Sammelklage, Apple

iCloud+ Sammelklage: Apple soll Nutzer über Private Relay betrogen haben

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue US-Sammelklage wirft Apple Betrug bei iCloud+-Datenschutz vor. Private Relay und Hide My Email sollen Nutzerdaten nicht ausreichend schützen.

Apple-Sammelklage: Datenschutz-Features von iCloud+ im Visier der Justiz
Eine Person arbeitet an einem Laptop in einem modernen Heimbüro, während auf dem Bildschirm abstrakte Netzwerkdaten zu sehen sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Technologiekonzern Apple sieht sich in den USA mit einer neuen rechtlichen Auseinandersetzung konfrontiert. Eine in Kalifornien eingereichte Sammelklage wirft dem Unternehmen Betrug und irreführende Werbung im Zusammenhang mit zentralen Datenschutzfunktionen des kostenpflichtigen Dienstes iCloud+ vor.

Im Fokus der Klage stehen die Funktionen „Private Relay“ und „Hide My Email“, die laut den Klägern die versprochene Anonymität der Nutzer nicht im zugesagten Umfang gewährleisten.

Die Klage wurde von der Clarkson Law Firm eingereicht und stützt sich auf Erkenntnisse, wonach die beworbenen Sicherheitsmechanismen unter bestimmten Bedingungen versagen. Betroffen sind Nutzer der Betriebssysteme iOS, iPadOS und macOS, die den hauseigenen Safari-Browser verwenden.

Sicherheitslücken bei iCloud Private Relay

Ein zentraler Vorwurf der Kläger betrifft die Funktion Private Relay, die eigentlich dazu dienen soll, die IP-Adresse und den DNS-Verkehr der Nutzer vor Website-Betreibern und Netzanbietern zu verbergen. Den vorliegenden Informationen zufolge sind jedoch sowohl DNS-Server als auch die tatsächlichen IP-Adressen im Safari-Browser weiterhin feststellbar.

Sicherheitsforscher, darunter Talal Haj Bakry und Tommy Mysk, hatten bereits im Juni 2026 auf eklatante Schwachstellen in der iOS-Architektur und dem WebKit-Framework hingewiesen. Demnach existieren mindestens drei spezifische Leaks, die es ermöglichen, den verschlüsselten Proxy-Dienst von Apple vollständig zu umgehen.

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Die Klageschrift führt aus, dass insbesondere moderne Webtechnologien wie WebTransport und HTTP/3 sowie Funktionen wie DNS-Prefetching und WebAuthn für diese Sicherheitslücken anfällig seien. Nutzer, die sich auf den Schutz durch iCloud+ verlassen haben, seien somit einer unerwünschten Identifizierbarkeit ausgesetzt gewesen.

Mängel bei „Hide My Email“ und verzögerte Reaktion

Zusätzlich zu den Problemen bei Private Relay werden Apple schwere Versäumnisse beim Dienst Hide My Email vorgeworfen. Diese Funktion soll es Anwendern ermöglichen, zufallsgenerierte E-Mail-Adressen zu nutzen, um die eigene Originaladresse geheim zu halten. Die Kläger geben jedoch an, dass die echte E-Mail-Adresse über Spam-Nachrichten sowie sogenannte Bounce-Mails, also Fehlermeldungen bei der Zustellung, ermittelbar war.

Technischen Analysen zufolge bestand diese Schwachstelle bereits seit Juni 2025. Apple habe erst im Juli 2026 auf die Problematik reagiert, nachdem Berichte in verschiedenen Medien den öffentlichen Druck erhöht hatten. Dabei habe das Unternehmen zwei Anläufe benötigt, um den Fehler vollständig zu beheben. Dieser zeitliche Verzug wird in der Klage als Beleg für eine unzureichende Sorgfaltspflicht seitens des Herstellers angeführt.

Rechtlicher Hintergrund und Markteinordnung

Die aktuelle Klage ist nicht die erste rechtliche Herausforderung für Apple im Bereich des Datenschutzes. In der Vergangenheit hatte der Konzern bereits eine Summe von 250 Mio. US-Dollar gezahlt, um ein Verfahren im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen beim Sprachassistenten Siri beizulegen.

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Branchenexperten nehmen den aktuellen Fall zum Anlass, auf die Grenzen technischer Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Da kein einzelnes Unternehmen einen absolut lückenlosen Schutz garantieren könne, raten Fachleute grundsätzlich zu einem mehrschichtigen Datenschutzkonzept.

Die rechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Apple wird nun zeigen müssen, inwieweit die Marketingversprechen des Konzerns mit der tatsächlichen technischen Umsetzung der iCloud-Dienste in Einklang standen. Apple hat sich zu den konkreten Vorwürfen der neuen Sammelklage bislang nicht öffentlich geäußert.

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