Ibuprofen-Ceiling-Effekt, Risiko

Ibuprofen-Ceiling-Effekt: Ab 400 mg steigt Risiko für Magen-Darm-Blutungen

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pharmazeuten warnen vor Wechselwirkungen und Dosierungsfehlern. Studien zu Vitamin D, Omega-3 und Glucosamin liefern zudem offene Befunde.

Nahrungsergänzungsmittel: Risiken bei Medikamenten und Selbstmedikation
Ein Glas Wasser und eine kleine Schale mit verschiedenen Tabletten und Kapseln auf einer sauberen Küchenoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel gelten vielen als harmlose Helfer gegen chronische Beschwerden. Pharmazeuten warnen jedoch, dass unkontrollierte Kombinationen solcher Präparate mit Arzneimitteln oder anderen Supplementen gesundheitliche Risiken bergen, die bei der Selbsttherapie häufig unterschätzt werden.

Arzneimitteltherapiesicherheit im Fokus

Zum Tag der Patientensicherheit am 17. September 2026 unterstrich die Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) die Bedeutung der Arzneimitteltherapiesicherheit gerade bei chronisch kranken Menschen, wie presseportal.de berichtete.

ADKA-Präsident Dr. Jochen Schnurrer betonte laut niedersachsen-aktuell.com, Patienten sollten die richtigen Arzneimittel in der richtigen Dosierung zum richtigen Zeitpunkt erhalten.

Die ADKA, die nach eigenen Angaben über 90 Prozent der in Deutschland tätigen Krankenhausapotheker vertritt, verweist dabei auf ihre Standards, die die Medikation in drei Phasen begleiten: das pharmazeutische Aufnahmemanagement, das stationäre pharmazeutische Management sowie das pharmazeutische Entlassmanagement.

Grapefruit, Nüchtern-Einnahme und geteilte Tabletten

Praktische Hinweise zur sicheren Einnahme lieferte der Landesapothekerverband Baden-Württemberg. Demnach kann Grapefruit den Abbau und die Wirkung unter anderem vieler Cholesterinsenker, einiger Blutdrucksenker und Psychopharmaka verändern.

Bei der sogenannten Nüchtern-Einnahme empfiehlt der Verband, Medikamente 30 bis 60 Minuten vor dem Essen oder mindestens zwei Stunden danach einzunehmen. Als Begleitgetränk sei Leitungswasser für fast alle Präparate am besten geeignet. Zudem sollten Tabletten nicht eigenmächtig geteilt oder zerkleinert werden.

Beobachtungsstudien zu Vitamin D, Omega-3 und Glucosamin

Auch die Wirkung einzelner Supplemente auf die kognitive Gesundheit wird zunehmend hinterfragt. Beobachtungsstudien, die in einer im Fachjournal BMJ Open veröffentlichten Untersuchung zusammengeführt wurden, zeigten bei 5.065 US-Amerikanern mit einem Durchschnittsalter von 67,5 Jahren – 40 Prozent davon Nutzer von Vitamin-D-Präparaten – über einen Zeitraum von sechs Jahren einen geringfügig schnelleren kognitiven Abbau bei Personen mit bereits normalen Vitamin-D-Werten.

Bei Omega-3-Präparaten verzeichneten 273 Nutzer im Vergleich zu 546 Nichtnutzern nach durchschnittlich fünf Jahren einen schnelleren kognitiven Abbau auf drei klinischen Skalen. Für Glucosamin zeigte sich ein häufigerer Fortschritt von leichter kognitiver Beeinträchtigung zu Demenz binnen fünf Jahren. In allen drei Fällen betonen die Forscher, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt und eine Kausalität nicht belegt ist.

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Ibuprofen: Der Ceiling-Effekt bei Selbstmedikation

Ein weiteres Risiko bei der Eigenmedikation betrifft Schmerzmittel. Ursula Funke, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, wies darauf hin, dass zweimal 400 Milligramm Ibuprofen wie 800 Milligramm wirken – letztere Dosis ist jedoch rezeptpflichtig.

Ab etwa 400 Milligramm greife ein sogenannter Ceiling-Effekt: Die schmerzlindernde Wirkung steige kaum noch weiter an, während das Risiko für Magen-Darm-Blutungen, Nierenschäden sowie Herzinfarkt und Schlaganfall zunehme.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dürfen ohne Rezept maximal 1.200 Milligramm Ibuprofen pro Tag eingenommen werden, mit Rezept bis zu 2.400 Milligramm. Ab dieser Menge bestehe ein leicht erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.

Magnesium: Nutzen und Grenzen bei Bluthochdruck

Für Magnesium, das häufig bei Bluthochdruck eingesetzt wird, zeigt sich ein ambivalentes Bild. Laut der Deutschen Hochdruckliga litten 2024 rund 20 Millionen Menschen im Alter zwischen 30 und 79 Jahren in Deutschland an Bluthochdruck. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer ab 19 Jahren eine Tagesdosis von 350 Milligramm, für Frauen ab 19 Jahren 300 Milligramm.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) setzt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstgrenze von 250 Milligramm pro Tag an. Studien zufolge senkten Dosen ab 240 Milligramm pro Tag bei Menschen mit therapieresistenter Hypertonie den systolischen und diastolischen Blutdruck. Eine kritische Überdosierung tritt laut Deutscher Herzstiftung erst ab 2.500 Milligramm pro Tag auf.

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Einordnung für Verbraucher

Die verschiedenen Befunde zeigen ein gemeinsames Muster: Nahrungsergänzungsmittel sind keine risikofreien Alternativen zu verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

Wechselwirkungen mit Medikamenten, Ceiling-Effekte bei Schmerzmitteln und offene Fragen zu Langzeitfolgen einzelner Präparate verdeutlichen, dass eine unkontrollierte Kombination verschiedener Mittel bei chronischen Beschwerden vermieden werden sollte. Fachleute raten dazu, die Einnahme von Supplementen und Medikamenten mit Apotheken oder Ärzten abzustimmen, statt auf eigene Faust zu kombinieren.

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