Internetnutzung sinkt erstmals: Deutsche sparen 5 Stunden pro Woche
06.06.2026 - 00:28:22 | boerse-global.de
Das zeigt die Postbank Digitalstudie 2026, für die im April und Mai 3.050 Personen befragt wurden. Die durchschnittliche Online-Zeit sank im Vergleich zum Vorjahr um fünf Stunden auf 67,4 Stunden pro Woche.
Besonders stark fällt der Rückgang bei der Smartphone-Nutzung aus: von 25,7 auf 23,9 Stunden. Vor allem Menschen unter 40 Jahren schalten bewusst ab. Fast ein Drittel dieser Altersgruppe plant laut Studie weitere Einschränkungen.
Digitaler Rückzug mit Hindernissen
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Die Hauptgründe für den digitalen Minimalismus: mehr Zeit für die Familie, weniger Ablenkung und gesundheitliche Aspekte. Parallel dazu sank die Nutzung sozialer Netzwerke von 71 auf 64 Prozent.
Doch der Rückzug ist nicht total. KI-Tools wie ChatGPT boomen: 38 Prozent der Befragten nutzen sie bereits. Über die Hälfte der Intensivnutzer gibt an, dass diese Werkzeuge ihr Internetverhalten verändert haben.
Leben ohne Möbel
Der Verzicht auf Besitz geht bei manchen bis zur Möbelfreiheit. Ein Paar in Kapstadt lebt seit vier Jahren ohne herkömmliches Mobiliar – auf Campingmatratzen und Laptoptischen. Die Bewohner berichten von körperlicher Stärkung und einfacherer Haushaltsführung. Gäste zu bewirten, bleibt aber eine Herausforderung. Für Ende 2026 ist der Umzug in ein mobiles Wohnkonzept geplant.
In sozialen Medien kursieren gezielte Streichlisten. Minimalisten verzichten demnach vermehrt auf Billigwaren, spezialisierte Küchengeräte, saisonale Deko und Einwegprodukte. Auch Kleidung für einzelne Anlässe oder Bücher für den einmaligen Gebrauch stehen auf dem Index.
Mehrweg und Kreislaufwirtschaft
Neben individuellen Entscheidungen entstehen strukturierte Lösungen. Das Forschungsprojekt MEHRCE – mit Beteiligung des Wuppertal Instituts und der Leuphana Universität – hat zentrale Stellschrauben für funktionierende Mehrwegsysteme identifiziert. Die Experten fordern standardisierte Größen und Materialien, klare Regeln und nutzerfreundliches Design.
Im Bausektor läuft das EU-Projekt DECORATOR. Seit Januar 2024 arbeiten 13 Partner als Reallabor daran, die Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft der Donauregion zu verankern.
Weniger Feiern, mehr Engagement
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Der Wunsch nach Reduktion verändert auch gesellschaftliche Bräuche. In Idstein wurde eine „Traufe“ gefeiert – eine kombinierte Trauung und Taufe. Das Konzept verringert den ökologischen Fußabdruck und vermeidet Abfall. Kirchenvertreter begleiten solche Feste vereinzelt seit über einem Jahrzehnt.
Bürgerschaftliches Engagement wächst ebenfalls. In Köln sammelt eine ehrenamtliche Helferin seit zehn Jahren wöchentlich rund 25 Stunden Müll im öffentlichen Raum. Ihr Fokus liegt auf Zigarettenstummeln – ein einzelner Filter kann zwischen 40 und 60 Liter Wasser verunreinigen.
Schon 2016 zeigte eine Studie des Beratungsunternehmens Prophet: 76 Prozent der Deutschen wünschten sich finanzielle Belohnungen für gesunde Lebensweise durch die Krankenkassen. Eine Mehrheit lehnte es ab, ungesundes Verhalten mitzufinanzieren. Der Trend zur Redukktion scheint tiefer zu sitzen als gedacht.
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