Intelligente Wasserzähler: 48.740 Geräte ab Juli in 62 Gemeinden
04.07.2026 - 06:22:01 | boerse-global.de
Neue Daten des EU-Projekts CleanWaterPathfinder zeigen, wie präzise Leckage-Erkennung teure Kanalerneuerungen überflüssig macht. Für deutsche Kommunen mit maroden Leitungsnetzen könnte das eine Zeitenwende bedeuten.
Autonome Inspektionen sparen Millionen
Die im Projekt entwickelten Roboter des französischen Unternehmens Acwa Robotics sind wahre Wunderwerke: Die 70 Zentimeter langen Zylinder gleiten durch Wasserrohre und scannen diese mit Kameras, Ultraschall und akustischen Sensoren. Sie legen mehrere Kilometer zurück, messen die Wandstärke und orten Lecks millimetergenau.
Der Praxistest in Dünkirchen spricht eine klare Sprache: Statt einer kompletten Erneuerung eines drei Kilometer langen Rohrabschnitts genügten gezielte Reparaturen. Die Ersparnis: 1,1 Millionen Euro. Herkömmliche Rohrerneuerungen kosten zwischen 200.000 und einer Million Euro pro Kilometer. Ähnliche Systeme sind bereits in Marseille, Lyon und Lille im Einsatz – und könnten bald auch deutsche Wasserbetriebe interessieren.
Auch international setzt sich der Trend durch. In Hyderabad, Indien, setzt die städtische Wasserversorgung nach erfolgreichen Pilotversuchen nun flächendeckend auf KI-gestützte Roboter. Sie patrouillieren in Rohren mit Durchmessern zwischen 100 und 250 Millimetern und spüren Lecks, Verunreinigungen und illegale Anschlüsse auf. Ziel: die sogenannten „Non-Revenue Water"-Verluste drastisch zu senken.
Smarte Zähler für ganz Frankreich
Parallel zu den Robotern erobert die Digitalisierung die Wasserzähler. In der Pays de Montbéliard Agglomération startete Anfang Juli ein ambitioniertes Projekt: 48.740 intelligente Wasserzähler werden in 62 Gemeinden installiert. Die Veolia-Tochter setzt dabei auf LoRaWAN-Funktechnologie, die tägliche Verbrauchsdaten und automatische Leckage-Alarme liefert. Rund 140.000 Einwohner profitieren davon. Der Rollout soll bis Juni 2029 abgeschlossen sein.
Im südfranzösischen Hérault begann im März ein Zehnjahresvertrag mit SUEZ. Das Unternehmen investiert 1,36 Millionen Euro in smarte Zähler und Netzwerksensoren – darunter akustische Vorortungssysteme und Druckregler. Die Plattform ON'connect und KI-gestützte Vorhersagemodelle überwachen künftig Kläranlagen und die Netzgesundheit.
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KI optimiert den Energiehunger der Wasserwirtschaft
Die Wasserversorgung ist ein Energiefresser – Pumpen und Ventile laufen rund um die Uhr. Das indische Unternehmen CIMCON zeigt, wie KI gegensteuert: Über zwei Milliarden Kilowattstunden Strom wurden durch Echtzeit-Überwachung bereits eingespart. Die Systeme prognostizieren den Wasserbedarf und optimieren die Pumpzeiten. In der Stadt Raipur führte ein spielerisches Sparsystem zu einem Rückgang des Wasserverbrauchs um 12,5 Prozent.
Noch einen Schritt weiter geht die südkoreanische Firma Bugang Tech. Ihre KI-Plattform AGWD (Generative Waste Water Design) verkürzt die Planungszeit für Kläranlagen von mehreren Monaten auf wenige Stunden. Das System kombiniert sogenannte Agent-KI mit patentierten Designprozessen – ein Ansatz, der auch für deutsche Ingenieurbüros interessant sein dürfte.
Spezialroboter für gefährliche Einsätze
Die Robotik dringt zudem in Bereiche vor, die für Menschen lebensgefährlich sind. In Ungarn setzt GRP Plasticorr auf den Lombrico FTC-Roboter von Gerotto Robotics zur Reinigung von unterirdischen Treibstofftanks. Mit weniger als 130 Kilogramm Gewicht ermöglicht das System den „Null-Mensch-Zutritt" in kontaminierte Umgebungen. Ergebnis: Die Reinigungszeit sank um ein Drittel – von 1,5 Stunden auf eine Stunde pro Tank.
In Belfast Harbour installierte der Hafen als erster im Vereinigten Königreich den Aquapod – ein System, das schwimmende Abfälle und Mikroplastik an der Wasseroberfläche einfängt. Kombiniert mit Umweltsoftware unterstützt es die Wiederansiedlung von Austern und die Wasserqualitäts-Zertifizierung.
Die Wasserwirtschaft steht vor einem digitalen Quantensprung: KI-gesteuerte Roboter orten Lecks millimetergenau und senken Sanierungskosten drastisch. In Frankreich sparte eine Stadt 1,1 Mio. Euro durch gezielte Reparaturen statt Kompletterneuerung. Erfahren Sie im Report, wie auch Ihre Kommune profitiert. Kostenvergleich und Checkliste sichern
Und im indischen Greater Noida setzt Canarys Automations auf Drohnen mit LiDAR-Scannern und IoT-gesteuerten Radarsensoren, um Überschwemmungen vorzubeugen. Der Auftragswert: umgerechnet rund eine Million Euro.
Fazit: Die Wasserwirtschaft steht vor einem digitalen Quantensprung. Roboter und KI machen die Infrastruktur nicht nur günstiger, sondern auch sicherer und effizienter. Für Deutschland, wo jährlich Milliarden in die Sanierung der Leitungsnetze fließen, sind das mehr als nur Zukunftsmusik.
