Ibuprofen, Blutdruck

Ibuprofen und Blutdruck: Studie misst nach vier Monaten plus 3,7 mmHg

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Längere oder kombinierte Einnahme kann Nieren, Leber, Magen und Herz-Kreislauf-System belasten; bei Thrombosen bleibt die Ursache differenziert.
Ein heller, minimalistischer medizinischer Untersuchungsraum mit einem Glas Wasser auf einer weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen gehören zu den am häufigsten genutzten Medikamenten in der Selbstmedikation. Medizinische Fachleute warnen jedoch vor einer unkritischen Langzeiteinnahme dieser Präparate. Die Einnahme sollte idealerweise drei Tage nicht überschreiten, da ansonsten das Risiko für Schäden an Magen-Darm-Trakt, Leber und Herz-Kreislauf-System deutlich zunimmt.

Belastungen für Magen, Leber und Nieren

Apothekerin Emilija Trbovi? von der Pharmazeutischen Kammer Serbiens weist darauf hin, dass Schmerzmittel Magen-Darm-Beschwerden, Nierenfunktionsstörungen, einen Blutdruckanstieg sowie kardiovaskuläre Risiken auslösen können.

Besondere Vorsicht sei bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac geboten, insbesondere bei älteren Personen, chronisch Kranken, Schwangeren sowie Menschen unter gerinnungshemmender Behandlung. Zudem wird von der gleichzeitigen Einnahme mehrerer NSAR ohne ärztliche Rücksprache abgeraten.

Auch scheinbar harmlose Gewohnheiten bergen Gefahren: Die parallele Verwendung eines Erkältungspräparats und einer Kopfschmerztablette kann versehentlich zu einer Überdosierung desselben Wirkstoffs führen. Bei Paracetamol droht bei Überschreitung der maximalen Tagesdosis ein schwerer Leberschaden. Kinderärztin Dr. Maureen Stoll merkt hierzu an, dass das Risiko für Leberschäden durch Paracetamol mindestens ebenso groß sei wie die Risiken von NSAR.

Auch Acetylsalicylsäure (Aspirin) verlangt Beachtung: Durch die Hemmung der Thrombozytenaggregation steigert die gemeinsame Gabe mit Antikoagulanzien wie Warfarin oder Clopidogrel die Blutungsgefahr erheblich.

Neben typischen Beschwerden wie Sodbrennen oder Übelkeit können schwere Magenulzera und gastrointestinale Blutungen auftreten. Bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infektionen darf Aspirin wegen des Reye-Syndroms nicht angewendet werden.

Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Urologin Dr. Jennifer Linehan vom St. John's Hospital berichtet, jährlich mehrere Patienten mit beträchtlichen Nierenschäden infolge übermäßiger Ibuprofen-Nutzung zu behandeln. Da NSAR die Nierendurchblutung reduzieren, können sie ein akutes Nierenversagen verursachen. Besondere Vorsicht gelte bei der Kombination mit Blutdruckmedikamenten und Diuretika.

Forschungen in der Fachzeitschrift Mathematical Biosciences zeigen, dass das sogenannte „Triple Whammy“ – die gleichzeitige Gabe von NSAR, Diuretika und ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten – die Wahrscheinlichkeit akuter Nierenschäden um bis zu 31 % erhöht.

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In einer studie in JAMA Network Open an 200 hospitalisierten Personen mit Belastungs-Rhabdomyolyse hatten 64,7 % der Betroffenen mit Nierenschaden zuvor NSAR eingenommen, verglichen mit 21,9 % der Personen ohne diese Komplikation (Irrtumswahrscheinlichkeit unter 0,1 %). Ohne NSAR als Faktor hätte die Inzidenz akuter Nierenschäden um bis zu 81,3 % verringert werden können.

Für das Herz-Kreislauf-System belegen Untersuchungen messbare Effekte: Eine Studie des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 an 444 Hochrisikopatienten ermittelte nach vier Monaten unter Ibuprofen einen Blutdruckanstieg von durchschnittlich 3,7 mmHg und unter Naproxen von 1,6 mmHg, während Celecoxib zu einer Veränderung von -0,3 mmHg führte.

Nach Angaben des Portals Herzmedizin verdoppelt sich das Herzinfarktrisiko bei regelmäßiger Ibuprofen-Einnahme über ein bis sieben Tage. Eine Untersuchung der University of Yang-Ming an 56.000 Erwachsenen mit Bluthochdruck verdeutlichte laut Dr. Chia Hswin Chang, dass viele Betroffene nicht über blutdrucksteigernde Effekte informiert waren; in dem Bericht wird zudem auf ein 31-prozentiges Risiko für einen Herzstillstand bei Ibuprofen-Konsumenten hingewiesen.

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Differenzierte Einschätzung bei Infekten und Thrombosen

Bei fieberhaften Erkrankungen raten Behörden zur Zurückhaltung mit NSAR. Die Infektionsabteilung des Centre Hospitalier de Luxembourg sowie das dortige Gesundheitsministerium empfehlen wie auch der Allgemeinmediziner Dr. Joris Dereant primär Paracetamol. NSAR wie Ibuprofen oder Ketoprofen können bakterielle Infektionen wie Streptokokken oder Pneumokokken verschlimmern.

Die groß angelegte DARWIN-EU-Studie im Journal The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health, die Krankenakten von über 3 Millionen Frauen unter hormoneller Verhütung auswertete, untersuchte das Auftreten venöser Thromboembolien.

Das Risiko war bereits in den zwei Wochen vor der NSAR-Verschreibung erhöht, erreichte am Tag des Anwendungsbeginns seinen Höhepunkt und zeigte sich bei Paracetamol in ähnlicher Weise.

Laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) stützt dieses zeitliche Muster die Annahme, dass primär die zugrunde liegende Erkrankung und nicht das Schmerzmittel selbst für das erhöhte Thromboserisiko verantwortlich ist, auch wenn Forscher wie Dani Prieto-Alhambra einen kausalen Teilbeitrag nicht vollständig ausschließen können.

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