Intensives Training: Herzschutz steigt, doch Vorhofflimmern nimmt leicht zu
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Körperliche Fitness gilt in der Kardiologie als einer der wirksamsten Schutzfaktoren gegen vorzeitige kardiovaskuläre Erkrankungen. Dennoch diskutieren Fachleute zunehmend darüber, wo die Grenzen der positiven Effekte liegen und welche Risiken mit extremen Belastungen einhergehen können.
Laut einem Bericht des Portals kulturistika.com zeigte eine groß angelegte Untersuchung an Männern differenzierte Ergebnisse hinsichtlich der Trainingsintensität: Während Männer mit der höchsten Fitness ein um mehr als die Hälfte niedrigeres Risiko für Herzinfarkte, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle aufwiesen, war ihr Risiko für Vorhofflimmern mit etwa 4 % geringfügig erhöht.
Grenzen der Belastung und Warnsignale im Sport
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bericht von kulturistika.com eine vorsichtige Trainingssteuerung. Sportler sollten ihren Trainingsumfang schrittweise um höchstens 10 % pro Woche steigern. Bei familiärer Vorbelastung mit Herzfehlern oder früh aufgetretenem Vorhofflimmern sei vor extremen Einheiten zudem ein Belastungs-EKG ratsam.
Die Frage, inwieweit körperliche Aktivität sämtliche kardiovaskulären Risiken neutralisieren kann, thematisierte auch die norwegische Zeitung Aftenposten. Eine hohe körperliche Fitness und gute Sauerstoffaufnahme gelten zwar als eindeutig gesundheitsfördernd, doch können bestimmte Risikofaktoren selbst bei trainierten, schlanken und sich gesund ernährenden Personen bestehen bleiben.
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Zusätzliche Gefahren entstehen, wenn Belastungsgrenzen ignoriert werden. In einem Beitrag des Magazins esquire.de wird vor Überlastungen im Breiten- und Extremsport gewarnt.
Dort verwies ein Experte auf Fälle wie den der HYROX-Teilnehmerin Joanna Wietrzyk, die trotz schwerer Diarrhö ein Rennen in Peking beendete und gewann, oder des Ultraläufers Arda Saatci, der nach einem Ermüdungsbruch im Schienbein hunderte Kilometer weiterlief.
Solche Entwicklungen bergen Risiken wie Verletzungen, Essstörungen und Trainingsabhängigkeit, insbesondere wenn Breitensportler physisch unzureichend vorbereitet sind. Als Gegenmaßnahmen werden gezielte Schulung, eine langfristige Trainingsplanung sowie mentale Begleitung genannt.
Herzrhythmusstörungen in der klinischen Praxis
Die Relevanz von Rhythmusstörungen spiegelt sich auch in bundesweiten Versorgungsdaten wider. Laut dem Deutschen Herzbericht Update 2026 auf Basis der Daten von 2024 sank die Sterberate bei der koronaren Herzkrankheit in Deutschland binnen eines Jahres zwar von 127,3 auf 118,3 je 100.000 Einwohner (?7,1 %), die Zahl der Behandlungen blieb jedoch auf hohem Niveau.
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Im Jahr 2024 wurden über 509.000 vollstationäre Aufnahmen wegen Herzrhythmusstörungen sowie rund 29.800 Todesfälle registriert. Vorhofflimmern betraf bundesweit über 1,6 Millionen Menschen. Entsprechend nahmen die Katheterablationen bei Vorhofflimmern zwischen 2019 und 2024 um 78,1 % zu; von den 139.941 Ablationen im Jahr 2024 entfielen 88.739 auf dieses Krankheitsbild.
Empfehlungen für eine ausgewogene Prävention
Um das Herz-Kreislauf-System effektiv zu schützen, ohne Überlastungen zu riskieren, raten Fachorganisationen zu einem strukturierten Vorgehen. Ein Sportmediziner empfiehlt über die Deutsche Hochdruckliga drei- bis viermal wöchentlich Bewegung sowie zusätzlich isometrische Übungen an ein bis zwei Tagen pro Woche für jeweils 15 bis 20 Minuten.
Gleichzeitig verweist das Universitätsspital Zürich darauf, dass Symptome wie wiederkehrendes oder ausgeprägtes Herzrasen, Schwindel sowie Bewusstlosigkeit stets medizinisch abgeklärt werden sollten.
Auch Brustbeschwerden bedürfen einer genauen Diagnose, da diese selbst bei unauffälligen großen Herzkranzgefäßen durch Störungen kleinerer Gefäße oder Koronarspasmen hervorgerufen werden können. Eine ausgewogene Trainingsdosierung bildet damit das Fundament nachhaltiger kardiologischer Prävention.
