erschwert die Reaktivierung und Integration von Informationen. Betroffene schnitten in Gedächtnisübungen signifikant schlechter ab.

Die Gegenmaßnahme ist einfach: Gezielte Atemübungen, insbesondere ein verlängertes Ausatmen, beruhigen das Nervensystem.

Was die Forschung für die Zukunft bedeutet

Die Forschungslandschaft zeigt einen deutlichen Trend weg von rein medikamentösen Ansätzen hin zu einer multimodalen Präventionsstrategie. Die 14 Risikofaktoren der Lancet-Kommission bilden das wissenschaftliche Fundament.

Künftige Entwicklungen dürften auf personalisierte Präventionspläne setzen, die genetische Voraussetzungen und individuelle Lebensumstände berücksichtigen. Die Entdeckung neuer Mikrogliazellen öffnet zudem Türen für zielgerichtete Immuntherapien.

Doch der Lebensstil bleibt das am schnellsten wirksame Instrument. Die Verbindung aus körperlicher Aktivität, sozialer Teilhabe und der Vermeidung neurotoxischer Einflüsse wie Feinstaub oder Tabakrauch gilt als zentraler Schlüssel für gesundes Altern.

Wissenschaftler und Ethiker müssen nun den Umgang mit immer präziseren Frühdiagnosen rechtlich und gesellschaftlich so rahmen, dass Betroffene unterstützt statt benachteiligt werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die theoretische Vermeidbarkeit jeder zweiten Demenz in eine reale Senkung der Fallzahlen übersetzen lässt.

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