Immunometabolismus, Minuten

Immunometabolismus: 20 Minuten Sport erhöhen Killerzellen um 50%

01.07.2026 - 10:09:42 | boerse-global.de

Universität Würzburg startet Forschung zu T-Zell-Erschöpfung. Neue Studien zeigen Potenzial von Mitochondrien-Stoffwechsel für Immuntherapien.

Würzburg: Neue Professur erforscht Immunmetabolismus gegen Krebs
Immunometabolismus - Nahaufnahme von leuchtenden Mitochondrien in Immunzellen, umgeben von komplexen Stoffwechselwegen. Abstrakte Lichtmuster symbolisieren Energie. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Professur beschäftigt sich mit dem Immunmetabolismus – einem Feld, das neue Therapien gegen Krebs und chronische Krankheiten verspricht.

Zum 1. Juli 2026 hat Martin Väth die neu geschaffene W2-Professur für Immunmetabolismus am Institut für Systemimmunologie übernommen. Sein Schwerpunkt: die T-Zell-Erschöpfung.

Warum Immunzellen müde werden

Bei Krebserkrankungen und langwierigen Infektionen verlieren T-Zellen ihre Fähigkeit, effektiv gegen Krankheitserreger oder Tumorzellen vorzugehen. Dieses Phänomen nennt sich T-Zell-Erschöpfung. Väth will verstehen, wie metabolische Prozesse die Immunantwort stabilisieren oder wiederherstellen können.

Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Mitochondrien. Sie liefern nicht nur Energie, sondern steuern über ihren Stoffwechsel auch die Aktivität und Langlebigkeit von Immunzellen. Väth leitete zuvor eine Nachwuchsgruppe in der Max-Planck-Forschungsgruppe für Systemimmunologie.

Mitochondrien verjüngen: Forscher finden Schlüsselmolekül

Die Relevanz mitochondrialer Prozesse zeigt auch eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena. Demnach könnte die Zellalterung über die Mitochondrienfunktion teilweise umkehrbar sein – entscheidend sei das Molekül Phosphatidylcholin (PC).

In Versuchen mit menschlichen Zellkulturen und Fadenwürmern führte die gezielte Gabe von Phosphatidylcholin innerhalb von zwei Tagen zu einer Wiederherstellung jugendlicher Mitochondrienstrukturen. Eine verbesserte Mitochondrienfunktion beeinflusst direkt die Leistungsfähigkeit von Immunzellen – das ergänzt die Forschung in Würzburg.

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Neutrophile Granulozyten: Zelltypen als Biomarker

Neben T-Zellen rücken auch andere Immunzelltypen in den Fokus. Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen und des ISAS Dortmund konnten zeigen, dass neutrophile Granulozyten in stabile Untergruppen unterteilt werden können. Besonders die CD177-negativen Zellen weisen pro-tumorale Eigenschaften auf und reichern sich bei bestimmten Krebsarten an – etwa bei Kopf-Hals-Tumoren. Das Verhältnis dieser Zelltypen zueinander könnte künftig als Biomarker für den Krankheitsverlauf dienen.

EU-Projekt sucht Biomarker für ME/CFS

Ebenfalls am 1. Juli 2026 startete das EU-weite Projekt DISCOVER-ME unter der Leitung der MedUni Wien. Mit über 7,5 Millionen Euro aus dem Programm Horizon Europe sollen Biomarker für die komplexe Erkrankung ME/CFS identifiziert werden. Die Forscher setzen dabei auf Drug-Repurposing-Ansätze mit rund 9.000 Wirkstoffen, um metabolische und immunologische Fehlregulationen besser zu verstehen.

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20 Minuten Sport boosten Immunzellen

Dass der Immunstoffwechsel auch durch kurzfristige Reize beeinflusst wird, belegen aktuelle Daten der Universitätsmedizin Essen. Eine Untersuchung zur Wirkung von hochintensivem Intervalltraining (HIIT) zeigte signifikante Effekte: Eine einmalige 20-minütige Einheit auf einem Fahrradergometer führte bei Krebspatienten zu einem durchschnittlichen Anstieg der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) um 50 Prozent, bei gesunden Probanden um 38 Prozent.

Die Kombination aus neuen akademischen Strukturen wie der Professur in Würzburg und interdisziplinären Studien zu Zellstoffwechsel und äußeren Einflussfaktoren bildet die Basis für personalisierte Immuntherapien und präventive Ansätze.

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