Insomnie: Studie mit 48 Erwachsenen zeigt gestörte Furchtreaktionen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deWenn das Licht gelöscht wird, beginnt bei vielen Menschen das Gedankenkarussell. Fachleute weisen darauf hin, dass dies kein Zufall ist: Die menschliche Emotionsregulation nimmt während der Nachtstunden ab, wodurch Stress, Ängste und Belastungen deutlich stärker in den Vordergrund treten.
Laut einem Bericht der Washington Post erläutert Natalie Solomon von der Stanford University School of Medicine, die im Bereich der Schlafmedizin zertifiziert ist, wie diese Mechanismen wirken. Demnach erleben rund 20 Prozent der Erwachsenen in den USA regelmäßig Angstzustände, die sich beim Zubettgehen besonders intensiv bemerkbar machen können.
Neurobiologische Mechanismen bei Schlafstörungen
Die neurobiologischen Hintergründe von Schlafproblemen und Angstgefühlen wurden auch in einer in der Fachzeitschrift PLOS Mental Health veröffentlichten Untersuchung von Dr. Rose T. Fagih von der Tandon School of Engineering an der NYU und Forschenden der Harvard Medical School analysiert.
Auf der Grundlage neuer Berechnungsmodelle zur Hautleitfähigkeit untersuchte das Team 24 Erwachsene mit Insomnie sowie 24 Kontrollpersonen mit unauffälligem Schlafverhalten. Schätzungen zufolge sind etwa 10 Prozent der Bevölkerung von Insomnie betroffen.
Die Auswertungen zeigten bei Betroffenen eine signifikant veränderte Furcht- und Sicherheitsreaktion. Ein signifikanter Unterschied trat insbesondere im Modell mit tonischem Hintergrundsignal zutage: Der mittlere Index hoher Erregbarkeit stieg bei den Insomnie-Patienten während der Furchtkonditionierung und -löschung an, während er bei gesunden Schläfern leicht sank.
Tianyu Huang, Erstautor der Untersuchung, erklärte hierzu, dass bei einer Insomnie die Sicherheitserinnerung zu schwach sei, um die Furchterinnerung zu unterdrücken. Schlafstörungen stünden demnach in direktem Zusammenhang mit der Fähigkeit des Gehirns, zu lernen und abzuspeichern, dass eine akute Bedrohung vorüber ist.
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Zunehmende Belastungen im Alltag
In der klinischen Praxis zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Dr. Kneginja Richter, Chefärztin der CuraMed Tagesklinik Nürnberg und Professorin an der TH Nürnberg, spricht von einer Schlafkrise. Immer mehr Menschen schliefen deutlich weniger, als ihr Körper benötige.
Als wesentliche Ursachen nennt sie eine Überlastung des Gehirns durch Perfektionismus, ständige Erreichbarkeit sowie die fortschreitende Digitalisierung. Rund 70 Prozent der Menschen benötigen laut Richter die empfohlenen sieben bis acht Stunden Schlaf, während etwa 20 bis 30 Prozent als Kurz- oder Langschläfer einzustufen seien.
Krankenkassendaten verdeutlichen das Ausmaß:
- Nach Erhebungen der AOK schlafen 71 Prozent der Menschen in Bayern zu wenig.
- Eine forsa-Befragung im Auftrag der AOK Sachsen-Anhalt ergab, dass rund 58 Prozent der Befragten in Deutschland über Schlafprobleme klagen, wobei Stress zu den häufigsten Ursachen zählt.
- Laut Zahlen der Barmer befanden sich im vergangenen Jahr rund 190.000 Menschen in Thüringen wegen Schlafstörungen in ärztlicher Behandlung.
Mit etwa 9,1 Prozent der Bevölkerung wies der Freistaat den bundesweit höchsten Anteil auf, während Hamburg mit rund 6,4 Prozent die niedrigste Quote verzeichnete.
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Kriterien für ärztliche Abklärung und Gegenmaßnahmen
Für Betroffene existieren klare Leitlinien zur Orientierung. Zur Beurteilung verweist Dr. Richter auf die sogenannte 3x3-Regel: Ein Arztbesuch sei ratsam, wenn die Einschlafdauer regelmäßig länger als 30 Minuten betrage, die Störungen mindestens dreimal pro Woche auftreten und dieser Zustand über mehr als drei Monate anhält.
Wer nachts länger als 30 Minuten wach im Bett liege, solle zudem aufstehen und einer monotonen Beschäftigung nachgehen, um die Verbindung zwischen Bett und Schlaflosigkeit zu durchbrechen. Bei älteren Personen empfiehlt die Medizinerin darüber hinaus eine schlafmedizinische Abklärung von Faktoren wie einem Melatonin-Mangel, dem Restless-Legs-Syndrom oder einer Schlafapnoe.
