Stunden, GrayKey

iPhone-Schutz nach 72 Stunden: GrayKey Preserve kann Neustarts umgehen

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 23:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Werkzeug von Magnet Forensics kann laut Berichten den entsperrten iPhone-Zustand nach Neustarts wiederherstellen und Apples Schutz schwächen.
Ein steriles, modernes forensisches Labor mit metallischen Arbeitstischen und technischer Ausrüstung in kühlem, neutralem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsexperten diskutieren über die Wirksamkeit einer von Apple eingeführten Schutzfunktion, die iPhones vor unbefugten forensischen Datenzugriffen absichern soll. Im Zentrum der Debatte steht der automatische Inaktivitäts-Neustart und die Frage, inwieweit spezialisierte Analysewerkzeuge von Ermittlungsbehörden diesen Mechanismus bereits aushebeln können.

Apple hatte im Jahr 2024 mit dem Betriebssystem-Update auf iOS 18.1 den sogenannten Inaktivitäts-Neustart eingeführt. Bleibt ein iPhone 72 Stunden lang ohne Eingabe des Passcodes gesperrt, löst das Gerät selbstständig einen Neustart aus.

Durch diesen Vorgang wechselt das Smartphone in den Zustand vor dem ersten Entsperren, in der Fachsprache als BFU-Modus („Before First Unlock“) bekannt. In diesem Status sind viele der kryptografischen Schlüssel im Speicher noch nicht geladen, was ein Auslesen gespeicherter Daten für Außenstehende erheblich erschwert.

Umgehung durch spezialisierte Hardware

Wie aus Berichten hervorgeht, hat das Unternehmen Magnet Forensics jedoch ein Werkzeug namens GrayKey Preserve entwickelt. Ein durchgesickertes Trainingsvideo belegt demnach, dass die Technologie nach einer ersten Autorisierung den Zustand nach dem ersten Entsperren („After First Unlock“, AFU) sichern und selbst nach einem anschließenden Neustart oder einem Stromausfall wiederherstellen kann. Damit lasse sich ein beschlagnahmtes iPhone unbegrenzt in einem zugänglichen Zustand halten, was Apples 72-Stunden-Schutzmechanismus faktisch neutralisiert.

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Um Gegenmaßnahmen des Besitzers zu unterbinden, trennt das System die Geräte zudem von der Außenwelt. Das Werkzeug deaktiviert Mobilfunk, WLAN und Bluetooth, um eine Fernlöschung des Geräts über Online-Dienste zu verhindern. Die Sicherheitsforscherin Jiska Classen vermutet hinter der Umgehung eine gezielte Manipulation der internen Systemzeit oder eine Blockade des für den Lebenszyklus zuständigen Hintergrundprozesses im Betriebssystem.

Verbreitung und Grenzen des Software-Schutzes

Die Technologie hinter GrayKey findet weite Verbreitung: Das System wurde an über 1200 Strafverfolgungsbehörden weltweit verkauft. Im Jahr 2024 war der Datenzugriff bei iOS 18 je nach konkretem Gerätemodell noch auf Teile der Daten beschränkt. Durch die Weiterentwicklung verschiebt sich das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Ermittlern nun erneut.

Fachleute weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass reiner Softwareschutz stets an seine Grenzen stößt, sobald Angreifer physischen Besitz über ein Gerät erlangen und spezialisierte Forensik-Hardware zum Einsatz bringen.

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Wenn Sicherheitsbehörden in Dutzenden Ländern über derartige Werkzeuge verfügen, werde ein lückenloser Schutz der Privatsphäre auf dem Endgerät zu einer bloß temporären Angelegenheit. Zudem warnen Sicherheitsexperten davor, dass jede für behördliche Zugriffe geschaffene oder genutzte Schwachstelle letztlich die Sicherheit des gesamten Systems schwäche.

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